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Großbritannien: Militärische A400M-Transportflugzeuge und Chinook-Hubschrauber sollen künftig Vegetationsbrände bekämpfen

GROSSBRITANNIEN: Nach einem Sommer mit außergewöhnlich vielen und teilweise verheerenden Vegetationsbränden kündigt die britische Regierung eine grundlegende Erweiterung ihrer Möglichkeiten zur Brandbekämpfung aus der Luft an. Erstmals sollen Transportflugzeuge des Typs Airbus A400M Atlas und schwere Transporthubschrauber des Typs Boeing CH-47 Chinook der Royal Air Force (RAF) mit spezieller Ausrüstung zur Vegetationsbrandbekämpfung ausgestattet werden. Gleichzeitig sind Investitionen von bis zu 70 Millionen Pfund in spezialisierte Feuerwehreinheiten, persönliche Schutzausrüstung und vorbeugende Maßnahmen vorgesehen. Auch künstliche Intelligenz soll künftig bei der Früherkennung und Lagebeurteilung eine größere Rolle spielen.

Die britische Regierung hat am 22. Oktober 2026 ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Vegetationsbrandbekämpfung vorgestellt. Hintergrund sind die Erfahrungen aus dem bislang heißesten Sommer seit Beginn der britischen Wetteraufzeichnungen. Anhaltende Trockenheit und mehrere Hitzewellen hatten zu zahlreichen Wald-, Moor- und Flächenbränden geführt, die Feuerwehren teilweise über längere Zeiträume beschäftigten.

Allein in England und Wales mussten die Feuerwehren bis zum 16. August 2026 zu insgesamt 1.132 Vegetationsbränden ausrücken. Damit wurde bereits zu diesem Zeitpunkt die Gesamtzahl des Vorjahres überschritten. Besonders schwere Brände ereigneten sich unter anderem in Dunwich Heath in der Grafschaft Suffolk und in Stourbridge in den West Midlands. In Stourbridge wurden 19 Wohnhäuser zerstört.

A400M Atlas und Chinook als fliegende Löschfahrzeuge

Einen wesentlichen Bestandteil des Maßnahmenpakets bildet der geplante Aufbau einer dauerhaft in Großbritannien stationierten militärischen Luftlöschkapazität. Dafür sollen vorhandene Flugzeuge und Hubschrauber der Royal Air Force entsprechend ausgerüstet werden. Beim Airbus A400M Atlas handelt es sich um ein viermotoriges militärisches Transportflugzeug, das unter anderem für den Transport schwerer Ausrüstung, von Fahrzeugen und Personal eingesetzt wird. Für die Verwendung als Löschflugzeug sind spezielle Systeme erforderlich, mit denen Wasser aufgenommen beziehungsweise mitgeführt und während des Fluges kontrolliert abgegeben werden kann.

Airbus arbeitet bereits seit mehreren Jahren an einem entsprechenden modularen Löschsystem für den A400M. Dieses soll die Nutzung des Transportflugzeugs zur Vegetationsbrandbekämpfung ermöglichen, ohne dass dafür ein dauerhaft umgebautes Spezialflugzeug erforderlich ist. Auch die schweren Chinook-Transporthubschrauber sollen für Löschaufgaben ausgestattet werden. Bei diesem Hubschraubertyp ist grundsätzlich der Einsatz von Außenlast-Löschbehältern möglich. Die britischen Streitkräfte haben mit solchen Einsätzen bereits Erfahrungen gesammelt, unter anderem bei Vegetationsbränden auf Zypern.

Welche konkreten Löschsysteme die britische Royal Air Force künftig einsetzen wird, welche Wassermengen damit transportiert werden können und wann die ersten entsprechend ausgerüsteten Luftfahrzeuge zur Verfügung stehen, wurde bei der Vorstellung des Maßnahmenpakets noch nicht näher bekannt gegeben. Die Flugzeuge und Hubschrauber sollen insbesondere bei Bränden in schwer zugänglichem Gelände eingesetzt werden. Dazu gehören abgelegene Moorlandschaften, steile Berghänge und andere Gebiete, in denen bodengebundene Einsatzkräfte nur eingeschränkt oder mit erheblichem Zeitaufwand tätig werden können.

Die Unterstützung ziviler Einsatzorganisationen durch das Militär erfolgt in Großbritannien über das bestehende Verfahren Military Aid to the Civil Authorities (MACA). Feuerwehren können damit bei entsprechender Notwendigkeit militärische Unterstützung anfordern.

