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Flutwelle Asien: Seuchengefahr steigt – Viele Touristen bereits begraben

Südasien: In einem Massengrab in Thailand sind nach Informationen des Fernsehmagazins „Spiegel TV“ etwa 600 Flutopfer begraben worden, darunter 300 europäische Touristen.

Den Toten seien Micro-Chips eingepflanzt worden, um sie später exhumieren und identifizieren zu können, sagte der örtliche Arzt Wicharn Girdwichai, Direktor des Chaophya Hospital Bangkok. Die Opfer seien aus der Region Khao Lak zum Jarn Yao Tempel gebracht worden, sagte die thailändische Rotkreuz-Helferin Arunswasdi Pachra.

Hier sei den Toten genetisches Material entnommen worden. Anschließend seien Identifikationschips eingesetzt und die Toten begraben worden. Welcher Nationalität die Touristen angehören, ist nicht bekannt. Das Massengrab befindet sich den Angaben zufolge in der Ortschaft Bhuridadfpong nördlich von Khao Lak. Angesichts des akuten Trinkwassermangels warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO unterdessen vor einer dramatischen Seuchengefahr in den asiatischen Flutgebieten.

Wenn nicht bis Ende der Woche alle Menschen mit sauberem Wasser versorgt seien, könne sich die Zahl der Tsunami-Opfer verdoppeln, sagte WHO-Generaldirektor Lee Jong Wook. Seine Organisation brauche 60 Millionen Dollar (45,4 Mio. Euro), um die fünf Millionen betroffenen Menschen zu versorgen.
Noch sei es zu keinem Ausbruch von Seuchen gekommen, sagte Jong Wook. „Aber für 150.000 Menschen ist das Risiko extrem groß.“ Die WHO sei sehr besorgt, dass die Versorgung mit dem Nötigsten auch zehn Tage nach der Flutkatastrophe nicht sichergestellt sei.

Besonders alarmierend seien die Probleme in der indonesischen Provinz Aceh und an der Ostküste von Sri Lanka. Die Vereinten Nationen kündigten an, allein auf Sumatra Auffanglager für 500.000 Menschen aufzubauen. In vielen betroffenen Gebieten gäbe es einen großen Bedarf an Medikamenten gegen Depressionen und Stress. Nach Schätzungen des Kinderhilfswerks UNICEF sind von der Katastrophe allein rund 1,5 Millionen Kinder betroffen.

In den noch immer von Hilfe abgeschnittenen Dörfern entlang der Westküste Sumatras warteten Tausende Kinder auf medizinische Versorgung, Trinkwasser und Nahrung. Im von dem Tsunami betroffenen Krisengebiet sind nach jüngsten Schätzungen der Vereinten Nationen (UNO) mindestens mehr als 200.000 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern befinden sich auch zehn Österreicher, weitere 591 gelten laut Vize-Kanzler Hubert Gorbach (FPÖ) als vermisst.

Nach UNICEF-Angaben gibt es Besorgnis erregende Berichte über Erwachsene, die allein stehende Kinder auf der Straße ansprechen, wie Christian Schneider von UNICEF Deutschland sagte. In Sri Lanka sollen Kinder in überfüllten Notunterkünften missbraucht worden sein. „Thailand und andere Länder aus der Katastrophenregion sind Drehscheiben für den Handel mit Kindern und wir wissen aus anderen Krisenlagen, dass skrupellose Menschenhändler solche Situationen nutzen, um schutzlose Kinder zu missbrauchen.

Millionen Menschen in Europa haben am Mittwoch, dem 5. Jänner 2005, mit drei Schweigeminuten der Flutopfer in Asien gedacht. Sie folgten um 12.00 Uhr einem Aufruf des EU-Ministerrates. Regierungen unterbrachen die Arbeit. In Brüssel versammelten sich die EU-Angestellten vor dem Kommissionsgebäude. Fahnen waren und sind auf Halbmast. In den Radio- und Fernsehprogrammen des ORF gab es ebenfalls drei Schweigeminuten. Die U-Bahnen, Straßenbahnen und Autobusse in Wien blieben für eine Minute in den Stationen stehen. Bei den ÖBB erinnerten auf den größeren Bahnhöfen und in den Zügen Durchsagen an die Schweigeminuten.

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta beginnt am Donnerstag die erste internationale Geberkonferenz für die Opfer der Naturkatastrophe beginnen. Organisator und Gastgeber des „Sondertreffens der ASEAN-Führer nach dem Erdbeben und der Flutwelle“ ist die indonesische Regierung. Zentrale Themen sind die Koordinierung der Hilfsaktionen, der langfristige Wiederaufbau der betroffenen Regionen sowie ein Warnsystem für künftige Flutwellen im Indischen Ozean.

Spendenaktion „ORF-Nachbar in Not“
PSK: 90.750.700, BLZ: 60.000, Kennwort: „Flutkatastrophe“. Spendenzusagen werden auch unter der Telefonnummer 0800-22-20-20 entgegengenommen.

ORF

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