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CH: „Es war wie ein Erdbeben“: Tramway kracht in Haus

Münchenstein (CH): Einen Albtraum erlebten gestern Abend, den 3. November 2011, die Bewohner eines Wohnhauses in Münchenstein.

Ein Tram entgleist und prallt fast ungebremst in ihr Heim. So schildern sie die Schrecksekunden. Die vergangene Nacht werden Beat und Kevin Pfluger so schnell nicht vergessen. Um 23.30 Uhr donnerte ein Tram gegen ihr Doppeleinfamilienhaus. «Ich hatte Glück», sagt Beat Pfluger. Er ging gerade mit dem Hund Gassi, als er plötzlich einen Knall hörte. «Ich sah einen Lichtbogen, dann kam das Tram.» Pfluger rannte sofort los und konnte sich in Sicherheit bringen. «Vermutlich stellte ich einen neuen Weltrekord über 100 Meter auf.»

Aus der Distanz muss er zuschauen, wie das Tram der Linie 10 gegen sein Haus donnert und der Fassade entlang streift. Sein Sohn Kevin Pfluger sitzt zu diesem Zeitpunkt gerade im ersten Stock vor dem Computer. «Plötzlich hörte ich ein Quietschen, einen Riesenknall und dann», erinnert sich dieser an den Moment, «erzitterte das Haus. Es fühlte sich an wie ein Erdbeben.»

Augenzeuge entkommt knapp Steinhagel
Wieso das Tram im Bereich der Wendeschlaufe vor dem Haus der Pflugers entgleiste, ist gemäss Polizeisprecher Meinrad Stöcklin noch unklar. Das Tram war von Münchenstein in Richtung Arlesheim unterwegs, als die beiden vorderen Wagen der Doppelkomposition auf halber Strecke zur Haltestelle Brown Boveri aus den Schienen hoben, sagt Augenzeuge Gradlon von Känel. Er kam gerade mit dem Motorrad vom Walzwerkareal – einem benachbarten Industriegelände – als er sah, «wie der vordere Wagen einen richtigen Sprung machte, der ist geflogen», so von Känel am Unfallort. Es sei wie in einem Film gewesen. «Ich dachte: Was ist jetzt los.» Von Känel habe nur noch versucht abzudrehen, damit er nicht vom Tram erwischt wird. «Das war eine Mauer aus Metall, die da auf einen zukommt.» Das Ausweichmanöver gelingt ihm letztlich und bewahrt in auch vor dem Steinhagel, welches das entgleisende Tram auslöst. «Die Steine flogen aus dem Kiesbett des Trassees. Einer traf mich am Knie, ich hatte aber zum Glück Knieschoner an», so von Känel noch sichtlich geschockt. In der Folge fielen gemäss dem Augenzeugen die Stromleitungen herunter und die Funken sprühten. «Ich bin vom Motorrad abgestiegen und habe die Polizei angerufen.»

Sechs Personen verletzt
Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich rund 30 Personen im Tram. Sechs Reisende mussten ins Spital. Zwei erlitten mittelschwere Verletzungen, der Rest kam mit leichten Verletzungen davon. «Hauptsächlich Schürfungen und Prellungen», wie Sprecher Meinrad Stöcklin noch in der Nacht sagte. Die Schadensumme des Ereignisses ist noch unklar, dürfte aber ziemlich hoch sein: Das Tram erlitt einen Totalschaden, die Hausfassade und ein Auto wurden ebenfalls beschädigt, zudem entstanden Schäden am Tramtrassee und den Fahrleitungen. Nach den Schilderungen der Augenzeugen ist das Tram genau auf der Höhe der Weiche aus den Schienen gesprungen. Diese steht gemäss Meinrad Stöcklin auch im Fokus der Polizei als Unfallursache. Der Tramchauffeur wurde nach dem Unfall zur Einvernahme auf den Polizeiposten Reinach gebracht. Wie die Polizei am Donnerstagmorgen gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte, war das Tram nicht zu schnell unterwegs. Es sei mit Tempo 50 gefahren. Erlaubt seien an dieser Stelle 60 km/h. Eine Untersuchungsperson des Bundes ist zwei Stunden nach dem Unfall an der Unfallstelle eingetroffen. Die Ermittlungen laufen.

Im Einsatz standen rund 60 Angehörige der Feuerwehr Münchenstein, Berufsfeuerwehr Basel, BLT, Sanität und Polizei. Die Räumungsarbeiten dürften länger dauern. Der Tram-Betrieb auf der Linie 10 zwischen Bahnhof Dornach/Arlesheim und Basel Dreispitz ist unterbrochen und wird es wohl die kommenden zwei bis drei Tage bleiben. Es fahren Ersatzbusse.

20min.ch, (Fotostrecke & Video)

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