Bayern: Löschmaßnahmen durch bis zu 280 Kräfte beim Waldbrand in Übersee sind abgeschlossen
ÜBERSEE (BAYERN): Am Mittwoch, 1. Juli 2026, konnten die Verantwortlichen von Gemeinde und Feuerwehr den Waldbrand im Chiemsee-Moos bei Übersee offiziell für beendet erklären. Hinter ihnen liegt ein außergewöhnlicher Einsatz, bei dem in der Spitze rund 280 Einsatzkräfte über mehr als 20 Stunden hinweg gefordert waren.
Von Hubert Hobmaier, KFV Traunstein

Nun ziehen Übersees Erster Bürgermeister Herbert Strauch, Feuerwehrkommandant Matthias Strohmayer und Kreisbrandrat Christof Grundner ein erstes Fazit. Dabei wird neben der großen Dankbarkeit gegenüber allen Beteiligten vor allem eines deutlich: Nur durch das äußerst koordinierte, professionelle und zielgerichtete Zusammenwirken aller Einsatzkräfte und Unterstützer konnte die Ausbreitung des Feuers rechtzeitig gestoppt und der Brand schließlich gelöscht werden.
Knapp 300 Helfer, Dutzende Einsatzfahrzeuge, zahlreiche Tragkraftspritzen und unzählige Kilometer Schlauchmaterial – die endgültigen Zahlen dieses Großeinsatzes lassen sich derzeit noch nicht vollständig beziffern. Allein die rund 1,8 Kilometer lange Beregnungsleitung, die um den Brandherd aufgebaut wurde, erforderte eine enorme Menge an Schlauchmaterial sowie zahlreiche Kreisregner. Hinzu kamen die drei Hubschrauber der Bayerischen Polizei, die in rund 190 Anflügen mehr als 120.000 Liter Wasser über dem Brandgebiet abwarfen.

Feuerwehr, Landwirte und Firmen arbeiteten Hand in Hand
Parallel dazu waren zahlreiche Feuerwehren mit Tanklöschfahrzeugen im Pendelverkehr eingesetzt. Unterstützt wurden sie von vielen Landwirten, die mit ihren Güllefässern große Mengen Löschwasser an die Einsatzstelle transportierten oder Weiher und Löschteiche wieder auffüllten. Mehrere der landkreisweiten Löschzüge sorgten zudem dafür, dass die Einsatzkräfte an der Brandfront regelmäßig abgelöst werden konnten – eine wichtige Voraussetzung angesichts der enormen körperlichen Belastung und der hochsommerlichen Temperaturen.
Eine Einsatzlage dieser Größenordnung erfordert eine Führungsstruktur, die weit über den Alltag hinausgeht. Neben den jeweiligen Einsatzleitungen von Feuerwehr, Rettungsdienst, Bergwacht, Technischem Hilfswerk und Polizei liefen in der Örtlichen Einsatzleitung alle Informationen zusammen. „Hier hat sich einmal mehr die Feuerwehr-Führungsstelle im Gerätehaus der Feuerwehr Rottau bewährt“, betont Kreisbrandrat Christof Grundner. Dort arbeiteten die Entscheidungsträger aller beteiligten Organisationen gemeinsam mit einem umfangreichen Führungsstab Hand in Hand, sodass notwendige Entscheidungen schnell und abgestimmt getroffen werden konnten.
Alle Hände voll zu tun hatte auch das ehrenamtliche Team der Pressestelle des Kreisfeuerwehrverbandes. Neben der Betreuung zahlreicher Medienvertreter an der Einsatzstelle wurden an den beiden Haupttagen des Einsatzes rund 50 Presseanfragen und nochmal so viele Anrufe abgewickelt. Darüber hinaus erfolgten in enger Abstimmung mit der Gemeinde Übersee sowie der Örtlichen Einsatzleitung mehrere „Presseupdates“, damit die Bevölkerung zeitnah und kompakt alle relevanten Informationen über das Einsatzgeschehen erhielt.

