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Südasien: Neuerlich schweres Erdbeben

Südasien: Drei Monate nach der Flutkatastrophe im Indischen Ozean hat am Montag, dem 29.3.2005, erneut ein schweres Seebeben die Region erschüttert und dabei hunderte Menschen getötet.

Zunächst befürchtete Flutwellen blieben aber aus und die meisten Tsunami-Warnungen wurden wieder aufgehoben. Schwere Schäden wurden von der indonesischen Insel Nias gemeldet. Vizepräsident Jusuf Kallas sprach dort von bis 2.000 Toten.

Eine Sprecherin des Katastrophenschutzzentrums für die indonesische Region Aceh und Nord-Sumatra sagte, die offizielle Zahl der Toten liege bei 322. Alle Opfer seien auf Nias zu beklagen. Doch auch Stunden nach dem Beben wurden weiter Leichen aus den Trümmern geborgne. Aus anderen Gebieten des Indischen Ozeans lagen keine Angaben über Opfer vor.

Das Epizentrum des Bebens mit einer Stärke von 8,7 auf der Richterskala lag bei Nias westlich von Sumatra. Es war eines der acht stärksten weltweit seit 1900. Das schwere Beben vom 26. Dezember hatte eine Stärke von 9,0 und löste gewaltige Flutwellen aus, die über die Küsten der Region hereinbrachen und fast 300.000 Menschen in den Tod rissen. Sein Epizentrum hatte ganz in der Nähe des erneuten Seebebens gelegen.

Die Erdstöße ereigneten sich gegen Mitternacht (18.09 Uhr MESZ) und führten zu Panik unter der Bevölkerung in Küstenteilen Indonesiens, Sri Lankas, Indiens, Thailands und Malaysias. Sirenen heulten und Tausende Menschen versuchten sich aus Angst vor Tsunamis in höher gelegen Gebiete in Sicherheit zu bringen.

Doch auch mehrere Stunden nach dem Beben war keine Flutwelle in Sicht und Thailand, Sri Lanka und Indien hoben ihre Tsunami-Warnungen wieder auf. In Thailand flohen den Behörden zufolge 3.00 bis 4.000 Urlauber von den Stränden von Patong und Kamala auf der beliebten Ferieninsel Phuket.

Der Vize-Bürgermeister von Gunungsitoli, der größten Stadt auf Nias, berichtete ebenfalls von großer Panik. Etwa 10.000 der 27.000 Einwohner seien in höher gelegene Gebiete geflohen, sagte Agus Mendrofa. „Gunungsitoli ist wie eine Geisterstadt. Es herrscht sehr große Panik.“

Der Polizei zufolge sind bis zu 75 Prozent der Stadt zerstört. Viele Menschen seien noch unter den Trümmern eingeschlossen. „Das Erdbeben war sehr stark. Die Erde bebt immer noch“, sagte der Vize-Polizeichef der Stadt.

Die Sprecherin des Katastrophenschutzzentrums gab an, in Gunungsitoli seien 220 Menschen ums Leben gekommen. Die abgelegene Gebirgsinsel Nias gilt als Surferparadies.

Das schwere Seebeben war bereits vor rund zwei Wochen von britischen Wissenschaftlern vorausgesagt worden. In einer Studie, die in der Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature“ vom 17. März veröffentlicht wurde, hieß es, das verheerende Beben vom 26. Dezember habe das „Potenzial“ für neue schwere Erschütterungen westlich der indonesischen Insel Sumatra geschaffen.

Das neue Beben könne eine Stärke von 8,5 auf der Richterskala erreichen und Tsunamis auslösen. Die Seismologen warnen nun vor einem dritten schweren Erdbeben in der Region, da der Druck jetzt weiter wachsen werde. Der genaue Zeitpunkt könne jedoch nicht vorhergesagt werden, warnen die Experten vor „Alarmismus“.

ORF

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