Glücksspiel-Aktien auf Talfahrt: Casino Groups erklärt die Börsenkorrektur
Was sich im November 2025 auf dem europäischen Börsenparkett abspielte, ließ selbst abgebrühte Anleger kurz die Luft anhalten. Innerhalb weniger Tage rutschten mehrere Glücksspiel-Aktien zweistellig ab, darunter prominente Namen wie Flutter Entertainment, Evoke Holdings und Entain.
Das alles passiert wegen eines Finanzdokuments mit dem trockenen Titel „Autumn Statement 2025“. Die Plattform Casino Groups hat sich die Hintergründe genauer angesehen und liefert eine Einordnung, die mehr bietet als bloßes Zahlengeplänkel.
Warum der britische Fiskus die Branche in die Knie zwingt
Großbritannien hat entschieden, dem Glücksspielsektor kräftig in die Tasche zu greifen. Im neuen Herbstbudget kündigte Finanzministerin Rachel Reeves eine drastische Erhöhung der Steuerlast an. Die sogenannte Remote Gaming Duty, also die Abgabe für Online-Casino-Angebote, steigt von bislang 21 % auf satte 40 % und das ist kein Tippfehler. Auch bei der General Betting Duty, die vor allem Sportwetten betrifft, wird nachgezogen. Hier geht es von 15 % auf 25 % hoch.
Diese neuen Sätze treten zwar erst 2026 und 2027 in Kraft, doch die Börse hat wie so oft nicht gewartet. Bereits wenige Stunden nach Veröffentlichung rutschten die Aktien der großen Anbieter ab, als hätte jemand den Stuhl weggezogen. Der Markt hatte zwar mit einer Anpassung gerechnet, aber nicht in dieser Größenordnung. Die Regierung argumentiert, man wolle damit die Online-Branche endlich gleichwertig zu stationären Angeboten besteuern. Dieses Argument klingt zwar in der Theorie plausibel, hat in der Praxis aber weitreichende Folgen.
Welche Unternehmen sind am stärksten unter Druck geraten?
Dass Flutter Entertainment als größter europäischer Online-Bookie stark unter Druck geraten ist, überrascht kaum. Der Konzern, der unter anderem Paddy Power und Betfair betreibt, verlor innerhalb von zwei Tagen knapp 20 % an Börsenwert. Allein für Flutter bedeuten die neuen Steuersätze eine jährliche Zusatzlast von etwa 500 Millionen Pfund. Das ist mehr als das gesamte Werbebudget von drei Jahren. Evoke Holdings, Betreiber der Marken William Hill und 888, traf es kaum weniger hart. Der Kurs stürzte um 18,3 % an nur einem Tag ab. Die prognostizierten Mehrkosten laut interner Berechnungen liegen zwischen 125 und 135 Millionen Pfund jährlich.

Auch Entain (u. a. bwin, Ladbrokes) sowie die Rank Group spürten die Schockwellen. Der Unterschied liegt vor allem in der Struktur. Wer stark auf den britischen Online-Markt fokussiert ist, hat kaum Puffer, um die Mehrbelastung zu kompensieren. Hybridmodelle mit physischer Präsenz können immerhin noch etwas ausgleichen, stehen aber ebenfalls unter Druck.
Was die CEOs sagen und warum ihre Warnungen ernst genommen werden sollten
Die Reaktionen der Branche ließen nicht lange auf sich warten. Per Widerström, CEO von Evoke, sprach von einem „gefährlichen Kurs der Regierung, der legalen Anbietern die Luft zum Atmen nimmt“. Auch Stella David von Entain äußerte sich ungewohnt deutlich. Die Steuerpläne seien „unverhältnismäßig, wirtschaftlich kontraproduktiv und politisch kurzsichtig“.
Starke Worte, doch keine bloße Rhetorik. Unserer Ansicht nach sind die Bedenken keineswegs aus der Luft gegriffen. Die Analysten berechnen, dass sich die durchschnittliche EBITDA-Marge der fünf größten Glücksspielanbieter in Großbritannien um rund 3,7 Prozentpunkte verschlechtert und das in einem Markt, der ohnehin bereits unter starkem regulatorischem Druck steht. Für börsennotierte Unternehmen mit Wachstumserwartungen ist das ein toxischer Cocktail.
Das fürchtet die Börse wirklich
Ein Absturz dieser Größenordnung hat selten nur einen Auslöser. Zwar ist die Steueranhebung der Dominostein, der alles ins Rollen bringt, doch dahinter steckt mehr. Viele institutionelle Investoren verkaufen ihre Positionen wegen der Unsicherheit über langfristige Rahmenbedingungen. Was passiert, wenn andere Länder dem britischen Vorbild folgen? Kommen ähnliche Pläne auch in Irland, Italien oder Spanien?
Sobald ein Risikofaktor als „systemisch“ wahrgenommen wird, verkaufen viele lieber zu früh als zu spät. Das erklärt auch, warum selbst solide aufgestellte Unternehmen mit starkem Auslandsgeschäft plötzlich unter die Räder geraten. Bei Flutter etwa lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis vor dem Absturz bei über 20. Dieser Wert war von Marktoptimismus geprägt. Jetzt notiert der Konzern trotz robuster Zahlen im Bereich von 15. Für manchen Fonds ein Warnsignal, für andere eine Einladung zum Einstieg.
Ein gefährlicher Nebeneffekt: Wenn der Schwarzmarkt plötzlich wieder wächst
Was auf dem Papier nach gerechter Steuerpolitik aussieht, könnte in der Praxis einen ganz anderen Effekt haben. Wenn legale Anbieter durch hohe Abgaben weniger attraktive Quoten, geringere Bonusangebote und schlechteren Service bieten können, öffnet das Tür und Tor für den Schwarzmarkt. Bis zu 12 % der britischen Online-Spieler könnten in den kommenden zwei Jahren zu nicht lizenzierten Anbietern abwandern, und zwar hauptsächlich dann, wenn diese aus Niedrigsteuerjurisdiktionen wie Curaçao oder Asien operieren.
Die Ironie liegt auf der Hand. Eine Reform, die offiziell auf Verbraucherschutz und Gleichbehandlung zielt, könnte das Gegenteil bewirken. Denn während der legale Markt kontrolliert, besteuert und reguliert wird, bleibt der Graubereich oft unsichtbar. Gerade für die Jugend mit Kryptoaffinität und technischer Versiertheit ist der Wechsel zu Alternativen nur wenige Klicks entfernt. Wir von Casino Groups sehen hier ein ernstzunehmendes Risiko für Marktverzerrung und einen Rückgang der Steuerbasis. Dieser Bumerang wäre politisch kaum vermittelbar.

Was Anleger jetzt wissen müssen
War das nun also die Spitze des Eisbergs oder nur ein kurzfristiger Dämpfer? Bleiben die Steuerpläne bestehen oder wird nachverhandelt? Casino Groups rät dazu, politische Entwicklungen im Auge zu behalten. In der Vergangenheit wurden ähnlich radikale Vorhaben bereits abgeschwächt oder zumindest gestaffelt eingeführt. Kommt es auch hier zu einem Kurswechsel, könnten sich einige Kursverluste rasch wieder relativieren.
Entscheidend ist dabei der Zeithorizont. Wer kurzfristig auf Kursgewinne spekuliert, dürfte mit erhöhter Volatilität leben müssen. Wer hingegen langfristig auf starke Marken, internationale Expansion und digitale Innovationskraft setzt, könnte mittelfristig belohnt werden. Flutter zum Beispiel bleibt trotz Rückschlägen ein Gigant mit hoher Marktpenetration und wachsender Präsenz in den USA. Auch Evoke hat signalisiert, sich strategisch breiter aufstellen zu wollen, etwa durch technologische Partnerschaften und verstärkte Präsenz in Mittelamerika. Wir erwarten, dass sich bis Mitte 2026 ein neues Gleichgewicht einstellt, vorausgesetzt, die regulatorischen Schrauben werden nicht noch weiter angezogen. Wer also investiert ist oder überlegt, einzusteigen, sollte den Blick auch auf politische Signale, Marktverhalten und die Fähigkeit der Unternehmen, sich flexibel an neue Bedingungen anzupassen, richten.
Die aktuelle Korrektur ist das Ergebnis einer politischen Weichenstellung, die weitreichende Folgen hat. Casino Groups sieht in der Entwicklung eine Zäsur für den europäischen Glücksspielmarkt, mit Risiken, aber auch Chancen für jene, die bereit sind, hinter die Schlagzeilen zu blicken. Bleibt es bei der geplanten Steuerkeule, könnten sich die Spielregeln grundlegend ändern und wenn sich etwas im Glücksspielgeschäft nie lohnt, dann ist es, auf das falsche Pferd zu setzen.
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