Technisch

D: 1.200 Unwettereinsätze und 3 Todesopfer am Pingstmontag in Düsseldorf

Düsseldorf (Deutschland): Am Abend des 9. Juni 2014, zog ein schweres Gewitter mit Orkanböen, Starkregen und Hagel über Düsseldorf hinweg. Um kurz vor 21 Uhr liefen die Notrufleitungen wahrlich „heiß“.
Update: 09.30 Uhr.

Die Leitstelle richtete eine Feuerwehreinsatzleitung zur Bewältigung der mehr als 650 gemeldeten überwiegenden Sturmschäden und einigen Wasserschäden ein – eine echte Herausforderung für die Einsatzkräfte im Stadtgebiet.

Alle Feuerwachen, viele dienstfreie Mitarbeiter der Feuerwehr, die Löschgruppen der Freiwilligen Feuerwehr, die Hilfsorganisationen und das Technische Hilfswerk Ortsgruppe Düsseldorf sind im Einsatz um Gefahrenstellen zu minimieren und Schäden zu beseitigen. Angeforderte überörtliche Hilfe kam aus der Nachbarstadt Köln, dem Kreis Heinsberg und dem Kreis Kleve. Insgesamt sind 600 Einsatzkräfte damit beschäftigt, die Schäden zu beseitigen und professionelle Hilfe für die Bürgerinnen und Bürger zu leisten.

Der Deutsche Wetterdienst gab Warnungen für das Stadtgebiet mit extremen Orkanböen mit Geschwindigkeiten um 140 Stundenkilometer heraus. Der Himmel färbte sich tiefschwarz gelb durchzogen von Saharasand. Innerhalb kurzer Zeit stürzten Bäume um, große Äste brachen ab und fielen zu Boden, Fassadenverkleidungen, Kamine und andere Bauelemente lösten sich aus der Befestigung, Planen oder andere nicht verankerte Gegenstände flogen durch die Gegend und gefährdeten Fußgänger und
den Verkehr. Mehrere Menschen wurden verletzt – meist durch Bäume eingeklemmt.

Gaslaternen knickten unter Last von Bäumen ein und wurden undicht. Der Starkregen setzte teilweise Straßen unter Wasser, auch Keller liefen voll. In den Straßen herrschte ein Chaos: Bei den ersten Erkundungsfahrten meldeten die Einsatzkräfte, dass viele Straßen wegen der Sturmschäden nicht mehr zu passieren waren – ganze Baumtrassen waren umgeknickt wie Streichhölzer und fielen teilweise auf Fahrzeuge – diese haben nur noch Schrottwert.

Sehr tragisch verlief das Orkantief für neun Menschen auf einem Hinterhof in der Henkelstraße. Dort hatte der Orkan zwei Bäume entwurzelt, die auf ein Gartenhaus stürzten das dabei stark beschädigt wurde. Ein Teil der Bewohner hatte genau dort Zuflucht vor dem Unwetter gesucht und wurden verletzt. Die Rettungsaktion läuft noch, die Situation vor Ort ist noch nicht eindeutig geklärt! Rettungsdienst mit leitendem Notarzt, Polizei und Seelsorger sowie „schweres Bergegerät“ der Feuerwehr sind dort im Einsatz.

Vermutlich durch Überspannungen von Blitzeinschlägen kamen zeitgleich zu den vielen Notrufen über 30 Feuermeldungen von Brandmeldeanlagen in besonderen Objekten wie beispielsweise aus Krankenhäusern, Industriegebäuden, Banken, Bürogebäuden oder Seniorenheimen. Neben der Beseitigung der Schäden durch das Unwetter in der Stadt mussten dafür zusätzlich Löschzüge alarmiert werden. Eine absolut logistische Herausforderung bei der Disposition in der Leitstelle sowie strategischen Führung in der rückwärtigen Feuerwehr-Einsatz-Leitung (FEL) – professionelles Handeln der Großstadtfeuerwehr stand dabei auf dem Plan.

Bäume oder Äste stürzten auf Straßen, Gehwegen und gegen Hauswände, wie bei dem Gebäude in der Haus-Endt-Straße. Bäume kippten auch auf Personenwagen wie beispielsweise in der Kappeler Straße, Weseler Straße, Feuerbachstraße, Tannenhofweg und am Schleizer Weg. Auf der Ludenbergstraße riss eine Stromleitung ab und fiel auf die Fahrbahn. Ein Baum kippte auf die Oberleitung der Rheinbahn auf der Rethelstraße.

