Tirol: Nach Großbrand -> Versicherung will von zwei Minderjährigen über 700.000
Tirol: Zu einem außergewöhnlichen Verfahren kommt es am 27. März 2014 am Landesgericht in Innsbruck. Eine Versicherung klagt zwei Unterländer Buben auf nicht weniger als 712.000 Euro Schadenersatz.
Im Oktober 2011 hatten die damals Acht- und Zehnjährigen beim Spielen das landwirtschaftliche Anwesen „Rinderbrach“ in Kössen in Brand gesetzt, weil sie mit einem Feuerzeug probeweise Stroh angezündet hatten. Das Wirtschaftsgebäude des Hofs brannte trotz intensiver Löscharbeiten komplett nieder. Der Schaden für den Landwirt und für die Brandversicherung betrug insgesamt stolze 890.000 Euro. Auch der Wohntrakt konnte nicht mehr bewohnt werden.
Da die Zündelei der Buben nachmittags gegen 15.00 Uhr während des Fahrradfahrens erfolgte, war den beiden Elternteilen keine Verletzung ihrer Aufsichtspflicht vorzuwerfen – somit auch nichts von ihnen zu holen.
Bestehende Privathaftpflichtversicherungen der Eltern, die ihre Kinder einschließen, nähren bei der Versicherung des Landwirts nun aber doch noch die Hoffnung auf Entschädigung. Sind doch beide Buben jeweils mit einer Deckungssumme von je 1,3 Millionen Euro versichert.
Richterin Barbara Lonsing wird dazu heute Vormittag in einer ersten Verhandlung die Argumente aller Seiten hören.
Während sich die Versicherungen beider Buben gegenseitig die Schuld zuschieben und Haftungen dem Grunde nach ablehnen, verlangt die Versicherung des Bauern eine solidarische Haftung beider Zündler. Da wird wohl auch den Buben der Weg zum Gericht nicht erspart bleiben. Dass ihre Versicherungen später einmal bei ihnen Regress für die Leistungen nehmen könnten, erscheint Zivilrechtsexperten jedoch aufgrund des jungen Alters für ausgeschlossen.
