Deutschland: Feuerwehr Schönstedt kämpft um Nachwuchs und mit Geldsorgen
Schönstedt (Deutschland): Für Christian Hartung sieht die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehren düster aus. „Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird uns in ein paar Jahren nichts übrig bleiben, als die Wehren auf den Dörfern zusammenzulegen oder aufzulösen, so dass es nur noch Stützpunkt- und Schwerpunktfeuerwehren geben wird“, sagt er.
Der 29-Jährige ist Wehrführer und Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Schönstedt. Schon länger arbeitet er mit der Wehr in Alterstedt zusammen – vor allem für die Wettbewerbe wäre es sonst schwer, eigene Mannschaften aufzustellen. „Im Löschangriff sind wir momentan noch erfolgreich, haben zusammen mit Alterstedt beim Kreis-Vorausscheid im Mai den zweiten und sechsten, im Kreisausscheid den vierten Platz belegt“, sagt er. Doch schon jetzt sei ein Drittel seiner Feuerwehrleute über 50 Jahre alt. Die Jugendwehr besteht offiziell aus drei Mitglieder, tatsächlich existiere sie nicht mehr, weil einfach kein Nachwuchs zu gewinnen sei.
Im Einsatz bringt diese Mitgliederstruktur jetzt schon Probleme. Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Hamburg dürfen Feuerwehrleute, die über 60 sind, aus Versicherungsgründen nicht mehr an Einsätzen teilnehmen. Für Christian Hartung erschwert das nicht nur die Arbeit, er findet es auch ungerecht: „Arbeiten sollen wir bis 67, aber unser Hobby sollen wir mit 60 aufgeben“, empört er sich. Wie viele Feuerwehrleute in Schönstedt ist der 29-Jährige tagsüber nicht zu Hause. Die Tagesbereitschaft kann die Wehr schon länger nicht mehr garantieren, ist zwischen 6 und 18 Uhr von der Kreisleitstelle abgemeldet. Einige Kameraden seien zumindest abends da.
Hartung selbst kommt nur alle zwei Wochen aus Holland, wo er arbeitet, nach Hause. Wenn er aber da ist, muss er sich nicht nur mit seinen Nachwuchssorgen herumschlagen. Auch das liebe Geld fehlt. „Wir müssten jedes Jahr neue Ausrüstung kaufen, weil ständig neue Vorschriften erlassen werden, die die alte nicht mehr erlauben“, sagt er. Doch auch tatsächlich notwendige Investitionen drängen: Die Helme haben nur eine begrenzte Haltbarkeitsdauer und die ist abgelaufen.
Zumindest die 17 aktiven Mitglieder der Einsatzabteilung bräuchten unbedingt neue, doch jeder Helm kostet etwa 140 Euro. „Das kann sich weder die Kommune noch der Verein leisten, deshalb bleibt uns nur, die Helme sorgfältig zu pflegen und zu hoffen, dass nichts passiert“, sagt Hartung. Trotzdem, und das ist ihm wichtig, lohne sich die Mitgliedschaft in der Feuerwehr. „Es ist eine feste Gemeinschaft, die Halt gibt und sich unterstützt“, schwärmt er. Deshalb werde er auch nicht aufhören, um Nachwuchs zu werben, selbst wenn das heißt, am Tag der offenen Tür für Kinder mit nur einem jungen Besucher da zu stehen.