Am Broichgraben drohte ein Baugerüst von einem fünfstöckigen Wohnhaus umzustürzen. An einigen Gebäuden waren Dachpfannen und Blechverkleidungen betroffen – so Am Drakeplatz, wo die Orkanböen 60 Quadratmeter Dacheindeckung eines Wohnhauses wegfegten. Dämmstoffplatten von einer Baustelle in der Hansaallee wirbelten durch die Luft und gefährdeten den Verkehr. Auf der Bismarckstraße lösten sich Schaufensterscheiben durch den Winddruck. In Flingern ging eine Fensterscheibe an einem Wohnhaus zu Bruch. Auf der Kronprinzenstraße drohte ein Mobilfunkmast vom Dach herabzustürzen. Eine Solaranlage hielt dem Orkan auf der Iserlohner Straße nicht stand. An einigen Stellen wurden durch umstürzende Bäume auch Gaslaternen beschädigt und undicht. Feuerwehr und Stadtwerkemitarbeiter kamen dort zum
Einsatz.

Neben etlichen Kellern waren auch Straßen überflutet, da die Wassermassen nicht von der Kanalisation aufgenommen werden konnte – so zum Beispiel auch im Rheinufertunnel.

Drei Tote und zehn verletzte Menschen – 1.200 Unwetter-Einsaetze
Das Unwetter mit dem heftigen Orkantief forderte in Düsseldorf bis Stand 6 Uhr drei Todesopfer und zehn zum Teil schwer Verletzte. Die 600 Einsatzkräfte sind noch immer im Stadtgebiet unterwegs um die Schäden zu beseitigen – das Ende ist noch nicht abzusehen. Der Personennahverkehr wurde eingestellt.

Sehr tragisch ist der Tod dreier Menschen in Reisholz. Auf einem Gelände an der Henkelstraße nahe der Bahnlinie flüchteten neun Menschen vor dem Unwetter in ein Gartenhaus, da das nächste Wohnhaus etwa 150 Meter weit entfernt lag. Eine große Pappel und ein kleinerer Baum wurden von den starken Windböen erfasst und stürzten auf das Gartenhaus, das sofort zusammenbrach. Drei der Geflüchteten konnten sich aus eigener Kraft aus den Trümmern befreien.

Die herbeigeeilten Einsatzkräfte konnten einen weiteren Unverletzten und zwei Schwerverletzte (beides Frauen 25 und 30 Jahre) unter hohem technischem Aufwand aus den Trümmern retten. Für drei weitere Menschen kam jedoch jede Hilfe zu spät. Die Bergung dauerte mehrere Stunden. Der Rettungsdienst mit Notarzt versorgte die Verletzten, die in Krankenhäuser transportiert wurden. Seelsorger betreuten die Betroffenen und deren Familien.

Im Stadtgebiet wurden weitere acht Fahrzeuginsassen verletzt und mussten aus ihren Fahrzeugen befreit und/oder gerettet werden, weil Bäume auf die Personenwagen gestürzt waren. Bei der Beseitigung der Gefahren durch umgestürzte Bäume verletzten sich auch zwei Feuerwehrmänner, die durch herabstürzende Baumteile Verletzungen davon trugen.

Mit Stand 6 Uhr waren rund 1.200 Einsätze im Laufe der Nacht bei der Leitstelle an den 16 Notrufabfrageplätzen aufgenommen worden, davon sind 450 abgearbeitet. Das Stadtgebiet wurde in fünf Einsatzabschnitte unterteilt, wo die 600 Einsatzkräfte eingesetzt sind. Einer der wesentlichen Schwerpunkte sind die Hauptverkehrsstraßen, wo umgestürzte Bäume stellenweise eine Durchfahrt unmöglich machten. So beispielsweise auf der Lindemannstraße, Rethelstraße, Kaiserswerther Straße, viele Straßen und Nebenstraße in Wersten, Düsseldorfer Straße, Pariser Straße, am Belsenplatz, rund um die Feuerwache Quirinstraße in Oberkassel und auf der Maximillian-Weyhe-Allee.

Auf der Collenbachstraße war das Dach der Kreuzkirche betroffen, der Orkan fegte die Eindeckung komplett weg. Viele Gaslaternen knickten durch Bäume um und stellten durch ausströmendes Gas eine zusätzliche Gefahr dar. Mitarbeiter der Stadtwerke baggerten die betroffenen Laternen aus und dichteten die Leckagen ab.

Da neue Wetterwarnungen am Morgen vom Deutschen Wetterdienst für Düsseldorf ausgegeben wurden, forderte die Feuerwehr-Einsatz-Leitung weitere Unterstützung durch eine Bereitschaft mit 150 Mann über die Bezirksregierung Düsseldorf an. Aus dem Regierungsbezirk Köln wird am frühen Morgen eine Bereitschaft in Düsseldorf erwartet.

Feuerwehr Duesseldorf

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