Freiwillige Helfer geraten unter Druck
Kärnten: 25.000 Kärntner sind als freiwillige Helfer im Einsatz. Sie geraten jedoch immer stärker unter Druck: Einerseits wegen Problemen mit dem Arbeitgeber, andererseits weil es schwieriger wird, Nachwuchs zu finden.
Stößt die freiwillige Einsatzbereitschaft bei der Feuerwehr, dem Roten Kreuz oder bei der Bergrettung bald an ihre Grenzen? Diese Frage wurde am Freitag bei der Jahrestagung des Kärntner Zivilschutzverbandes diskutiert. ‚Freiwilliger Einsatz ist unbezahlt und unbezahlbar‘, sagte Sozialforscher Bernd Marin, Gastreferent der Tagung. Rund 9,5 Millionen Euro jährlich würde es kosten, wenn das Rote Kreuz in Kärnten seine 2.000 freiwilligen Helfer durch hauptberufliche Mitarbeiter ersetzen würde.
‚Kostenlos für die Gesellschaft kann die Leistung der Freiwilligen auf Dauer nicht sein, ich glaube zweifelsfrei dass die Gesellschaft auf Dauer wertvoll anerkannte Tätigkeiten nicht als völlig kostenlos ansehen darf‘, sagte Marin. Er schlug vor, die Stunden für Ausbildung und Einsätze der Freiwilligen, die ja meist in deren Freizeit erfolgen, den Helfern als Pensionszeit anzurechnen. ‚So wie den Einsatz für die Kindererziehung oder für die Pflege von hilfsbedürftigen Familienangehörigen. Ähnliche Regelungen für Ersatzzeiten könnten für die freiwilligen Helfer erstellt werden, obwohl die dafür notwendigen Mittel nicht gering zu veranschlagen sind‘, so Marin.
Ein brennendes Problem der Kärntner Blaulicht-Organisationen ist derzeit die Entgeltfortzahlung für Betriebe. Ein Feuerwehrmann, der sich bei einem Einsatz verletzte und in Krankenstand gehen musste, wäre beinahe gekündigt worden. Ein Fonds, gespeist mit öffentlichem Geld, sollte Betrieben die Kosten ersetzen, wenn Mitarbeiter wegen eines Einsatzes fehlen, verlangt Hugo Irrasch, der stellvertretende Landesfeuerwehrkommandant von Kärnten.
‚In letzter Zeit wird es immer schwieriger, Jugendliche dazu zu bewegen, zur Feuerwehr zu gehen, weil sie betriebliche Schwierigkeiten bekommen. Es wird bei Einstellungsgesprächen immer öfter gefragt, ob die Arbeitnehmer wohl nicht bei der Freiwilligen Feuerwehr oder bei einer anderen Hilfsorganisation tätig sind, denn dies wäre ein Ausschließungsgrund.‘
40 Prozent der Österreicher seien als freiwillige Helfer tätig, ebenso viele zeigen sich nicht interessiert. Die restlichen 20 Prozent wären motivierbar, ’sie wollen aber gefragt werden‘, sagte Sozialforscher Marin.
