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Feuerwehrtragödie: Ursachenforschung – Ermittlung auf fahrlässige Tötung

Gretzenbach (Schweiz): Nach dem Einsturz der Tiefgarage in Gretzenbach, der sieben Feuerwehrleute das Leben kostete, hat die Solothurner Justiz ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eröffnet. Behörden und Spezialisten forschen zudem nach den Ursachen des Unglücks. Bei den Aufräumarbeiten werden ab Dienstag Kräfte der Armee eingesetzt.

Zwei Tage nach dem Brand in einer Tiefgarage in Gretzenbach im Kanton Solothurn, bei dem durch den Einsturz der Decke sieben Feuerwehrmänner ums Leben kamen, haben die Behörden und Spezialisten die Abklärung der Ursachen aufgenommen. Sie gilt auch der strafrechtlichen Seite.

Wie Untersuchungsrichter Rolf von Felten vor den Medien bekannt gab, richtet sich das von der Justiz eingeleitete Ermittlungsverfahren vorerst gegen Unbekannt. Es erfasse die Straftatbestände der fahrlässigen Tötung, der Verletzung der Regeln der Baukunde und des Verursachens eines Einsturzes.
Der Kreis der Personen, gegen die sich das Verfahren richtet, sei bis jetzt noch nicht bestimmt oder eingeschränkt, betonte von Felten. Nicht im Vordergrund stehe dabei die Verhältnismäßigkeit des Feuerwehreinsatzes vom vergangenen Samstag; zunächst gehe es darum, die Brandursache und den Grund für den Einsturz der Betondecke in aufwendiger Kleinarbeit zu klären, sagte der Untersuchungsrichter, der frühestens in drei Monaten mit ersten Ergebnissen rechnet.

Laut einer Mitteilung der Kantonspolizei ist am Montag begonnen worden, das Unglücksgebiet mit Hilfe eines satellitengestützten Systems und eines Teams externer Spezialisten photogrammetrisch zu vermessen. Man erwarte davon Aufschlüsse über die Ursache des Deckeneinsturzes, sagte dazu ein Sprecher der Kantonspolizei. Der Ort, an dem die Feuerwehrleute verschüttet worden waren, wurde aus Sicherheitsgründen durch Gitter verstärkt, und die Absperrungen wurden erweitert und verbessert.

Mit den eigentlichen Aufräumarbeiten wird am Dienstag begonnen. Mit diesen sind die bereits am Unglückstag eingesetzten Kräfte der Armee betraut, die von einem Statiker und von privaten Bauunternehmen unterstützt werden. Die Trauerfeier für die sieben Feuerwehrleute findet am kommenden Samstag, 4. Dezember, um 14 Uhr in der römisch-katholischen Kirche von Schönenwerd statt.

Der für das Feuerwehrwesen zuständige Solothurner Regierungsrat Roberto Zanetti hat die Anweisung erteilt, den Angehörigen der verstorbenen Feuerwehrleute finanzielle Überbrückungshilfe anzubieten. Der Mitteilung der Polizei ist auch zu entnehmen, dass das Care-Team, das Angehörige und Kollegen der Verstorbenen betreut, weiter im Einsatz steht.

Augenmerk richtet sich auf das Problem des «Durchstanzens»
Auch zwei Tage nach dem Unglück in der Solothurner Gemeinde Gretzenbach, bei dem sieben Feuerwehrleute von der herabstürzenden Decke eine Tiefgarage erschlagen worden waren, gibt es von offizieller Seite keine Angaben über mögliche Ursachen. Die Bilder von der Unglücksstelle zeigen jedoch, dass die Decke als Ganzes abgesackt ist und dabei von den Stützen durchbohrt wurde. Damit wird das Augenmerk auf ein Problem gelenkt, das unter Bauingenieuren als «Durchstanzen» bekannt ist. Nach wie vor unklar ist jedoch, wodurch das Unglück ausgelöst wurde und ob ihm bauliche Mängel, Materialfehler oder fehlerhafte Berechnungen zugrunde liegen.

Generell stellt sich bei schweren Decken die Frage, wie die zum Teil erhebliche Last aufgefangen werden kann. Durch den Trend zu immer schlankeren Stützen hat sich dieses Problem noch verschärft. Die früher weit verbreiteten «Pilzdecken», die auf pilzförmigen Köpfen mit einer großen Auflagefläche ruhten, sind heute ausser Mode gekommen. Statt dessen muss die Decke selbst die Spannungen auffangen, die sich an den Auflagepunkten konzentrieren. Dabei tragen sowohl der Beton als auch die in die Decke integrierten Bewehrungsstäbe zur Festigkeit bei. Während die Bewehrungslagen in der Regel die horizontal gerichteten Zugspannungen aufnehmen, fängt der Beton die Druckspannungen auf.

An den Auflagepunkten muss der Beton jedoch nicht nur Druck-, sondern auch Zugspannungen in nicht-horizontaler Richtung aufnehmen. Ob er das kann, hängt nach Aussage von Thomas Vogel vom Institut für Baustatik und Konstruktion der ETH Zürich von verschiedenen Faktoren ab. Vogel, der gleichzeitig Präsident der Normenkommission Betonbau ist, nennt die Last der Decke (und des darüber liegenden Erdreichs), die Zahl und den Abstand der Stützpfeiler sowie die Qualität und die Dicke des Betons. Falls es die Bemessung verlange, könne die Decke an den Auflagepunkten zusätzlich durch Stahlbügel verstärkt werden. Ob das in Gretzenbach der Fall gewesen sei, kann er jedoch nicht sagen.

Was die Decke letztlich zum Einsturz gebracht hat, ist gegenwärtig noch offen. Eine wichtige Rolle könnte der Brand in der Tiefgarage gespielt haben, der dem Unglück vorausgegangen war. Nach Angaben der Feuerwehr entstanden dabei Temperaturen zwischen 400 und 600 Grad. Das reicht zwar nicht, um den von Beton ummantelten Bewehrungsstahl so weit zu bringen, dass er an Festigkeit verliert. Die Hitze könnte jedoch zum Abplatzen von Betonteilen geführt haben. Diese Gefahr besteht vor allem dann, wenn in den Poren des Betons viel Restwasser vorhanden ist, das bei der Herstellung nicht gebunden wurde. Das Wasser will bei der Hitze verdampfen und sprengt dabei den Beton in Stücke. Ob dadurch eine Konstruktion, die unter normalen Bedingungen stabil ist, zum Einsturz gebracht werden kann, hängt letztlich davon ab, wie groß die Sicherheitsmargen bemessen sind.

Neue Züricher Zeitung

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