Österreich: „Cold Water Challenges“: Fluch oder Segen der Öffentlichkeitsarbeit?
Österreich: Sie sollen Spaß machen, die Kameradschaft fördern und im vorbeigehen neue Mitglieder lukrieren. Ein heißes Thema: Die „Cold Water Challenges“. Tolle PR oder doch nur ein Schuß ins eigene „Öffentlichkeitsarbeits-Knie“?
Von den einen als probates Mittel zur Mitgliedergewinnung gesehen, befürchten andere wiederum -nicht ganz unberechtigt- einen möglichen Imageschaden für das freiwillige Feuerwehrwesen. Niemand möchte Kameradschaft oder den Spaß an der Feuerwehr verderben: Doch sind Aufrufe, bei Nicht-Teilnahme Bier zahlen zu müssen, oder gar auf Youtube mit Bier in der Hand durchs Wasser zu laufen, wirklich das optimale Mittel um seriöse Mitgliederwerbung zu betreiben?
Seitens der Pressestelle des Niederösterreichischen Landesfeuerwehrverbandes wurde nun in einer Aussendung an Feuerwehrfunktionäre Stellung zu dem Thema genommen, das Schreiben selbst wurde der Fireworld-Redaktion von einem Leser zugespielt.
Schreiben des Nö Landesfeuerwehrverbandes
Wir sehen uns seit Tagen mit einem Phänomen konfrontiert, das sich mittlerweile zu einem Imageschaden für die freiwilligen Feuerwehren auszuwachsen droht. Stichwort: Cold Water Challenge. Ein neuer deutschlandweiter Online-Trend unter Feuerwehren, der jetzt auch Niederösterreich erreicht hat.
Worum geht’s? Unter anderem auch darum, neue Mitglieder anzuwerben. Dafür machen sich die Feuerwehren zum Affen, wie auf YouTube eindrucksvoll unter Beweis gestellt wird. Mit „spaßigen“ Kurzvideos, in denen die Feuerwehrmitglieder auf peinlichste Art und Weise ihre Verbindung zu kaltem Wasser definieren. Egal ob im See, im Freibad am Teich oder mit selbst inszeniertem Regen. Wer nach Aufforderung nicht rechtzeitig an der Cold Water Challenge teilnimmt, der muss seinem „Herausforderer“ einen Sold abliefern. Etwa mehrere Kisten Bier, etc.
Nachdem der neue Trend mittlerweile auch auf NÖ Feuerwehren übergeschwappt ist, möchten wir auf folgenden Sachverhalt hinweisen. Abseits vom Imageschaden aufgrund besonders geschmackloser YouTube-Videos, haben sich manche deutsche Feuerwehren bereits strafbar gemacht. Sie sind nachweislich mit Folgetonhorn und Blaulicht zu einer Cold Water Challenge-Aktion ausgerückt. Dafür sehen sie sich jetzt mit einer Anzeige bei den zuständigen Behörden konfrontiert.
Abseits der strafrechtlichen Komponente ist zu hinterfragen, ob wirklich jemand ernsthaft glaubt, neue Mitglieder mit nackten Ärschen, Bierflasche in der Hand oder deftigen Sprüchen gewinnen zu können. Ist das die Vorbildwirkung, die wir uns wünschen? Damit sollen wir Eltern dazu bringen, ihren Kinder das Feuerwehrwesen schmackhaft zu machen?
Ich denke, derartige Werbemethoden haben wir nicht nötig und hat sich das freiwillige Feuerwehrwesen auch nicht verdient.
Mit kameradschaftlichem Gruß
Franz Resperger, ABI
Pressesprecher Nö LFKDO
