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Deutschland: Feuerwehr-Mitglieder-PR-Aktion: Und niemand kam

Großenseebach (Deutschland): Die Großenseebacher Feuerwehr war gut vorbereitet auf ihre Aktion „Mitstreiter gesucht“, die besonders Kinder und Jugendliche ins Gerätehaus locken sollte. Doch vergebens. Dabei schwärmen Julia und Angelika in höchsten Tönen. Auch anderen Wehren im Landkreis fehlen zunehmend die Aktiven.

Dem Großenseebacher Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr, Bernhard Schmitt, war die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. „Das war ein Schlag ins Wasser“, kommentierte Schmitt den Aufruf „Mitstreiter gesucht“. Niemand hatte Interesse und die Feuerwehrleute blieben unter sich.

Dass die Feuerwehren gebraucht werden bei einem Brand, einer technischen Hilfeleistung oder bei den jüngsten Hochwassern, ist eigentlich allen Menschen klar. Die wenigsten fragen sich aber, was für Menschen die Feuerwehrleute eigentlich sind. Und es scheint auch manchem nicht klar zu sein, dass die Feuerwehrleute ihren Dienst freiwillig und ehrenamtlich versehen, nicht für sich, sondern zum Wohle der Bürger.

„An unserer Ausrüstung und Ausbildung kann es nicht liegen“, erklärte Kommandant Bernhard Schmitt. Die Gemeinde Großenseebach legt Wert darauf, dass im Gerätehaus eine moderne Ausrüstung steht.
Sicher wird der demografische und gesellschaftliche Wandel langfristig Löcher in die Truppe reißen. Dem versuchen Feuerwehrführungen und Verantwortliche entgegenzuwirken.
Ähnliche Sorgen wie in Großenseebach erklingen bei vielen Feuerwehren im Landkreis, und Landrat Eberhard Irlinger (SPD) warnt bei jeder sich bietenden Gelegenheitvor einem zu erwartenden Nachwuchsmangel.

Noch gebe es im Landkreis keine Existenzprobleme, aber für Harald Schattan, Kreisbrandrat des Landkreises, steht fest: „Wenn wir einfach so weiter machen, werden uns die Nachwuchsprobleme einholen.“
Dazu kommt – auch das wird in Feuerwehrkreisen diskutiert -, dass trotz steigender Einwohnerzahlen die Zahl der Feuerwehrdienstleistenden rückläufig ist. Die Freiwilligen Feuerwehren müssen sich sputen. „Kinder über zehn Jahre sind für uns unerreichbar“, klagt ein Kreisbrandmeister, der nicht namentlich genannt werden will. Dann hätten Fußball- und Sportvereine und andere Einrichtungen die Kinder „abgegrast“.

So wird dem drohenden Nachwuchsmangel noch mit weiteren Mitteln begegnet. Die Feuerwehren gehen in Kindergärten und Grundschulen zur Brandschutzerziehung. Um in Konkurrenz zu Sport- und sonstigen Vereinen möglichst früh Begeisterung zu wecken, werden Kinderfeuerwehren, die spielerisch an Feuerwehren heranführen, ins Leben gerufen.
Feuerwehrleute in den Gemeinden sehen aber noch eine weitere Ursache. „Die Neubürger und Zugezogenen haben keinerlei Bindungen zum Ort und scheinbar auch kein Interesse.“ „Die erinnern sich erst an uns und an die Feuerwehr, wenn sie auf der Terrasse von Wespen belästigt werden“, schimpfte eine Feuerwehrfrau.

Dies bestätigen in Großenseebach auch die 16-jährige Julia Leipold und die 15-jährige Angelika Nein. Die beiden jungen Damen sind seit vier Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr. „Wir sind dabei, weil es Spaß machte und auch unsere Eltern dabei sind“, erklärten die beiden und hoben besonders die Kameradschaft heraus. „Wir haben so gut wie keinen Kontakt zu Gleichaltrigen in den Wohnsiedlungen, die gehen nicht ins Dorf“, erklärten Julia und Angelika.

Zeitgründe sind für die beiden „faule Ausreden“. So wird in der Regel einmal im Monat geübt, und auch die Einsätze für die aktive Mannschaft seien überschaubar. Angelika vermutet bei den Mädchen, dass sie sich zu viel mit sich selbst beschäftigen oder lieber reiten gehen. „Außerdem werden die doch überall hingefahren, die brauchen sich um nichts kümmern“, meinte Julia leicht entrüstet. Die Jungs würden, wenn sie nicht in einem anderen Verein sind, ihre Zeit vor dem Computer verbringen, statt sich sinnvoll zu beschäftigen.

Für die beiden Mädchen endete jetzt auch die Schulzeit, Julia wird in Erlangen eine Ausbildung in der Bürokommunikation beginnen, und Angelika will Kinderpflegerin werden und in Höchstadt die Berufsfachschule für Kinderpflege besuchen. „Klar bleiben wir bei der Feuerwehr“, erklärte Angelika, die sogar mal Maschinistin werden will.

„Wir haben auch eine Lücke bei den 40- bis 50-Jährigen, und damit fehlen uns auch deren Kinder“, meinte Kommandant Bernhard Schmitt, der im Moment auch keine Lösung aus der Tasche ziehen kann. Dabei hatte seine Mannschaft den Tag gut vorbereitet, die Ausrüstung aufgebaut – doch die Ehrenamtlichen warteten vergebens auf Kinder und Jugendliche. Sicher hat auch der Sommertag eine Rolle gespielt, vermutet Schmitt, aber dass es nur daran gelegen haben mag, glaubt er auch nicht so recht.

Der Tag soll im Herbst wiederholt werden, „wir müssen was tun, in den nächsten Jahren müssen einige der Aktiven aus Altersgründen ausscheiden. Es darf nicht passieren, dass das Löschfahrzeug nur noch mit drei der vier Leute besetzt werden kann“, erklärte Schmitt seiner Mannschaft.

InFranken.de

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