Oö: Hochwasservorwarnstufe in Schärding überschritten – Hw-Schutz aktiv

Oberösterreich: Der Hydrografische Dienst des Landes OÖ veröffentlichte zu Mittag des 31. Juli 2014 einen aktuellen Hochwasserbericht – mit einem Hochwasseralarm für Schärding. In den letzten Tagen verzeichnete der Inn bei Schärding einen Wasserstand von rund vier Metern, aktuell 4,60 Meter. Am Hochwasserscheitel, der heute Nacht erwartet wird, wird der Wasserstand auf knapp über sechs Meter ansteigen.
Dies ist deutlich unter einem fünf-jährlichen Ereignis. Grund für den starken Anstieg der Wasserführung am Inn sind die starken Niederschläge im Bereich des Nordalpenstaus von Salzburg und Tirol.
Die Niederschläge im Einzugsgebiet von Inn und Salzach haben in den letzten 48 Stunden eine Niederschlagssumme von ca. 70 – 90 mm erreicht. In Salzburg werden die Niederschläge von Westen her über Mittag und am Nachmittag langsam weniger. In den östlichen Landesteilen, sowie im südlichen Bergland Oberösterreichs regnet es die nächsten drei bis vier Stunden noch durch (NS Menge 10 – 20 mm). Am Abend hört der Niederschlag laut aktueller Prognosen auf.
Auch der Hochwassernachrichtendienst Bayern veröffentlichte einen ersten Hochwasserbericht: „Im Inngebiet kommt es verbreitet zu Ausuferungen und Überflutungen in Meldestufen 1 und 2. Am Inn kann am Pegel Kraiburg die Meldestufe 3 überschritten werden. Durch die erhöhten Zuflüsse steigen auch die Pegel an der Donau an. In Passau kann an den Pegeln Passau/Donau und Ilzstadt die Meldestufe 2, eventuell auch Meldestufe 3 überschritten werden.“
(Anmerkung: Meldestufe 1: stellenweise kleinere Ausuferungen; Meldestufe 2: Lw. Flächen überflutet oder leichte Verkehrsbehinderungen; Meldestufe 3: einzelne bebaute Grundstücke oder Keller überflutet oder Sperrung überörtlicher Verkehrsverbindungen oder vereinzelt Einsatz der Wasser- oder Dammwehr)
Landesrat Rudi Anschober: „Zum Schutz der Bevölkerung und der Infrastruktur in Schärding wurde die sogenannte Phase 1 des Hochwasserschutzes, also Schutz und Aufbau an tiefgelegenen Stellen, bereits umgesetzt. Plan ist nun, Schritt für Schritt die mobilen Elemente aufzubauen. Laut aktuellem Stand und aktueller Wetterprognosen werden diese Maßnahmen auf jeden Fall zur Absicherung der Wassermassen reichen.“
Feuertaufe für das Schutzprojekt in der Schärdinger Altstadt: Das zu erwartende Hochwasserereignis in Schärding wird als gering klassifiziert, da es unter einer Fünfjährlichkeit sein wird. Nichtsdestotrotz ist dieses für das Wasserressort des Landes Oberösterreich unter Landesrat Rudi Anschober und den Gewässerbezirk Braunau eine gute Chance, um den fertig gestellten Hochwasserschutz für die Schärdinger Altstadt einer „Feuertaufe“ zu unterziehen.
Anschober: „Wir testen aktuell vor Ort den Alarmaufbau, um hierdurch wichtige Erfahrungswerte für Einsätze bei größeren Hochwasserereignissen zu bekommen. Ich bin sehr froh darüber, dass das Schutzprojekt für die Schärdinger Altstadt bereits fertig gestellt werden konnte und dass wir noch heuer für den Polder Neustift das nächste Schutzprojekt der Region noch zur wasserrechtlichen Genehmigungsreife führen werden.“
Das Schutzprojekt „Altstadt“ wurde von der Stadtgemeinde Schärding als Bauherr in der Bauzeit 2010 bis Juni 2014 mit Gesamtkosten von neun Mio. Euro umgesetzt. Aufgrund der Gegebenheiten kann das Projekt die Schärdinger Altstadt nur vor 30-jährlichen Hochwässern –Durchflussmengen von 5.300 m³/s bzw. Wasserhöhen von bis zu vier Metern – schützen. Bestehende denkmalgeschützte Bauwerke entlang der Innpromenade wurden in das Projekt eingearbeitet.
325 Meter Stahlbetonmauer wurden in den letzten Monaten errichtet, auf die noch 240 m² mobile Elemente aufgesetzt werden, damit eine Gesamthöhe von durchschnittlich vier Metern erreicht wird. Das Regenwasser aus dem Stadtbereich wird im Hochwasserfall mit vier großen Pumpwerken abgepumpt.
Der Hochwasserschutz in Schärding ist ein wichtiger Teil des umfassenden oö. Hochwasserschutzprogrammes, das von Landesrat Anschober im Jahr 2005 gestartet wurde. Bereits 535 Schutzprojekte wurden fertig gestellt, weitere 83 sind in Umsetzung und weitere 74 in Planung.
Auswirkungen auf die oö. Donau: Die Hochwasserwelle wird ausgehend vom Inn die oö. Donau durchlaufen, wobei die Hochwasserwarngrenzen knapp überschritten werden. Großflächige Überflutungen sind laut aktueller Prognosen der Landesexperten nicht zu erwarten.
Info der Feuerwehr Schaerding:
Die starken Niederschläge im Einzugsbereich ließen den Inn während des Nachmittags rasch ansteigen. Seit kurz nach 15 Uhr gilt Hochwasseralarm in Schärding. Bereits in den Vormittagsstunden hat der Bauhof den mobilen Hochwasserschutz (30 jährlich – Schutz bis 930 cm) für die Altstadt aufgebaut, bzw. vorbereitet. Die Feuerwehr überwacht die Lage und führt zahlreiche Pumparbeiten durch. Seitens der Einsatzzentrale wurden die über 20 betroffenen Anwohner informiert.

Seit den Nachmittagsstunden ist die Innlände überflutet, der Parkplatz Schiffsanlegestelle sowie der Leonhard-Kaiser-Weg sind für den Verkehr gesperrt. In Schärding rechnet man noch mit einem Anstieg auf ca. 650 cm kurz nach Mitternacht (Normalstand 390 – 410 cm), dann sollte die Spitze erreicht werden und das Wasser wieder zurückgehen. „Durch den schon teilweise errichteten Hochwasserschutz konnten größere Schäden verhindert werden. “, berichtet der technische Einsatzleiter Markus Furtner. Die Lage wird natürlich weiter beobachtet und im Bedarfsfall steht die Mannschaft bereit. Bis zu einem Wasserstand von 700 cm sind alle Vorbereitungen getroffen. Für die rasche Information an die Bevölkerung wurde auch das von Zivilschutzverband installierte „Zivilschutz-SMS“ ausgelöst. So können die Prognosen rasch kommuniziert werden.

Wichtig für die Stadt Schärding wäre, dass der dritte Teil des Hochwasserschutzes rasch gebaut wird, um auch für die restlichen Objekte einen entsprechenden Schutz zur Verfügung zu stellen und Katastrophen wie in den Jahren 2002 und 2013 zu verhindern. Im Zuge dieses Bauabschnittes wäre auch ein Lager für Mobilelemente und Sandsäcke wichtig.
