Schweiz: Geisterfahrt eines Zuges endete mit Unfall mit 3 Toten!
Thun (Schweiz): Die Geisterfahrt eines BLS-Bauzugs im Kandertal ist am frühen Mittwochmorgen, dem 17. Mai 2006, fatal zu Ende gegangen. Die Komposition konnte nicht mehr gestoppt werden, und bei dem von den Bahnverantwortlichen herbeigeführten Aufprall auf einer Baustelle in der Nähe von Thun kamen die drei Männer auf dem Bauzug ums Leben.
BLS-Chef Matthias Tromp schilderte den Hergang des folgenschwersten Bahnunglücks in der Schweiz seit zwölf Jahren in Thun wie folgt: Der Bauzug bestehend aus einem Diesel-Traktor, drei Schotterwagen und zwei Güterwagen war in den frühen Morgenstunden nach einem Weichenumbau in Blausee mit Schotterarbeiten im Kandertal beschäftigt. Aus ungeklärten Gründen habe sich die Komposition gelöst und nicht mehr gebremst werden können, sagte Tromp. Auf dem Bauzug befanden sich ein Lokomotivführer und ein Schienentraktorführer der BLS sowie ein Mitarbeiter einer privaten Baufirma. Sie konnten beim Stellwerk Spiez Alarm auslösen, wie der BLS-Direktor weiter berichtete. In einer extremen Stresssituation wurde dort beschlossen, den Geisterzug auf die gerade Strecke in Richtung Dürrenast bei Thun zu lenken. Dort – rund 30 Kilometer von Blausee entfernt – befinden sich zurzeit zwei Baustellen der BLS, auf denen in der Nacht zum Mittwoch elf Arbeiter im Einsatz standen.
Sie konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen, bevor der Bauzug um etwa 3 Uhr 20 auf zwei stehende Materialwagen aufprallte. Der Bauzug entgleiste dabei nicht, wie Tromp sagte. Er setzte seine Fahrt aber noch rund 200 Meter fort. Trotz Grossaufgebot von Polizei, Feuerwehr und Sanität – es standen rund 80 Kräfte im Einsatz – kam für die drei Männer auf dem Zug jede Hilfe zu spät.
Es handelt sich um das zweite Unglück der BLS innerhalb von drei Wochen. In der Nähe des jetzigen Unglücksorts waren am vergangenen 28. April beim Bahnhof Thun ein ICE der Deutschen Bahn und eine BLS-Doppellokomotive zusammengestossen. Acht Personen wurden dabei leicht verletzt. Die Ursache war menschliches Versagen: Der BLS-Lokomotivführer hatte ein «Halt»-Signal zu spät bemerkt. Mehr Opfer forderte ein Bahnunglück in der Schweiz letztmals im Jahre 1994. Am 21. März schlitzte der Ausleger eines Schienenkrans bei Däniken (Solothurn) einen Schnellzug seitlich auf, wobei neun Bahngäste getötet wurden.
