Österreich: Sintflutartige Regenfälle – Dramatische Lage in Niederösterreich
Niederösterreich: Während die meisten Bundesländer vor den bereits erwarteten neuen Unwettern recht glimpflich davongekommen sind, hat sich die Lage in Niederösterreich dramatisch zugespitzt. Im Wald- und Weinviertel sind ganze Orte überschwemmt.
Fast schlagartig war der Pegel der Thaya gestiegen. Obwohl das ganze Ausmaß der Zerstörung noch nicht erkennbar ist, zeichnen sich bereits schwere Schäden ab. Und Entwarnung gibt es noch keine: Für Freitag, 30. Juni 2006, wurden weitere Niederschläge erwartet.
Extrem heftige Regenfälle seit den Abendstunden des Vortages haben am Freitag im nördlichen Waldviertel zu einer dramatischen Hochwassersituation geführt. Besonders betroffen war Raabs/Thaya, wo der Hauptplatz unter Wasser stand und „große Zerstörungen an Häusern bereits erkennbar“ seien, wie der Landesfeuerwehrverband in der Früh berichtete. Die Pegel der Thaya und vieler Zubringer waren in ungeahnter Form gestiegen. Selbst ältere Bewohner hätten sich laut Feuerwehr nicht an derartigen Starkregen in der Region wie am Donnerstagabend erinnern können. Vom Hochwasser betroffen waren die Bezirke Waidhofen/Thaya, Gmünd, Horn und auch Hollabrunn (Weinviertel).
In Raabs war der Hauptplatz überschwemmt, etliche Straßenzüge waren unpassierbar. Der niederösterreichische Landesfeuerwehrsprecher Jörg Würzelberger berichtete von einer Situation ähnlich jener des Jahres 2002. Ebenfalls massiv betroffen waren Dobersberg und benachbarte Orte. Etliche Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Das Ausmaß der Schäden war vorerst nicht abschätzbar.
Im Waldviertel mussten mehrere Straßen gesperrt werden. Im Bezirk Horn wurde die L40 im Ortsgebiet von Oberhöflein auf Grund des starken Regens auf einer Länge von 100 Metern etwa 70 Zentimeter hoch überflutet und vermurt.
Laut Sicherheitsdirektion trat der Katzenwiesenbach über die Ufer und überflutete eine im Bau befindliche Landstraße, eine Gemeindestraße wurde weggerissen. Mehrere Keller standen unter Wasser.
Im Bezirk Hollabrunn war die Stadtgemeinde Hardegg besonders betroffen. „Autos und Wohnwägen sind dort regelrecht davongeschwommen“, berichtete die Feuerwehr. Auch hier wurden Menschen in ihren Häusern vom Wasser eingeschlossen. Im Bezirk Horn gab es Hochwasseralarm in neun Ortschaften im Bereich der Thaya. 20 Personen mussten in Sicherheit gebracht werden.
In den betroffenen Bezirken standen Freitagfrüh 3.000 Mann von 200 Feuerwehren im Einsatz. Die Einheiten des Katastrophenhilfsdienstes waren abrufbereit. Wegen des Hochwassers wurden die für das Wochenende angesetzten Landesfeuerwehr-Leistungsbewerbe abgesagt. Die Wettkämpfe hätten in Raabs stattfinden sollen.
Für die betroffenen Gebiete sind auch die Aussichten nicht rosig: Speziell im Waldviertel und in den Voralpen kann es auch weiter regnen, heißt es aus der ORF-Wetterredaktion. Daher besteht weiterhin die Gefahr von Überflutungen und Muren. Oft weht lebhafter bis kräftiger, im Weinviertel und im Wiener Becken sogar stürmischer Nordwestwind mit Böen bis 80 km/h.
Glimpflich davongekommen sind Oberösterreich und Salzburg: In Oberösterreich zog das Gewitter am Donnerstagabend innerhalb einer halben Stunde durch.
In Salzburg haben die schweren Regenfälle in der vergangenen Nacht zwar wieder Schäden angerichtet – allerdings nur an einigen Stellen und in deutlich geringerem Ausmaß als zuletzt.
In der Steiermark waren die Unwetter im Bezirk Murau und erneut in Graz am stärksten. Hier wurde wieder ein Haus abgedeckt.
