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Frankreich: Hotelgroßbrand forderte mindestens 20 Menschenleben!

Paris (Frankreich): Bei einem der folgenschwersten Brände in Paris in den vergangenen 20 Jahren sind in der Nacht auf Freitag, den 15. April 2005, mindestens 20 Menschen in einem Hotel ums Leben gekommen.

55 Menschen wurden verletzt, elf von ihnen schwer. Nach Angaben der Polizei befanden sich unter den Toten zehn Kinder. Nach Angaben der Feuerwehr entstand der Brand gegen 2.20 Uhr in der ersten Etage des sechsstöckigen Hotels „Paris-Opera“. In Panik sprangen einige Hotelgäste aus den Fenstern des sechsstöckigen Hauses.

In dem Hotel waren überwiegend afrikanische Einwanderer untergebracht. Die Brandursache ist noch unklar. Laut Polizei ist das Feuer jedoch nicht auf einen „kriminellen Akt“ zurückzuführen.

Die Opfer kommen den Polizeiangaben zufolge aus insgesamt sieben Ländern, darunter Senegal, Elfenbeinküste, Tunesien und Portugal. In dem Hotel unweit der großen Kaufhäuser und des Bahnhofs Saint-Lazare hatte die Stadt kinderreiche afrikanische Familien untergebracht.

Die Einsatzkräfte waren nach kürzester Zeit beim Hotel, allerdings wurde ihre Arbeit durch die Enge der Straße an der Nordseite des Kaufhauses Galeries Lafayette behindert.

Die Flammen fraßen sich von der ersten Etage bis ins Dachgeschoß vor. „Im Treppenhaus hat sich ein regelrechter Schlot gebildet“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Die Hotelgäste seien zum Teil erstickt und hätten keine Chance zu entkommen gehabt.

Eine 41-jährige Anrainerin berichtete von „Angst- und Hilfeschreien“ aus dem Hotel. Sie hörte, wie einige Hotelgäste nach dem Sprung aus dem Fenster mit einem „dumpfen Geräusch“ auf der Straße aufschlugen.

Der Brandherd wurde gegen 3.30 Uhr unter Kontrolle gebracht, allerdings loderten die Flammen noch bis gegen 5.00 Uhr aus dem Dachgeschoß. Sämtliche Gebäude rund um das Hotel wurden vorsorglich geräumt.

240 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Nach Angaben der Rezeption hielten sich zum Unglückszeitpunkt 76 Menschen in dem Hotel auf. Unter den Verletzten befand sich auch ein Feuerwehrmann. Die Behörden ordneten eine Untersuchung der Brandursache an.

Innenminister Dominique de Villepin begab sich zum Unglücksort. Er besuchte auch die Verletzten, die in einer Rettungsstation in den Galeries Lafayette behandelt wurden.
„Dieses furchtbare Drama erfüllt uns alle mit Schrecken“, zeigte sich der französische Präsident Jacques Chirac in einer ersten Reaktion tief betroffen: Der Brand sei „eine der schmerzlichsten Katastrophen“, von denen Paris heimgesucht wurde.

ORF

Bericht der Züricher Zeitung
Bei einem Hotelbrand in Paris sind mindestens 20 Personen umgekommen, die Hälfte der Opfer sind Kinder. Bei den Toten handelt es sich vor allem um Afrikaner, die von der Sozialbehörde in dem Hotel untergebracht worden sind.

Die Rue de Provence ist eine schmale Strasse hinter den grossen Kaufhäusern im Pariser Opernviertel. Tagsüber drängen sich hier Heerscharen von Touristen und Kauflustigen auf engen Trottoirs; Angestellte schlingen in Cafés und Schnellimbissen ein Sandwich hinunter. Abends ist das Strässchen bis auf ein paar ältere Prostituierte, die ihre verblichenen Reize zu Markte tragen, fast menschenleer. In der Nacht auf den Freitag brach hier kurz nach 2 Uhr im Hôtel Paris-Opéra einer der schwersten Brände in der jüngeren Geschichte der französischen Hauptstadt aus. Der Brandherd befand sich offenbar in einem Zimmer im ersten Stock, das als Frühstücksraum gedient hatte. Über das Treppenhaus breitete sich das Feuer rasend schnell über alle sechs Stockwerke aus. Da die Treppe die einzige Fluchtmöglichkeit war, fanden sich 76 Personen eingeschlossen.

Bei Ankunft der ersten Feuerwehrfahrzeuge gegen 2 Uhr 30 hatten sich bereits 7 Verzweifelte, unter ihnen 4 Kinder, aus dem Fenster gestürzt. Laut Feuerwehrleuten entfaltete der Brand einen dichten schwarzen Rauch und war von einer unglaublichen Gewalt. Ein Sprecher der Feuerwehr beschrieb ein Flammeninferno, «wie man es nur selten in Paris sieht». Insgesamt standen nicht weniger als 258 «Pompiers» und 62 Maschinen im Einsatz, um das Feuer zu bekämpfen. Um 6 Uhr 30 waren die Flammen gelöscht. Die Eingeschlossenen mussten alle über Feuerleitern gerettet werden, was die hohe Opferzahl mit erklärt. Am Freitagnachmittag wurden 20 Tote gezählt, unter ihnen 10 Kinder, 11 Schwerverletzte und gegen 50 Personen mit leichten Verletzungen sowie Rauchvergiftungen. Im nahe gelegenen Kaufhaus Galeries Lafayette wurde ein provisorisches Spital eingerichtet.

Das Hôtel Paris-Opéra war ein Etablissement fünfter Kategorie, ein sogenanntes «Hôtel meuble». Diese Hotels vermieten ihre Zimmer vorwiegend an Immigranten, meist monatsweise. Angesichts des akuten Mangels an Unterkünften werden in ihnen auch immer öfter Obdachlose von den diversen Sozialdiensten untergebracht. So auch im Fall fast aller Gäste des Hôtel Paris- Opéra, wo 26 Zimmer als provisorische Unterkünfte für afrikanische Familien dienten. Laut der Pariser Polizeipräfektur sind die Überlebenden Staatsbürger von Australien, Côte d’Ivoire, Frankreich, Portugal, Senegal, Tunesien, der Ukraine sowie den USA. Die Staatsangehörigkeit der Todesopfer wurde nicht angegeben. Die Brandursache ist noch zu klären; bei einer Kontrolle der Polizeipräfektur am 24. März waren keine Sicherheitsmängel entdeckt worden.

Züricher Zeitung

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