Bayern: Eishalle durch Schneedruck eingestürzt – Mehrere Tote
Bad Reichenhall (D): Die Zahl der Opfer nach dem Einsturz der Eishalle im bayrischen Bad Reichenhall am 2.1.2006 steigt ständig weiter. Die Polizei rechnet mit „viel mehr“ als den am Abend bestätigten fünf Todesopfern.
Die Zahl der Opfer nach dem Einsturz der Eishalle im bayrischen Bad Reichenhall steigt ständig weiter. Die Polizei rechnet mit „viel mehr“ als den am Abend bestätigten fünf Todesopfern. Unterdessen mehren sich die Hinweise, dass das Drama vorhersehbar war. Offenbar war bekannt, dass die Schneemassen auf dem Dach zum Einsturz des Gebäudes führen könnten. Die Retter kämpften indes einen verzweifelten Wettlauf mit der Zeit: Die Verschütteten lagen auf blankem Eis, ihre Überlebenschancen schwanden mit jeder Minute.
Die Tragödie in der Eishalle von Bad Reichenhall in Bayern hat Montag, 2.1.2006, mindestens fünf Personen, darunter einem siebenjährigen Mädchen, das Leben gekostet. Unter dem Druck der Scheemassen war das Dach eingestürzt und hatte rund 50 Menschen unter sich begraben.
20 bis 25 Menschen wurden unter den Trümmern vermisst, eben so viele teils schwer verletzt. Vor der Katastrophe hatte es Warnhinweise gegeben: Ein Eishockeytraining wurde wegen Einsturzgefahr abgesagt, auch wollte man das Dach bereits von den Schneemassen befreien.
Gegen 22.00 Uhr konnte ein erstes Opfer lebend aus den Trümmern geborgen werden. Die Besucherin der Eishalle sei mit Prellungen und einer leichten Unterkühlung ins Krankenhaus gebracht worden, sagte Landrat Georg Grabner am Montagabend auf einer Pressekonferenz.
„Das ist ein Zeichen der Hoffnung“, sagte Grabner. Die Bergungsarbeiten seien aber weiterhin sehr schwierig und sehr gefährlich. Vor Mitternacht arbeitete die Feuerwehr daran, das Dach der Halle mit Kränen anzuheben, um den Helfern Zugang zum Gebäude zu verschaffen.
Ein schwer verletztes Opfer verstarb offenbar nach dem Eintreffen in einem Salzburger Spital. Die drei weiteren Todesopfer waren laut Behördenangaben Jugendliche. „Wir fürchten, dass unter den Toten und Verletzten viele Kinder sind“, hieß es von den Rettungskräften. „Es ist zu befürchten, dass es noch viel mehr Tote geben wird“, sagte Behördenvertreter Johann Bohnert. Die Verschütteten lägen auf dem Eis, und auch die niedrigen Außentemperaturen verschlechterten die Überlebenschancen. „Da zählt jede Minute“ sagte Bohnert.
Das Unglück ereignete sich laut Behördenangaben gegen 16.00 Uhr. Medienberichten zufolge waren in der Halle viele Familien mit ihren Kindern. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks schickte der Hallenmeister nur wenige Sekunden vor dem Unglück die letzen Besucher vom Eis.
Nach lautem Krachen und Knarzen sei dann das Dach auf der gesamten Fläche hinuntergestürzt. Angeblich sei bereits längerem darüber diskutiert worden, ob die in den 70er Jahren erbaute Halle renoviert oder abgerissen werden sollte.
Rund 700 Helfer aus Deutschland und dem benachbarten Österreich waren im Einsatz, um Opfer zu bergen. Schneetreiben erschwerte die Hilfe zusätzlich. Auch musste die Halle erst behelfsmäßig gesichert werden, damit die Helfer zu den Opfern vordringen konnten.
Zur Informationen, es habe eine Warnung wegen Einsturzgefahr gegeben, wollte die Polizei zunächst nichts sagen. Auch über die Unglücksursache machte sie keine Angaben, verwies aber darauf, dass viel nasser Schnee auf dem Dach gelegen habe.
Die Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen zur Unglücksursache auf. Angeblich war die Schneemenge auf dem Dach der Halle bei einer Messung zu Mittag noch im Bereich des Erlaubten gelegen. Seither hatte es jedoch unablässig weiter geschneit.
Die Betreiber der Halle wiesen die Vorwürfe zurück. Gerade weil die Schneemenge auf dem Dach erst am Abend kritische Ausmaße erreichen sollte, habe man etwa auch das Hockeytrainig abgesagt. Stattdessen habe man das Dach dann von den Schneemassen befreien wollen.
Hinweis:
Die Behörden von Bad Reichenhall haben eine Hotline für Angehörige von mutmaßlich Vermissten eingerichtet. Aus Österreich ist die Hotline unter folgender Telefonnummer zu erreichen: 0049 8651 970237
