Feuerteufel wütet – Großalarm für Einsatzkräfte
Ein Brandstifter hat am Montagabend, 15. November 2004, im Klagenfurter Stadtteil Fischl 180 Feuerwehr- und Rettungsleute in Atem gehalten. Innerhalb kürzester Zeit wurden fünf Brände gelegt. Bei einem Hochhaus-Brand musste von der Rettung Bezirksalarm gegeben werden.
Um 18.47 Uhr war der erste Notruf bei der Klagenfurter Feuerwehr eingegangen. Im Keller eines Wohnhauses in der Fischlstraße war ein Brand ausgebrochen. Noch während die Feuerwehr damit beschäftigt war, den Brand unter Kontrolle zu bringen, wurde bereits der nächste Alarm ausgelöst. Um 19.47 Uhr wurde wieder ein Kellerbrand in einem Mehrfamilienhaus gemeldet. Die beiden Brandorte waren nur einige hundert Meter voneinander entfernt.
Um 20.02 Uhr heulten erneut die Sirenen in Klagenfurt: Aus einem Hochhaus – ebenfalls in der Fischlstraße – drangen dichte Rauchwolken. Der vierte Alarm wurde um 21.38 Uhr ausgelöst – in einem Schrebergartenhaus am Auenweg war plötzlich ein Feuer ausgebrochen. Kurz danach war aus einem Haus in der Reichenbergstraße ein vierter Kellerbrand gemeldet worden.
Beim Brand in dem Hochhaus mussten aus Sicherheitsgründen 40 Menschen von den Einsatzkräften in Sicherheit gebracht werden. Nach ersten Informationen war der Brand in zwei Kellerabteilen ausgebrochen und hat sich schnell ausgebreitet. Die Hausmeisterin Brigitte Decker wurde von einem Nachbarn alarmiert: ‚Als wir die Türe aufgemacht haben, war der ganze Gang bereits voll mit Rauch. Ich habe sofort die Feuerwehr alarmiert. Als die Einsatzkräfte kamen, war der ganze Keller bereits voll mit Rauch.‘ Für Feuerwehr und Rotes Kreuz entwickelte sich der Brand zu einem mehrere Stunden dauernden Großeinsatz, sagte Alfred Schlieber von der Berufsfeuerwehr in Klagenfurt: ‚Beim Eintreffen der ersten Kräfte – wir sind gerade bei einem anderen Kellerbrand abgerückt – schlug dichter Rauch aus drei Seiten des Hochhauses. Wir haben sofort mit der Brandbekämpfung begonnen und die Leute über Megafon beruhigt. Wir mussten weitere Verstärkung anfordern, der Einsatz ist schließlich in einen Großeinsatz ausgeartet. Wir brauchten einen Notarzt, das Rote Kreuz hat sofort eine Sanitätshilfsstelle in einem beheizten Zelt aufgebaut, wo wir die Leute untergebracht haben.‘
Wegen der starken Rauchentwicklung konnten die Einsatzkräfte nur mit schweren Atemschutzgeräten zum Brandherd vordringen. Die Berufsfeuerwehr und zehn Freiwillige Feuerwehren standen mit 120 Mann im Einsatz. Das Rote Kreuz war mit 60 Sanitätern und Notärzten im Einsatz gewesen. Helmut Sagerschnig, Rettungskommandant des Roten Kreuzes in Klagenfurt, schilderte den Einsatz: ‚Wir haben Bezirksalarm ausgelöst. Ein Notarzt war mit der Feuerwehr im Haus und hat bei der Bergung mitgeholfen. Die Sanitäter wurden truppweise zur Bergung mitgenommen. Vor Ort haben wir eine Sanitäts-Hilfsstelle errichtet und die Bewohner wurden von uns mit einem Patienten-Leitsystem erfasst. Fünf Opfer wurden in die Lungenabteilung des Krankenhauses gebracht, weil der Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung bestand.‘
Von den Stadtwerken wurden Busse zur Verfügung gestellt, damit die Bewohner nicht bei der Kälte im Freien warten mussten. Für die Bewohner der Fischlsiedlung waren es dramatische Stunden, die Feuerwehr hat sie mit regelmäßigen Megafondurchsagen informiert und beruhigt. Der Strom in dem Hochhaus musste aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden. Beim Großmarkt Metro wurde später noch der Alarm gedrückt, es hat aber nicht gebrannt.
Für die Polizei ist sicher, dass es sich um Brandstiftung gehandelt habe. Das bestätigte Brandermittler Werner Mochorko von der Polizei in Klagenfurt: ‚Auf Grund der Erstermittlungen und der Art und Weise, wie die Brandlegungen erfolgt sind, steht es für uns fest, dass es Brandstiftung gewesen ist. Wir müssen noch genauere Ermittlungen durchführen, ob etwa Brandbeschleuniger verwendet worden sind, aber es ist sicher, dass in allen Fällen offene Flammen verwendet worden sind.‘ In einem der betroffenen Häuser habe es bereits zwei Kellerbrände in diesem Jahr gegeben, es bestehe durchaus der Verdacht, dass es sich in allen Fällen um denselben Täter handelt, sagte Mochorko.
Johannes Klammer von der Kriminalpolizei Klagenfurt bittet die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche nach dem Brandstifter oder den Tätern: ‚In diesem Fall können wir davon ausgehen, dass der oder die Täter die Brände nacheinander gelegt haben. Wir sind natürlich auf die Bevölkerung angewiesen, dass sie all Wahrnehmungen, die in dieser Richtung verdächtig erscheinen, an uns weitergeben.‘
Der für Wohnungsangelegenheiten zuständige Stadtrat Christian Scheider (FPÖ) richtete am Dienstag im Zusammenhang mit der Brandserie einen Apell an die Bevölkerung: ‚Ich habe heute aus diesem Anlass eine Anweisung an die Wohnungsabteilung der Stadt gegeben, das dort über die Hausverwalter sicherzustellen ist, das die Haustüren und Keller verschlossen sind und man sollte diesen Appell natürlich auch auf die Privatwohnungen ausdehnen.‘
Quelle: ORF