Dank des gezielten Einsatzes wurde die Ausbreitung rasch unterbunden
Einig sind sich die Verantwortlichen darüber, dass jedes einzelne Rädchen in diesem Großeinsatz perfekt ineinandergegriffen hat und letztlich dazu führte, dass das gesamte Schadensausmaß schnell eingegrenzt werden konnte. Rund 6 Hektar Wald- und Moorfläche sind zwar von dem Feuer betroffen gewesen, dennoch ist es allen Helfern zu verdanken, dass die Ausbreitung auf ein deutlich größeres Gebiet verhindert werden konnte.
Der Erste Bürgermeister der Gemeinde Übersee, Herbert Strauch, dankte insbesondere allen Beteiligten für ihren außergewöhnlichen Einsatz. Sein besonderer Dank gilt den Einsatzkräften, den Vertretern der Behörden sowie den zahlreichen Helferinnen und Helfern aus der Bevölkerung – darunter Landwirte, Anwohner, Wirte, der Einzelhandel, der Bauhof, die Gemeindeverwaltung und seine Stellvertreterinnen.

Bürgermeister beeindruckt und dankbar
Beeindruckt zeigte sich Herbert Strauch von der hohen Professionalität und der großen Hilfsbereitschaft, mit der dieser außergewöhnliche Einsatz bewältigt wurde. Entscheidend für den schnellen Löscherfolg sei das hervorragende Zusammenspiel aller Beteiligten gewesen. Auch der einsetzende Regen habe die Löscharbeiten zum richtigen Zeitpunkt unterstützt – „vielleicht auch das Glück des Tüchtigen“, so Übersees Rathauschef.
Ein ausdrückliches Lob sprach der Bürgermeister zudem allen aus, die nach dem Einsatz die aufwendigen Aufräumarbeiten übernehmen und die Betroffenen bei der Bewältigung der Folgen unterstützen. Besonders bewegt zeigte er sich vom Zusammenhalt über Gemeinde- und Landkreisgrenzen hinweg: „Es bewegt mich wirklich sehr, wie hier ohne große Fragen und völlig unbürokratisch jede angeforderte Unterstützung geleistet wurde – sei es mit Personal, Material oder Ausrüstung. Dieser Zusammenhalt macht mich unglaublich stolz.“

Auch Feuerwehrkommandant Matthias Strohmayer zeigte sich tief beeindruckt von der bedingungslosen Hilfsbereitschaft aller beteiligten Einsatzkräfte und Unterstützer. Sein Dank gelte allen Organisationen und Helfern, die mit großem Engagement, hoher Professionalität und enormem persönlichen Einsatz zum Erfolg beigetragen hätten.
Vom Festival zum Waldbrandeinsatz
Besonders hob der Kommandant das in den vergangenen Jahren entwickelte Konzept zur Vegetationsbrandbekämpfung hervor, das sich in vielen Bereichen eindrucksvoll bewährt habe. „Ich selbst war im Arbeitskreis des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein an der Entwicklung beteiligt. Umso erfreulicher war es zu sehen, dass vieles, was wir theoretisch erarbeitet haben, im Ernstfall genauso funktioniert hat.“

Ebenso lobte er das vom Kreisfeuerwehrverband entwickelte Führungskonzept für den gesamten Landkreis. „Da alle beteiligten Feuerwehren nach denselben Standards arbeiteten und dokumentierten, war eine effiziente Führung jederzeit möglich“, so der Überseer Kommandant. Positiv bewertete er außerdem den Einsatz moderner Technik wie der Wärmebilddrohnen der Bergwacht und der Polizei. Sie ermöglichten eine Lagebeurteilung in Echtzeit und unterstützten die Einsatzleitung bei wichtigen Entscheidungen erheblich.
Besonders stolz zeigte sich Matthias Strohmayer auf die Einsatzkräfte seiner eigenen Feuerwehr. Viele von ihnen hatten bereits mehrere Tage bei der Sicherheitswache des Chiemsee Reggae Summer Dienst geleistet und wollten sich am Sonntagabend gerade ausruhen, als der Alarm einging. Dennoch rückten sie ohne Zögern aus und standen erneut über viele Stunden im kräftezehrenden Einsatz. „Das zeigt eindrucksvoll, was Ehrenamt bedeutet und mit welcher Selbstverständlichkeit unsere Feuerwehrleute Verantwortung übernehmen“, so der Aktiven Chef.

