Deutschland: Countdown zu Feuerwehrolympiade läuft
Bienenbüttel (Deutschland): Die Nervosität steigt, die Stimmung ist getrübt. Aufgrund einer Verletzung liegen die Trainingsergebnisse noch hinter den Erwartungen zurück und das so kurz vor den Europameisterschaften. Trotzdem hält die Disziplin.
Dreimal wöchentlich Training und an den Wochenenden Wettbewerbe, lange Fahrten und immer wieder Alles geben. Die internationale Wettkampfgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Bienenbüttel ist angetreten zum großen „Warming-Up“. Vom 17. bis 24. Juli dieses Jahres finden die 13. Internationalen Feuerwehrwettbewerbe des Weltfeuerwehrverbandes CTIF (Comitè Technique International de Prévention et d’ Extinction du Feu) statt. Im vierjährigen Rhythmus, analog der Olympischen Spiele – treffen sich Wettkämpfer aus aller Welt, um die Besten ihrer Kategorie zu ermitteln. Knapp dreitausend Wettkämpfer aus 31 Nationen treffen sich in Varazdin/Kroatien. Erstmals ist auch Südkorea dabei.
Zum internationalen Verständnis gehören auch Sprachkenntnisse. Englisch ist da hilfreich, auf dem Wettkampfplatz wird der Start aber in Kroatischer Sprache erfolgen. „Seit Wochen gehört der CD- Player mit zu unserer Ausrüstung. Wir spielen die kroatische Startformel beim Training ein, damit uns dieser Spruch in Fleisch und Blut übergeht. Eine Verzögerung in der Startsekunde können wir uns nicht erlauben“, erklärt Matthias Scheele, Trainer der Herren A Mannschaft. Gestartet wird parallel auf vier Bahnen. Gewisse Irritationen sind leicht möglich und schon so mancher Gruppe zum Verhängnis geworden Dass auch die Bienenbütteler Mannschaft mit Unvorhergesehenem rechnen muss, hat die kurzfristige Operation des Wassertruppmannes bewiesen. Hagen Witte soll zwar Mitte Juli wieder hergestellt sein, doch die Zwangspause im Training ist nur mit viel Einsatz zu kompensieren. Die Gruppe erwartet eine Zeit deutlich unter 40 Sekunden im Löschangriff und knappe 60 Sekunden im Hindernissstaffellauf – Alles fehlerfrei natürlich. Damit hätten sie reelle Chancen auf eine Goldmedaille.

Bilder stammen von der vergangenen Olympiade aus Kuopio/ Finnland 2001
Die schnellsten Gruppen kommen derzeit aus Kroatien und Österreich auch die osteuropäischen Staaten haben sportlich und technisch zugelegt. Salopp gesagt: Die Konkurrenz schläft nicht! Hier können Zeiten von 32 Sekunden im Löschangriff und 55 Sekunden in der 400 Meterstaffel vorgelegt werden. „Es gehörte neben exzellenten sportlichen Leistungen schon immer eine Portion Glück zur Goldmedaille. Wenn die Nerven mitspielen, keine Verletzungen eintreten und die Truppe ihr homogenes Arbeiten im entscheidenden Moment umsetzen kann, bin ich zuversichtlich,“ analysiert Ortsbrandmeister Klaus-Georg Franke seine Favoriten.
Seit sieben Olympiaden in Folge (28 Jahre) nehmen die Bienenbütteler bei diesen internationalen Wettbewerben teil. Keine Deutsche Feuerwehr hat das bisher geschafft. Und so sehen auch viele Schlachtenbummler den Weg als das Ziel an. Außer den Wettkämpfern reisen 25 Feuerwehrfans mit nach Kroatien. Insbesondere die Frauenmannschaft will den Wettkampf beobachten. Sie verpassten die Fahrkarte zur Europameisterschaft um 2 Sekunden.

In Besprechungen und Vorbereitungstreffen wurden Reiseroute, Fahrzeuge und Unterbringungen geklärt. Rund 10. 000 Übernachtungsgäste muss die Kleinstadt verkraften, Schulen und Turnhallen sind belegt, eine Zeltstadt steht zur Verfügung. Alle Hotels im Umkreis von 70 Kilometern sind ausgebucht. Doch die Organisation scheint bisher alles im Griff zu haben. Ein achtzigseitiger Ablaufplan, Ortspläne und Stadionskizzen, allesamt dreisprachig sollen für den reibungslosen Ablauf der Großveranstaltung sorgen. Eine logistische Herausforderung ist der Transport von tausenden Wettkämpfern plus Fans und die Verpflegung der Massen. Auch die Medien nehmen immer mehr Kenntnis von diesem Feuerwehrspektakel.
Aus Erfahrung hat die Feuerwehr Bienenbüttel bereits vor Monaten mit Planern vor Ort Kontakt aufgenommen und alle wichtigen Details geklärt. Die Vorbereitungscrew um Conni Basse, stellvertretenden Ortsrandmeisterin, fährt schon Tage vor der offiziellen Abreise nach Kroatien.
Die Zeit läuft. Für die Wettkämpfer geht es weiter um Optimierung. Zehntel Sekunden gelten als Erfolg. Bleibt noch die kostspielige „Klamottenfrage“. Als Teil der Deutschen Feuerwehr-Nationalmannschaft wird einheitliches Auftreten verlangt. Neben den offiziellen DFV- Jacken sollten auch Trainingsanzüge, Polo-Shirts etc. gruppeneinheitlich sein. Für so manchen jugendlichen Geldbeutel, der zudem anteilmäßig Fahrt- und Unterbringungskosten bestreiten soll – eine finanzielle Belastung. Und mit Sponsoring in Zeiten leerer Kassen ist wohl kaum zu rechnen? Trotzdem ist die Herrenmannschaft der Feuerwehr Bienenbüttel hoch motiviert. Es zählt der Olympische Gedanke: Dabei sein ist alles!
