Schneechaos in Oberösterreich – Erstes Todesopfer zu beklagen

Oberösterreich: In der Gemeinde Julbach (Bezirk Rohrbach) ist ein 69-jähriger Pensionist am Donnerstag, dem 9. Februar 2006, bei Schneeräumarbeiten tödlich verunglückt. Eine Dachlawine löste sich, riss den Mann in die Tiefe und begrub ihn unter den Schneemassen.
Eine Entspannung beim Schnee scheint nicht in Sicht zu sein. Neue Schneemassen sind im Anmarsch auf Oberösterreich und damit steigt auch die Angst, dass die Schneelast auf den Dächern weiter steigt.

ALLE hier befindlichen Bilder zeigen die Situation in Spital am Pyhrn (Bezirk Kirchdorf) am Nachmittag des 9.2.2006
Mehr als 1.000 Feuerwehrmänner, Bundesheersoldaten und zahllose weitere Freiwillige Helfer sind seit Stunden im Einsatz, um die Schneemassen von den Dächern zu schaufeln. Besonders viel zu tun gibt es im Inn- und Hausruckviertel, rund um Bad Ischl und im Bereich Windischgarsten, sowie im oberen und nördlichen Mühlviertel.

Im Bezirk Rohrbach wurde bereits ein Krisenstab einberufen. Bezirkshauptfrau Wilbirg Mitterlehner hat an alle Bürgermeister im Bezirk die dringende Empfehlung ausgegeben, größere Menschenansammlungen in Gebäuden zu vermeiden. Gesperrt sind am Freitag die Volksschulen in Oberkappel, Mollmannsreith und St. Johann am Wimberg, in Neufelden und Niederneukirchen sind die Turnsäle gesperrt.

Mit den Schneemassen kämpft man nach wie vor auch in Spital am Pyhrn. Vor kurzem sind Soldaten aus St. Johann im Pongau eingetroffen. Es fehlt weniger an Einsatzkräften sondern an großen Schneeschiebern. Diese werden inzwischen sogar schon aus Wien herangeschafft.
Bericht der OÖ. Nachrichten (Ausgabe vom 10.2.):
LINZ. Beim Schneeräumen ist gestern ein Pensionist in Julbach vom Haus gefallen und gestorben. Durch die starken Schneefälle waren am Abend zahlreiche Hauptdurchzugsstraßen gesperrt. Die Gefahr von Dacheinstürzen steigt und es schneit weiter. Der 69-jährige Pensionist schaufelte am Nachmittag Schnee von seinem Haus. Dabei löste sich eine Dachlawine, der Mann stürzte ab und wurde von den Schneemassen begraben. Seine Frau konnte ihm nicht mehr helfen. In Vöcklamarkt stürzte am Abend das Dach einer Tischlerei ein. Verletzt wurde dabei niemand.

Im ganzen Bundesland sorgte der Schneefall in der Nacht auf heute zu Sperren von Hauptdurchzugsstraßen. Der öffentliche Verkehr in Linz war teilweise lahm gelegt, Busse blieben stecken.
Auf der Westautobahn wurden zwischen St. Georgen und Mondsee Autolenker vom Roten Kreuz mit heißen Getränken versorgt, in Fahrtrichtung Wien hatte sich ein 15 Kilometer langer Stau gebildet.
In Bad Ischl schaufelten Soldaten gestern das 4000 Quadratmeter große Dach über zwei Bettentrakten des Landeskrankenhauses ab. Die Soldaten mussten sich dabei anseilen, da das Dach eine Neigung von 20 Prozent hat. Patienten mussten nicht verlegt werden. Besonders schlimm blieb die Lage auch in Kopfing im Bezirk Schärding.

In vielen Gemeinden mussten Feuerwehren und Soldaten Schnee von Gebäuden schaufeln. 1300 Feuerwehrleute und 580 Soldaten waren gestern in Oberösterreich im Einsatz – laut Militärkommando das „absolute Limit“.
Zahlreiche Dächer im Bezirk Rohrbach drohten einzustürzen. Die Feuerwehren konnten die Schneemassen nicht mehr bewältigen. Der Rohrbacher Bürgermeister Josef Hauer forderte das Bundesheer an.
„Wir wissen nicht mehr, wie wir den Schnee auf den Dächern bewältigen sollen“, sagte der Rohrbacher Feuerwehrkommandant Josef Kandlbinder. Bezirkshauptfrau Wilbirg Mitterlehner empfahl den Bürgermeistern größere Menschenansammlungen in Gebäuden zu vermeiden.

Die Bezirkshauptmannschaft richtete einen Katastrophen-Koordinierungsdienst ein. „Die meisten Dächer sind für 250 Kilo Schneelast pro Quadratmeter ausgelegt. Das haben wir erreicht“, sagte Bürgermeister Hauer. (fell/kran)
