Medien / Fotografen

Sbg: Pfarrer mit der Bergeschere

Hallein (Sbg): Tote, schwer Verletzte, vergebliche Hilfe: Wenn der seelische Druck für Feuerwehrmänner zu groß wird, sind Seelsorger nötig. Die rücken mit aus.

Eine ähnlich weihevolle Atmosphäre wie am Dienstag, dem 9. Jänner 2007, dürfte es im Vortragssaal der Halleiner Feuerwehr schon lange nicht mehr gegeben haben. Die Stimmen von über 60 professionellen Predigern hallen ineinander, Bibelzitate werden ausgetauscht, Kreuze blinken golden von Schulterspiegeln. Denn die Geistlichen sind an diesem Tag nicht in Messgewändern, sondern in Feuerwehruniformen erschienen. Hier findet Österreichs erstes Seminar für „Feuerwehrkuraten“ statt.

Die Kuraten sind Priester und Feuerwehrmänner zugleich. Sie sind für Feuersbrünste ebenso zuständig wie für Seelenheil, und das meist kurz hintereinander. Denn sie rücken meist mit ihren Kameraden zu Bränden, Unfällen und sonstigen Einätzen aus, jeder hat Ausbildung an Schlauch und Bergeschere.

Wenn die Kameraden duschen gehen, beginnt für den Kurat der Dienst als Seelsorger: Wer einen Toten aus dem Auto geholt hat, wer Leichen auf der Straße liegen sieht, kann das meist nicht gleich wegstecken. Viele benötigen Hilfe bei der Bewältigung ihrer Erlebnisse. „Zwar gibt es auch die Idee, unter den Mannschaften ,Peers‘ auszubilden, die ihre Kameraden psychologisch betreuen. Das System ist jedoch erst im Aufbau begriffen“, sagt Salzburgs Landesfeuerwehrpfarrer Raimund Sagmeister. Taxenbachs Pfarrer und Feuerwehrkurat Christian Siller fügt hinzu: „Auch Katastrophen-Interventionsteams und psychosozialer Dienst können bei uns auf dem Land bei Weitem nicht bei jedem Unfall präsent sein.“

Umso wichtiger seien die Priester in Feuerwehruniform als erste Ansprechpartner. Vom Feuerwehrkommandant akzeptiert zu werden, sei nicht immer leicht gewesen, berichten viele Teilnehmer des Seminars. Man habe den psychischen Stress nach Einsätzen traditionell kleingeredet. Häufig sei nach Führungswechseln in der Truppe eine solide psychische Betreuung möglich geworden.

Salzburger Nachrichten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert