Bgld: Detailbericht-Eiszeit: 80 Personen wegen vereister Bäume eingeschlossen

Neustift an der Rosalia (Bgld): Nach dem am Sonntag den 30.11.2014 um 20:45 Uhr der Strom im gesamten Ortsgebiet von Forchtenstein ausfiel, wurde die Freiwillige Feuerwehr Neustift an der Rosalia telefonisch davon in Kenntnis gesetzt, dass es im Bereich zwischen Feuerwehrhaus und Ortsteil Rosalia (1.370 Haushalte) zu einer Überspannung gekommen ist.
Telefonisch wurden Feuerwehrmitglieder alarmiert, welche unverzüglich zum Einsatz ausrückten. Kurz vor den ersten Häusern der Rosalia wurde die Stromleitung von einem umstürzenden Baum gekappt. Unsere Wehr sicherte die Einsatzstelle ab und wartete im sicheren Bereich auf die Mitarbeiter der Energie Burgenland. Nach der Freischaltung konnte der umgestürzte Baum entfernt werden. Jedoch war bei den Bäumen die Eis Last so groß, dass in unmittelbarer Nähe einige Wipfel brachen. Ein gefahrenloses Arbeiten war nicht mehr möglich und daher befahl man den sofortigen Rückzug.

Die Einsatzfahrzeuge wurden aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich gefahren und die Landesstraße nach Rücksprache mit der Polizeiinspektion Forchtenstein gesperrt. Nach Gesprächen mit der Energie Burgenland und der Bezirkshauptmannschaft Mattersburg wurde eine Totalsperre der L223 im Bereich Kohlstatt bis zu den ersten Häusern auf der Rosalia durch die Straßenmeisterei veranlasst. In der Zwischenzeit konnte die Energie Burgenland die Stromversorgung für Forchtenstein wieder herstellen. Der Ortsteil Rosalia konnte nach 53 Minuten über die niederösterreichische Seite mit Strom versorgt werden.
Montag, 01.12.2014
Da sich die Situation in der Nacht verschlechterte (weitere Bäume und Wipfel stürzten auf die Landesstraße), wurde seitens der Bezirkshauptmannschaft Mattersburg die Sperre aufrechterhalten. Bäume knickten im Minutentakt. Um die Stromversorgung weiterhin gewährleisten zu können, wurde seitens der Energie Burgenland ein Notstromgenerator auf der Rosalia stationiert. Damit auch dann die Stromversorgung vorhanden wäre, sollten auch auf niederösterreichischer Seite Bäume auf die Leitung stürzen. Die FF Hochwolkersdorf (NÖ, OFK OBI Steiner) wurde telefonisch davon in Kenntnis gesetzt, dass die Rosalia nur unter schwierigen Bedingungen erreichbar ist. Es wurde vereinbart, dass im Notfall diese über die LSZ Burgenland bzw. BWZ Wr. Neustadt alarmiert wird. Evakuiert wurden aus Sicherheitsgründen die Bewohner eines Einfamilienhauses, das neben der unter großen Eis Last stehenden Bäumen steht. Da ein gefahrenloses Beseitigen der umgestürzten Bäume nicht mehr möglich war, wurde ein Krisenstab im Feuerwehrhaus Neustift eingerichtet.

Lkw mussten großräumig über die S31, S4 Abfahrt Lanzenkirchen, Richtung Hochwolkersdorf ausweichen. Bei einer Einsatzbesprechung wurde mit der Bezirkshauptmannschaft Mattersburg, Gemeinde Forchtenstein, Polizeiinspektion Forchtenstein, Betriebliche Erhaltung Landesstraße, Straßenmeisterei Mattersburg, Forst und Naturmanagement GmbH Esterhazy, Netz Burgenland, Landesforstinspektion Burgenland und Feuerwehr entschieden, dass die Sperre der L223 weiter aufrecht bleibt. Die Einsatzleitung wurde ab diesem Zeitpunkt von HLM Bettina Gebhardt koordiniert, als Einsatzleiter der Feuerwehr fungierte von Montag bis zum Ende des Einsatzes Ortsfeuerwehr Kommandant-Stellvertreter OBI Johannes Welles. Seitens der Behörde wurde Frau Bürgermeister Reismüller die Gesamteinsatzleitung übertragen. Es wurde auch in Betracht gezogen, dass man das Bundesheer für einen Assistenzeinsatz heranzieht. Zu diesem Zeitpunkt saßen ca. 80 Personen, darunter ein Baby mit drei Wochen, auf der Rosalia fest. Um 23.15 Uhr wurden die Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Energie Burgenland alarmiert, dass der Strom auf der Rosalia ausgefallen wäre. Nach Rücksprache mit der EVN konnte sichergestellt werden, dass bis ca. 00.30 Uhr wieder die Stromversorgung über die niederösterreichische Seite gewährleistet ist, was auch der Fall war. So blieb den Einsatzkräften der gefährliche Weg über die umgestürzten Bäume erspart.