„Außergewöhnliche Einsatzlagen werden in immer kürzeren Abständen auftreten“
Auch Kreisbrandrat Christof Grundner richtet den Blick auf die während des Einsatzes bewährte Führungsstruktur. „Etwa 20 Führungskräfte sowie zahlreiche Helfer waren von der ersten Minute an aufeinander eingespielt und konnten ihre Arbeit sofort aufnehmen“, betont er. Sowohl dieser Einsatz als auch der Vegetationsbrand am Saurüsselkopf hätten dazu beigetragen, Entscheidungswege zwischen den beteiligten Organisationen und Behörden weiter zu optimieren.
Besonders bewährt hätten sich dabei die eingerichteten Feuerwehr-Führungsstellen. „Gerade am Montag zeigte sich deren großer Nutzen: Während die Führungsstelle Salzach die zahlreichen Unwettereinsätze koordinierte, konnte die Führungsstelle Achen den Waldbrand in Übersee führen. Ohne diese Struktur wäre eine derart professionelle Einsatzbewältigung kaum möglich gewesen.“

Mit Blick auf die Zukunft sieht Christof Grundner dennoch großen Handlungsbedarf. „Unwetter, Trockenperioden und andere außergewöhnliche Einsatzlagen werden in immer kürzeren Abständen auftreten“, ist er überzeugt. Deshalb müssten in den kommenden Jahren sowohl organisatorische als auch ausbildungstechnische Maßnahmen konsequent weiterentwickelt werden. Solche Ereignisse könnten jede Gemeinde in der Region treffen. Um auch künftig schnell und effektiv helfen zu können, seien weitere Vorbereitungen unerlässlich.

Ebenso sieht der Kreisbrandrat Verbesserungsbedarf bei der Ausstattung der Feuerwehren. „Unsere herkömmliche Schutzkleidung ist für Vegetationsbrände wie diesen nur sehr eingeschränkt geeignet. Sie ist zu schwer und für Einsätze im unwegsamen Gelände schlicht nicht ausgelegt“, erklärt Grundner. Künftig müsse deshalb verstärkt in Spezialausrüstung investiert werden. „Es geht nicht darum, jede Feuerwehr vollständig neu auszustatten. Aber wir müssen gezielt in moderne Spezialausrüstung investieren, um den wachsenden Herausforderungen durch Vegetationsbrände beziehungsweise Naturereignissen und andere außergewöhnliche Einsatzlagen gerecht zu werden.“

Starker gesellschaftlicher Zusammenhalt
Mit dem offiziellen Einsatzende kehrt im Chiemsee-Moos wieder ein Stückweit Ruhe ein, wenngleich natürlich gerade in der Behebung der Schäden viel Zeit und Energie fließen müssen. Zurück bleiben jedoch nicht nur die Spuren des Feuers, sondern vor allem die Erkenntnis, dass außergewöhnliche Herausforderungen nur gemeinsam bewältigt werden können.

Der Waldbrand von Übersee hat gezeigt, was möglich ist, wenn Einsatzkräfte, Behörden, Landwirte, Unternehmen und die Bevölkerung zusammenstehen. Egal ob Kuchenspenden, eine vorbeigebrachte Getränkekiste oder die unzähligen Hilfsangebote aus der Bevölkerung, einmal mehr wurde deutlich, wie stark der gesellschaftliche Zusammenhalt in schweren Stunden ausgeprägt ist und spürbar wird. Dieser außergewöhnliche Zusammenhalt, das große ehrenamtliche Engagement und die professionelle Zusammenarbeit haben entscheidend dazu beigetragen, Schlimmeres zu verhindern.

Bilder: Wolfgang Gasser, Hubert Hobmaier
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Kreisfeuerwehrverband Traunstein


