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Oö: Werte begeistern → Bezirks-Feuerwehrtag Wels-Land 2026 im Zeichen von Gemeinschaft und Zukunft

SIPBACHZELL (OÖ): Fast 400.000 ehrenamtliche Stunden für die Sicherheit von 77.110 Einwohnern: Was diese Zahl bedeutet, wurde am Abend des 14. April im Zirbenschlössl in Sipbachzell eindrucksvoll spürbar. Beim Bezirks-Feuerwehrtag 2026 des Bezirksfeuerwehrkommandos Wels-Land kamen mehr als 200 Feuerwehrmitglieder aus allen 41 Feuerwehren des Bezirkes zusammen – gemeinsam mit Ehrengästen aus Politik, Verwaltung und Blaulichtorganisationen sowie Abordnungen der Gemeindepolitik mit Bürgermeistern, Gemeindevorständen und Amtsleitern.

Unter dem Motto „Werte begeistern“ führte Hauptbrandinspektor d. F. Dipl.-Päd. Oliver Inzinger mit gewohnt charmanter Moderation durch einen Abend, der weit mehr war als ein Rückblick auf Zahlen – es war ein Abend über das, was die Feuerwehr im Innersten zusammenhält.

Ein Jahr in Zahlen – und was dahinter steckt

Brandrat Roland Wasserbauer präsentierte die Leistungsbilanz 2025 und machte deutlich, welche Dimension das Ehrenamt im Bezirk Wels-Land erreicht hat: 3.582 Mitglieder in 41 Feuerwehren – darunter 2.474 Aktive, 603 Jugendmitglieder, 505 Reservisten und insgesamt 325 Frauen – leisteten zusammen 394.929 Stunden. Das entspricht rund 110 Stunden pro Mitglied oder 9.632 Stunden pro Feuerwehr.

Bemerkenswert: Nur rund zehn Prozent dieser gewaltigen Stundenleistung entfallen auf die 1.975 Einsätze des Jahres 2025 (617 Brand- und 1.358 technische Einsätze). Der weitaus größere Anteil fließt in Ausbildung (81.482 Stunden), Jugendarbeit (53.897), Bewerbe und Leistungsprüfungen (47.545) sowie Administration, Organisation und Instandhaltung (186.489). Die Ergebnisse sind auch im umfangreichen Jahresbericht 2025 nachzulesen, der an diesem Abend feierlich präsentiert wurde.

Begrüßt wurden die Gäste von Abschnittsfeuerwehrkommandant Brandrat Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH) Markus Pfarl. Die Einleitung übernahm Bezirksfeuerwehrkommandant Landesfeuerwehrrat Johann Gasperlmair.

Stilles Gedenken

Einen würdevollen Moment schuf Bezirksfeuerwehrseelsorger MMag. Jakob Stoiber mit dem Totengedenken. Die Versammelten gedachten namentlich aller im vergangenen Jahr verstorbenen Kameraden des Bezirkes Wels-Land. Ganz besonders wurde an zwei verdiente Persönlichkeiten erinnert: Ehren-Landesbranddirektor Friedrich Hauer († 22. Jänner 2026), der das oberösterreichische Feuerwehrwesen über Jahrzehnte maßgeblich geprägt hat (Oö: Ehemaliger Landes-Feuerwehrkommandant Fritz Hauer verstorben) und Ehren-Oberamtswalter Josef Moser († 9. April 2026), der sich in langjährigem Dienst um das Feuerwehrwesen im Bezirk verdient gemacht hat.

Wenn aus Mädchen künftige Kommandantinnen werden

Den vielleicht bewegendsten Moment des Abends lieferten zwei junge Feuerwehrmitglieder: Klara und Lisa-Marie von der Jugendgruppe Edt-Klaus traten vor das Publikum und erklärten, was hinter folgendem Satz aus ihrem Tätigkeitsbericht steckt: „Wir möchten nicht nur wissen wie es geht, wir wollen es auch tun!“ Die beiden erzählten mit ansteckender Begeisterung von ihrer Motivation, ihren Erlebnissen bei der Feuerwehr – und von ihren Zukunftsplänen. Eines der Mädchen formulierte dabei einen besonderen Traum: Irgendwann einmal Kommandantin der Feuerwehr Edt-Klaus zu werden. Im Saal war es still – und dann kam der Applaus. Ein Moment, der das Motto des Abends „Werte begeistern“ greifbar machte.

Überhaupt kann sich die Entwicklung der Feuerwehrjugend im Bezirk sehen lassen: Von 449 Jugendmitgliedern im Jahr 2019 stieg die Zahl auf 603 – ein Zuwachs, der das Engagement der Jugendbetreuerinnen und -betreuer unterstreicht. Im Berichtsjahr wurden 495 Jugend-Leistungsabzeichen und 566 Leistungsabzeichen im Aktivbereich vergeben. Für das Feuerwehrjugend-Leistungsabzeichen Gold am 18. April 2026 liegen bereits beachtliche 80 Anmeldungen vor.

Neue Fahrzeuge, neue Feuerwehrhäuser – und große Bewerbe

Vorgestellt wurden die 2025 neu angeschafften Einsatzfahrzeuge: ein Mannschaftstransportfahrzeug (FF Bad Wimsbach-Neydharting), ein Tanklöschfahrzeug TLFA 2000 (FF Spieldorf), eine Teleskopmastbühne TMB 32 samt Rettungsboot (FF Stadl-Paura) sowie ein Kommandofahrzeug KDOF (FF Steinerkirchen). Auch die laufenden und geplanten Feuerwehrhausprojekte in Gunskirchen, Reuharting und Weißkirchen wurden den Anwesenden präsentiert.

Mit Spannung blickt der Bezirk zudem auf zwei Großereignisse: Das Bezirks-Jugendlager 2026 gemeinsam mit Wels-Stadt in der Landwirtschaftlichen Fachschule Lambach (30. Juli bis 2. August 2026) sowie den 63. OÖ. Landesfeuerwehrleistungsbewerb und den 50. OÖ. Landesfeuerwehrjugendleistungsbewerb, die am 9. und 10. Juli 2027 in Bad Wimsbach-Neydharting ausgetragen werden.

Herausforderungen, die bleiben

Bezirksfeuerwehrkommandant Gasperlmair scheute sich nicht, auch unbequeme Themen anzusprechen. Die Herausforderungen für die Zukunft sind vielfältig: die Verfügbarkeit von Mitgliedern – gerade tagsüber, die Frage, wie man Jugendliche auch nach dem Übertritt in den Aktivstand bei der Feuerwehr hält, die Notwendigkeit zielgerichteter Ausbildung, eine zunehmend angespannte Finanzsituation sowie eine gesellschaftliche Tendenz, die Leistungen der Freiwilligen Feuerwehr als „Selbstverständlichkeit“ hinzunehmen. Gasperlmairs Appell an die Anwesenden war deutlich: Nur gemeinsam lassen sich diese Herausforderungen bewältigen.

Verdiente Kameraden und Partner vor den Vorhang

Ein Höhepunkt des Abends waren die zahlreichen Ehrungen. Die Bezirkssieger der Leistungsbewerbe wurden ausgezeichnet: bei der Jugend die Gruppen aus Eberstalzell (Bezirksliga), Bergham-Kösslwang (1. Liga) und Pennewang (2. Liga), bei den Aktiven die FF Aichkirchen (Bronze und Silber) sowie die FF Kappern (Bronze B). Die FF Kappern wurde zudem für ihren Wasserdienst gewürdigt.

Die Flamme des Bezirkes Wels-Land ging an Ing. Stefan Weidlinger von der ASFINAG, die Große Flamme an den langjährigen Bürgermeister-Sprecher BGM a.D. Andreas Stockinger. Die Verdienstmedaille des Bezirkes in Silber erhielt RK-Ortsstellenleiter DI Ernst Penninger, das Verdienstabzeichen des ÖBFV Stufe III ging an E-ABI Leopold Taubner und die Große Florian-Ehrenmedaille in Bronze an Bezirkshauptfrau MMag. Elisabeth Schwetz.

Besonders geehrt wurde Abschnittsfeuerwehrkommandant Brandrat Roland Wasserbauer, der das Feuerwehrverdienstkreuz der zweiten Stufe entgegennehmen durfte. Bezirksfeuerwehrkommandant LFR Johann Gasperlmair wiederum erhielt aus den Händen von Bezirkspolizeikommandant Obstlt. Robert Hasenauer eine hohe Anerkennung des Bundesministeriums für Inneres – ein sichtbares Zeichen der ausgezeichneten Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Exekutive im Bezirk Wels-Land.

25 Jahre an der Spitze des Bezirkes

Für einen besonderen Moment sorgte die Würdigung von Bezirksfeuerwehrkommandant LFR Johann Gasperlmair, der heuer auf 25 Jahre an der Spitze des Bezirksfeuerwehrkommandos Wels-Land zurückblicken kann. Ein Vierteljahrhundert, in dem er den Bezirk mit Weitsicht, Beharrlichkeit und großem persönlichem Einsatz geprägt hat. Bezirkshauptfrau MMag. Elisabeth Schwetz überreichte zu diesem besonderen Dienstjubiläum ein Präsent. Feuerwehrpräsident und Landesfeuerwehrkommandant Robert Mayer, MSc., würdigte diese außergewöhnliche Leistung und kündigte an, dass die große Auszeichnung für dieses bemerkenswerte Jubiläum im kommenden Jahr folgen wird – ein Versprechen, das mit viel Applaus quittiert wurde.

Prominente Gäste, klare Worte

An der Spitze der Ehrengäste standen Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer und Feuerwehrpräsident Robert Mayer, MSc. Grußworte sprachen außerdem Bürgermeister Stefan Weiringer als Gastgeber und Bezirkshauptfrau MMag. Elisabeth Schwetz. Unter den Gästen befanden sich weiters Landtagsabgeordnete Heidi Strauss, Nationalrat BGM Ing. Klaus Lindinger, Landesjugendreferent Michael Wagner, Bezirksrettungskommandant Andreas Heinz sowie zahlreiche Bezirksfeuerwehrkommandanten der Nachbarbezirke.

Musikalisch umrahmt wurde der Abend von der Musikgruppe der Landwirtschaftlichen Fachschule Lambach. Den feierlichen Schlusspunkt setzte – wie es Tradition ist – die gemeinsam gesungene oberösterreichische Landeshymne „Hoamatlånd“.

Was von diesem Abend noch lange nachklingt, sind möglicherweise die Worte zweier junger Feuerwehrmädchen aus Edt-Klaus: „Wir möchten nicht nur wissen wie es geht, wir wollen es auch tun!“ Wenn das keine Werte sind, die begeistern.

Bezirks-Feuerwehrkommando Wels-Land

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