Hubschrauber „Chinook“

Bis zu 45 Millionen Pfund für Feuerwehren und Schutzausrüstung

Neben der Luftunterstützung sollen auch die bodengebundenen Einsatzkräfte besser für Vegetationsbrände ausgestattet werden. Die Regierung stellt dafür bis zu 45 Millionen britische Pfund bereit. Mit den Mitteln sollen zusätzliche spezialisierte Vegetationsbrandeinheiten geschaffen und moderne persönliche Schutzausrüstungen beschafft werden. Ein Schwerpunkt liegt auf leichterer und atmungsaktiverer Schutzbekleidung. Die bisher vielfach verwendete persönliche Schutzausrüstung ist in erster Linie für die Brandbekämpfung in Gebäuden ausgelegt. Bei stundenlangen Vegetationsbrandeinsätzen, insbesondere bei hohen Außentemperaturen und körperlich anstrengenden Tätigkeiten, kann diese Ausrüstung zu einer erheblichen thermischen Belastung der Feuerwehrleute führen.

Die künftig vorgesehenen Schutzbekleidungssysteme sollen speziell auf die Anforderungen der Vegetationsbrandbekämpfung abgestimmt sein und längere Einsatzzeiten bei gleichzeitig verbessertem Tragekomfort ermöglichen.

Künstliche Intelligenz und Satellitendaten zur Früherkennung

Ein weiterer Bestandteil der angekündigten Maßnahmen ist der Aufbau einer neuen KI-Einheit innerhalb des britischen nationalen Lagezentrums (National Situation Centre). Diese sogenannte Wildfires AI Unit soll Fachwissen von Universitäten, Technologieunternehmen und staatlichen Einrichtungen zusammenführen. Ziel ist es, Vegetationsbrände früher zu erkennen, Gefahrenlagen besser einzuschätzen und die Einsatzorganisationen bei der Planung und Bewältigung größerer Schadensereignisse zu unterstützen. Dazu sollen unter anderem Satellitendaten, digitale Überwachungssysteme und moderne Verfahren zur Datenanalyse beitragen.

Auch der britische Wetterdienst Met Office wird eingebunden. Gemeinsam sollen verbesserte Prognoseverfahren entwickelt werden, mit denen sich Vegetationsbrandrisiken frühzeitiger erkennen und entsprechende Warnungen beziehungsweise Vorsorgemaßnahmen ableiten lassen. Beim nationalen Vegetationsbrandgipfel am 23. Oktober 2026 waren unter anderem Vertreter von Airbus, Google und VodafoneThree eingebunden. Dabei ging es auch um technische Möglichkeiten der satellitengestützten Überwachung, Frühwarnsysteme und die Sicherstellung zuverlässiger Kommunikationsverbindungen während größerer Schadensereignisse.

25 Millionen Pfund für vorbeugenden Vegetationsbrandschutz

Die britische Regierung setzt jedoch nicht ausschließlich auf zusätzliche Löschkapazitäten. Weitere 25 Millionen Pfund sollen in die Wiederherstellung ausgetrockneter Moorlandschaften in England investiert werden. Durch die Wiedervernässung sollen diese Gebiete künftig mehr Wasser speichern und damit weniger anfällig für Brände werden. Gleichzeitig können entsprechend bewirtschaftete Flächen die Ausbreitung von Vegetationsbränden begrenzen. Landwirtschaftliche Betriebe sollen außerdem bei vorbeugenden Maßnahmen unterstützt werden. Dazu gehören beispielsweise die Anlage von Wasserstellen und Teichen sowie die Entfernung leicht entzündlicher Vegetation aus besonders gefährdeten Bereichen.

Zusätzlich prüft die Regierung strengere örtliche Beschränkungen und mögliche Produktverbote, um fahrlässig verursachte Brände während besonders gefährlicher Trockenperioden zu verhindern. Das neue Förderprogramm zur Wiederherstellung der Moorlandschaften soll nach derzeitiger Planung von April 2027 bis April 2029 laufen.

Erster nationaler Aktionsplan für Vegetationsbrände

Die verschiedenen Maßnahmen sollen in einen ersten umfassenden Vegetationsbrand-Aktionsplan für England einfließen. Dieser soll die Bereiche Vorbeugung, Vorbereitung, Brandbekämpfung und Wiederherstellung nach größeren Schadensereignissen umfassen. Darüber hinaus ist eine engere Abstimmung zwischen den zuständigen Stellen in England, Schottland, Wales und Nordirland vorgesehen. Die britische Regierung sieht die Vegetationsbrandbekämpfung zunehmend als eine gesamtstaatliche Aufgabe, bei der Feuerwehren, Militär, Katastrophenschutz, Wetterdienst, Forschungseinrichtungen und private Technologieunternehmen zusammenarbeiten müssen.

Mit der geplanten Ausstattung von A400M-Transportflugzeugen und Chinook-Hubschraubern würde Großbritannien erstmals über eine dauerhaft im eigenen Land stationierte militärische Luftlöschkapazität verfügen. Bis zur tatsächlichen Einsatzbereitschaft sind allerdings noch technische und organisatorische Schritte erforderlich. Die Entscheidung ist auch deshalb bemerkenswert, weil das britische Verteidigungsministerium noch im September 2026 erklärt hatte, keine Pläne zur Anpassung der A400M-Flotte für Löschaufgaben zu verfolgen. Nur wenige Wochen später wurde nun ein entsprechendes Vorhaben angekündigt.

Britische Regierung

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