FahrzeugeMix

Australien: Rosenbauer RT bei 72 Prozent der Einsätze schneller als konventionelle Löschfahrzeuge

AUSTRALIEN: Ein einjähriger Praxistest des vollelektrischen Rosenbauer RT (Revolutionary Technology) bei Fire Rescue Victoria (FRV) in Melbourne hat deutliche Unterschiede gegenüber herkömmlichen dieselbetriebenen Löschfahrzeugen aufgezeigt. Bei 72 Prozent der insgesamt 424 ausgewerteten Einsätze erreichte der RT den Einsatzort früher als die Vergleichsfahrzeuge. Auch bei der Bereitstellung von Löschwasser, Atemschutzausrüstung und medizinischem Gerät wurden Zeitvorteile festgestellt. Eine begleitende Wirtschaftlichkeitsanalyse bescheinigt dem Fahrzeug zudem einen positiven wirtschaftlichen Gesamtnutzen.

Der Praxistest wurde laut einer Aussendung von Rosenbauer im November 2026 im Laufe des Jahres 2025 an zwei Feuerwehrstandorten im Großraum Melbourne durchgeführt. Während des ersten Halbjahres absolvierte der RT von der Eastern Hill Fire Station aus 283 Einsätze im dicht bebauten Innenstadtbereich. Hochhäuser, starkes Verkehrsaufkommen und schwierige Zufahrtsmöglichkeiten prägten dabei die Einsatzbedingungen. Im zweiten Halbjahr wechselte das Fahrzeug zur Brooklyn Fire Station, wo weitere 141 auswertbare Einsätze in vorstädtischen und industriell geprägten Bereichen mit teilweise längeren Anfahrtswegen hinzukamen.

Um einen möglichst direkten Vergleich zu ermöglichen, kam der RT im sogenannten Shadowing-Modell zum Einsatz. Das Elektrofahrzeug rückte dabei zusätzlich zu den regulären dieselbetriebenen Einsatzfahrzeugen aus. Untersucht wurden neben den Fahr- und Einsatzleistungen auch die Bedienbarkeit, Sicherheit, Umweltwirkungen und Wirtschaftlichkeit.

Durchschnittlich 26 Sekunden Zeitgewinn bei der Anfahrt

Bei 72 Prozent der 424 ausgewerteten Einsätze traf der Rosenbauer RT vor den konventionellen Vergleichsfahrzeugen am Einsatzort ein. Die durchschnittliche Anfahrtszeit betrug 3 Minuten und 42 Sekunden, während die Dieselfahrzeuge dafür 4 Minuten und 8 Sekunden benötigten. Daraus ergibt sich ein mittlerer Zeitvorsprung von 26 Sekunden. Mit zunehmender Fahrdistanz vergrößerte sich dieser Unterschied laut Evaluierung. Noch deutlicher fielen die Unterschiede bei einzelnen Tätigkeiten nach dem Eintreffen an der Einsatzstelle aus. So stand beim RT das Löschwasser im Durchschnitt bereits nach 10,36 Sekunden zur Verfügung. Bei den konventionellen Vergleichsfahrzeugen dauerte dieser Vorgang durchschnittlich 33,27 Sekunden. Der Zeitgewinn betrug damit knapp 23 Sekunden.

Auch die Bereitstellung der Atemschutzausrüstung erfolgte beim RT schneller. Während dafür bei den herkömmlichen Fahrzeugen durchschnittlich 70,66 Sekunden benötigt wurden, waren es beim RT 55,11 Sekunden. Das entspricht einem Unterschied von rund 15,5 Sekunden. Bei medizinischen Einsätzen konnte benötigte Ausrüstung je nach untersuchtem Vorgang rund sieben beziehungsweise neun Sekunden früher bereitgestellt werden. Craig Brownlie, Assistant Chief Fire Officer bei Fire Rescue Victoria, sieht insbesondere in der Kombination dieser Zeitvorteile einen wesentlichen Nutzen. Jede gewonnene Sekunde könne dazu beitragen, die Brandentwicklung zu begrenzen, Sachschäden zu reduzieren oder bei medizinischen Notfällen früher mit Behandlungsmaßnahmen zu beginnen.