Dienstag 02.12.2014
Gefrierender Nebel und Nieselregen ließen auch in den Nachtstunden zahlreiche Äste und Bäume umstürzen. Mehrere Bewohner fanden bereits am Montag bei Verwandten Unterkunft. Rund 70 Personen befanden sich jedoch noch immer auf der Rosalia. Ein gefahrenloses Arbeiten, sei auch für die Einsatzkräfte derzeit nicht möglich, lt. Frau Mag. Luntzer von der Bezirkshauptmannschaft Mattersburg. Sie richtet an alle Bewohner, den dringenden Appell in den Häusern zu bleiben, um sich und auch die Einsatzkräfte nicht zu gefährden. Die Gemeinde hatte in der Zwischenzeit bereits eine Hotline eingerichtet (Feuerwehrhaus), wo sich die Betroffenen melden können. Neben Feuerwehr und Polizei, sollen nun auch das Bundesheer mit entsprechenden Fahrzeugen herangezogen werden. Um bei einem Notfall, zu den Bewohnern vordringen zu können.
Im Laufe des Vormittags wurde Ortsfeuerwehrkommandant Michael Sauerzapf telefonisch in Kenntnis gesetzt, dass sich ein First Responder auf dem Weg ins Feuerwehrhaus befindet, da sich ein männlicher Bewohner der Rosalia Kopfverletzungen zugezogen hat. Mittels KLF-A Pinzgauer wurde der Firstresponder zum Verletzten befördert. Beide wurden im Anschluss der Erstversorgung wieder mit dem KLF-A ins Feuerwehrhaus und der Verletzte danach mit dem Rettungswagen in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht. Um ca. 15.00 Uhr wurden OFK HBI Sauerzapf telefonisch von der LSZ Burgenland in Kenntnis gesetzt, das die FF Hochwolkersdorf mit ihrem RLFA und 8 Mitgliedern (NÖ) im Bereich der ersten Häuser von Hochwolkerdorf kommend im Einsatz ist, um umgestürzte Bäume zu entfernen Bei der abendlichen Einsatzbesprechung wurde für Mittwoch vereinbart zur Unterstützung, Herrn Jürgen Karall seitens der Behörde beizuziehen.

Mittwoch, 03.12.2014
Nach der morgendlichen Besprechung um 08.15 Uhr wurde entschieden, dass das österreichische Bundesheer um Hilfeleistung gebeten wird. Mittels Anforderungsschreiben der Gemeinde Forchtenstein an das Militärkommando Burgenland wurde um eine Hilfeleistung gemäß § 2Abs.1lit.,e Wehrgestz 2001 idg.F., angesucht. Die dafür vorgesehen Fahrzeuge wurden seitens des Bundesheeres in Bewegung gesetzt und trafen um 13.15 Uhr im Feuerwehrhaus Neustift an der Rosalia ein. Unverzüglich wurde eine Erkundigungsfahrt durch den Bergepanzer und ein Feuerwehrmitglied durchgeführt. Ab KM 13.00, war kein Weiterkommen mehr möglich. Es musste der Rückzug angetreten werden, um einen fachkundigen Forstarbeiter aufzunehmen, der von unserer Wehr in den Einsatz entsandt wurde, um die umgestürzten Bäume mittels Motorsäge vom Wurzelstock zu trennen, damit ein gefahrenlosen Weiterkommen ermöglicht werden konnte.
Des Weiteren wurden die Ortsbewohner telefonisch davon in Kenntnis gesetzt, dass beim ortsansässigen Lebensmittelhandel die Ware telefonisch bestellt werden kann. Diese wurden im Anschluss durch das Bundesheer und Feuerwehrmitglieder zu den Bewohnern auf die Rosalia gebracht. Die Gefahrenlage weitete sich Richtung Burg Forchtenstein aus. Es musste durch die Energie Burgenland eine weitere Stromleitung von umstürzenden Bäumen befreit werden. Bei der anschließenden Besprechung im Feuerwehrhaus wurde festgelegt, dass am Donnerstag in der früh eine Erkundungsfahrt mit dem Panzer durchzuführen ist und anschließend Entscheidungen getroffen werden, wie die weiteren Vorgangsweisen sind.
Donnerstag, 04.12.2014
Da es in den Nachtstunden zu einer Entspannung der Wetterlage kam, konnte nach der morgendlichen Besprechung mit den Aufräumarbeiten entlang der L223 Richtung Rosalia begonnen werden. Dies wurde durch fachkundige Mitarbeiter der Domäne Esterhazy durchgeführt. Die Straßenmeisterei Mattersburg führte bereits Reinigungsarbeiten auf der L223 von der Straßensperre Richtung Rosalia durch, welche am Freitag fortgesetzt wurden. Ab den Mittagsstunden war auch ein Havester für die Forst- und Naturmanagement GmbH Esterhazy im Einsatz.
Im Bereich der Häuser Rosalia 83 bis 153 wurden die Forstarbeiten durch eine konzessionierte Holzschlägerfirma erledigt, da sich das Waldgebiet auf niederösterreichische Seite befindet und einem Privatbesitzer gehört. Am Abend wurden die Bewohner durch Feuerwehrmitglieder persönlich davon in Kenntnis gesetzt, wie die derzeitige Lage ist und über die weitere Vorgehensweise aufgeklärt.

Freitag, 05.12.2014
Um 07.00 Uhr wurden weitere Schlägerungsarbeiten durchgeführt. Von niederösterreichischer Seite aus wurde die Straße durch die Straßenmeisterei Wiener Neustadt von umstürzenden Bäumen befreit. Die Freiwillige Feuerwehr Neustift an der Rosalia war die vergangenen Tage im Dauereinsatz. Bei der Besprechung um 16.30 Uhr konnte die Vollzugsmeldung gegeben werden, dass die L223 von Sperre Kohlstatt bis zur Landesgrenze freipassierbar sei und die Straßensperre aufgehoben werden konnte.
Unsere Wehr war die Zeit von 01.- 05.12.2014 immer in der Zeit von 06.00 – 18.00 Uhr mit mindestens11 Mitgliedern und drei Einsatzfahrzeugen im Einsatz und es wurden ca. 580 km zurückgelegt.
