Sbg: Mehrere Personen bei Übung im Schloss Glanegg gerettet
Fürstenbrunn (Sbg): 7. August 2012 – „Brand im Schloss Glanegg – mehrere Personen eingeschlossen!“ mit diesem Alarmierungsspruch wurde im Juni 2012 von Florian Flachgau (BAWZ) die Fürstenbrunner Feuerwehr alarmiert.
Bereits bei der Ausfahrt löste Übungsleiter Christian Stoxreiter Alarmstufe 2 (FF Grödig) aus und wegen der bekannten Wasserknappheit im Schloss Glanegg das Tanklöschfahrzeug von Niederalm nachalarmieren. Die Teleskopbühne der Berufsfeuerwehr wurde via Nachrichtenzentrale der BF alarmiert, wie es im internen Alarmplan der Fürstenbrunner Wehr für dieses Objekt vorgesehen ist.
Beim Eintreffen am Einsatzort wurde der Übungsleiter vom Schlossbesitzer Maximilian Mayr-Melnhof von der aktuellen Lage informiert: „Es brennt im alten Küchengebäude, es befinden sich mindestens vier Personen im brennenden Gebäude. Durch den unterirdischen Gang ziehen schon Rauchschwaden ins Schloss. Mehrere Bewohner haben sich auf den Balkon im 2. Stock geflüchtet und zwei Bewohner stehen im 5. Stock am Fenster. Brennen tuts, aber nur im Küchengebäude! Passts mir auf die Munition auf, damit ihr nicht in die Luft fliegt!“.

Sofort wurden Atemschutztrupps aus Grödig und Fürstenbrunn in das Brandobjekt geschickt um die vermissten Personen zu retten und den Brand zu bekämpfen. Die Tanklöschfahrzeuge von Fürstenbrunn und Grödig wurden durch die einzige Hydrantenleitung mit Löschwasser versorgt. Zusätzlich wurde ein Pendelverkehr aus dem Ortgebiet von Fürstenbrunn mit den restlichen Tankwagen eingerichtet. Sämtliche zusätzlich verfügbaren Atemschutzträger sammelten sich beim Atemschutzsammelplatz von dem sie zur Personenrettung entsendet wurden.
Die Mannschaft von Tank Niederalm übernahm die Personenrettung vom Balkon des Schlosses mittels 3-teiliger Schiebeleiter. Die zwei Personen im 5. Stock rettete die Teleskopbühne der Berufsfeuerwehr, die sich als optimales Fahrzeug für die Schaffung eines zusätzlichen Fluchtweges für zumindest vier Personen je Rettungsvorgang erwiesen hat.

Munition in Sicherheit gebracht
Das Team vom Last 1 Grödig transportierte die Munitionskisten mit dem „Dumper“ (multitalentiertes Allwegefahrzeug) aus der Gefahrenzone. Die restliche Mannschaft musste einen Windwurf des Vorabends entfernen, welcher einen Umkehrplatz für den Pendelverkehr verlegt hatte.
Nach ca. zwei Stunden beendeten die Wehren die herausfordernde Übung mit wichtigen Erkenntnissen, wie z.B. die fixe Aufnahme der Teleskopbühne und des Großtanklöschfahrzeugs der BF Salzburg in den internen Alarmplan. Das Konzept, fixe Standorte für die zu erwartenden Einsatzfahrzeuge vorzusehen, hat sich auf dem sehr beengten Raum beim Schloss ebenfalls bewährt. Das priorisierte Abrufen der nachrückenden Fahrzeuge aus dem Bereitstellungraum des Gutshofes Glanegg hat auch zur Verhinderung eines Staus beigetragen.
Im Rahmen der Übungsnachbesprechung zeigten sich die Übungsbeobachter (AFK, OFK, LZK) und Baron Mayr-Melnhof sehr zufrieden mit dem Übungsverlauf bei diesem einzigartigen historischen Objekt.
Übungsdaten:
Beteiligte Feuerwehren: Fürstenbrunn, Grödig, Niederalm, Berufsfeuerwehr Salzburg
Fahrzeuge: 2x TLF-A 3000 / 1x TLF-A 4000 / 1x SLF-A 1500 / 1x VRF / 1x KLF-A / 2x VF / 1x MTF / 1x TMB-32 / 1 RTW
Mannschaftsstärke gesamt: 75 Personen
Übungsleiter: OLm Christian Stoxreiter
Anwesende:
AFK BR Josef Eisl, Rotes Kreuz, Bgm. Richard Hemetsberger
OFK HBI Karl Wirnsberger, LZK BI Hannes Plätzer
Fakten Schloss + Gutshof Glanegg aus geschichtlicher Sicht
• Besitzer: Familie Mayr-Melnhof
• Ältester Bauteil vor dem Jahr 1000 erbaut
• Ab 1350 Erzbischöflicher Besitz
• Jahr 1350-1645 Sitz Pflegschaftsgericht
• Grenzfeste gegen Bayern (Napoleonische Kriege)
• Jahr 1812 – Erstmals in Privatbesitz
• Jahr 1896 – Kauf durch Friedrich Freiherr von Mayr-Melnhof
• Jahr 1920 – Dachstuhlausbau und Umbau
• Jahr 2011 – Renovierung Schloss Glanegg
Fakten Schloss Glanegg aus Sicht der Feuerwehr
• Bis zu 35 Personen können sich im Schloss aufhalten
• Mauern 1,91 m stark, Decken aus Holz mit Schutt
• Schlosseinfahrt nur für Kleinfahrzeuge (KLF, Voraus) möglich
• Fünf Stockwerke, verwinkelte Gänge und Verbindungen zw. Bauteilen
• Wohnfläche je Stockwerk 160 m²
• Einziger Fluchtweg ist eine Wendeltreppe aus Stein
• Mehrere tausend Schuss Munition
• Gasheizung