Ergonomie und Bedienbarkeit positiv bewertet

Neben den messbaren Einsatzzeiten stand die Praxistauglichkeit des Fahrzeugkonzepts im Mittelpunkt der Untersuchung. Die beteiligten Feuerwehrkräfte konnten nach ihren Schichten strukturiertes Feedback zur Bedienbarkeit und operativen Eignung abgeben. Dabei bewerteten 83 Prozent der befragten Einsatzkräfte den Ein- und Ausstieg beim RT gegenüber konventionellen Feuerwehrfahrzeugen als verbessert. Die allgemeine Benutzerfreundlichkeit erreichte durchschnittlich 8,01 von zehn möglichen Punkten.

Positiv beurteilt wurden insbesondere die ergonomische Gestaltung, das Fahrzeuglayout und die gute Erreichbarkeit der mitgeführten Ausrüstung. Auch die geringere Geräusch- und Vibrationsbelastung wurde hervorgehoben. Daraus ergeben sich nach Einschätzung der beteiligten Feuerwehrkräfte Vorteile hinsichtlich Kommunikation, Konzentration und Arbeitskomfort. Die Ergebnisse betreffen damit nicht ausschließlich den elektrischen Antrieb, sondern auch das grundlegend anders gestaltete Fahrzeugkonzept des Rosenbauer RT.

Wirtschaftlichkeitsanalyse: Amortisation nach rund sechs Jahren

Ergänzend zum Einsatzversuch wurde Deloitte Access Economics mit einer unabhängigen Kosten-Nutzen-Analyse beauftragt. In die Berechnungen flossen unter anderem die Anschaffungskosten, notwendige Ladeinfrastruktur, Wartung, Energieverbrauch und die Lebenszyklen der Fahrzeuge ein. Berücksichtigt wurden darüber hinaus wirtschaftliche Auswirkungen einer verbesserten Einsatzleistung, insbesondere mögliche Einsparungen durch geringere Brandschäden.

Nach dem verwendeten Berechnungsmodell steht jedem zusätzlich investierten australischen Dollar ein jährlicher finanzieller Nutzen von 2,01 australischen Dollar gegenüber. Werden auch die modellierten positiven Auswirkungen auf Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung berücksichtigt, ergibt sich laut Untersuchung ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 1:20,7. Die zusätzlichen Anschaffungskosten des RT sollen sich demnach innerhalb von rund sechs Jahren amortisieren.

Bei diesen wirtschaftlichen Kennzahlen handelt es sich allerdings um modellbasierte Berechnungen und nicht um unmittelbar gemessene Einsparungen aus den 424 Einsätzen. Die tatsächliche Wirtschaftlichkeit hängt unter anderem von Einsatzaufkommen, Beschaffungskosten und den örtlichen Rahmenbedingungen ab.

Ergebnisse als Grundlage für weitere Entwicklungen

Rosenbauer sieht in den Ergebnissen eine Bestätigung des eingeschlagenen Weges bei der Entwicklung elektrisch angetriebener Feuerwehrfahrzeuge. „Wir sind stolz auf die Ergebnisse der Evaluierung. Sie zeigen, dass der vollelektrische Rosenbauer RT konventionelle Löschfahrzeuge bei zahlreichen zentralen operativen Kennzahlen übertrifft“, erklärt Robert Ottel, CEO der Rosenbauer International AG. Für die Feuerwehren liefert der Praxistest vor allem Erkenntnisse darüber, welchen Einfluss ein neu konzipiertes Einsatzfahrzeug auf Anfahrtszeiten, Geräteentnahme und die Arbeitsbedingungen der Besatzung haben kann.

Zu berücksichtigen bleibt, dass die Untersuchung mit einem zusätzlichen Fahrzeug an zwei Standorten erfolgte. Eine generelle Übertragbarkeit der gemessenen Zeit- und Wirtschaftlichkeitsvorteile auf sämtliche Feuerwehren und Einsatzgebiete lässt sich daraus nicht unmittelbar ableiten. Die Auswertung der 424 realen Einsätze stellt jedoch eine umfangreiche praktische Vergleichsbasis zwischen dem Rosenbauer RT und den konventionellen Einsatzfahrzeugen von Fire Rescue Victoria dar.

Mehr auf brennpunkt.net

Ein Gedanke zu „Australien: Rosenbauer RT bei 72 Prozent der Einsätze schneller als konventionelle Löschfahrzeuge“

  • Klingt eh nett. Aber 26 Sekunden … Zuerst fahr ich vielleicht 10 km und dann scheitert es an 30 Sekunden auch nicht. Geschwindigkeit ist bei einem Einsatz nicht das einzige, was zählt. In falscher Taktik kann ich viel mehr verlieren.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert