Australien: Sehr schwierige Rettungsaktion verschütteter Bergleute
Australien: Australien blickt gebannt auf die Goldmine unter dem Städtchen Beaconsfield im Norden des Gliedstaats Tasmanien. Dort war es am 25. April 2006 in einer Tiefe von knapp 1000 Metern zu einem Felssturz gekommen, bei dem drei Bergleute verschüttet wurden.
Sie waren damit beschäftigt, Bohrlöcher für eine Sprengung anzubringen, als ein Erdstoss einen Teil des Schachtes zum Einsturz brachte. In einem komplizierten Manöver wurde ein ferngesteuerter Bagger in die Mine gebracht, der sich durch etwa drei Dutzend Meter verschütteten Stollens zur Unglücksstelle vorarbeiten sollte. Der Bagger stiess nach zwei Tagen auf die Leiche eines der drei Männer.
Am Sonntag aber machte eine sensationelle Nachricht die Runde in Beaconsfield: Die anderen zwei Bergleute waren noch am Leben und sogar unverletzt. Mit den beiden, die bei der Arbeit an den Bohrern durch Stahlkäfige geschützt gewesen waren, hatte mittels einer kleinen Kamera, die ferngesteuert den Weg durch den Schutt gefunden hatte, Kontakt aufgenommen werden können. Darauf wurde vom Hauptstollen ein Tunnel von etwa zehn Zentimetern Durchmesser gebohrt, durch den die Bergleute nun mit Wasser und Nahrung versorgt werden können. Den beiden ging es laut Medienberichten vom Montag den Umständen entsprechend gut; sie wünschten sich sogar «Bacon and Eggs» zum Frühstück.
Die euphorische Stimmung in Beaconsfield, einem Städtchen mit rund 1000 Einwohnern, machte am Montag allerdings wieder der Ernüchterung Platz. War zuerst angenommen worden, dass die Verschütteten relativ schnell nach oben gebracht werden könnten, so zeigte sich bald, dass die Rettungsaktion sehr kompliziert werden würde. Den automatischen Bagger haben inzwischen Rettungskolonnen abgelöst, die in mühsamer Kleinarbeit und unter fortwährendem heiklem Abwägen einen Tunnel parallel zum zugeschütteten Stollen frei sprengen müssen. Je näher die Retter zu den Verschütteten gelangen, desto schwieriger wird das Unterfangen. Für die letzten Meter soll statt Sprengungen eine Tunnelbohrmaschine zum Einsatz kommen. Denn niemand kann wissen, wie stabil oder unstabil das Gestein ist. Ein Fachmann verglich die Aufgabe mit einem Mikado-Spiel: Vorsicht und Sorgfalt hätten Vorrang vor Geschwindigkeit.
Die befreiende Nachricht vom Überleben der zwei Bergleute wird deshalb zunehmend überschattet von der Angst, dass so kurz vor dem endgültigen Aufatmen doch noch etwas schiefgehen könnte. Ausserdem wurde plötzlich auch der Kontrast wahrgenommen zwischen den zwei Familien, die von einem Wunder sprechen dürfen, und der einen, deren Angehöriger nicht mehr zurückkommt.
Anforderungen an die Rettungsteams stellt auch die psychologische Unterstützung der Verschütteten. Diese hätten enorme Willenskraft bewiesen, wurde festgehalten. Doch es sei schwer abzuschätzen, wie sie nun mit dem notgedrungen langsamen Vorrücken der Rettungskräfte fertig würden, da die Hilfe nur noch wenige Meter entfernt sei und sie so verzweifelt ihr steinernes Gefängnis verlassen wollten.
