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Stmk: KHD-Einsatz anlässlich des Papstbesuches in Mariazell

Mariazell (Stmk): Die Vorbereitungen: Bereits Monate vor dem 08. September 2007 entwickelte das Bereitschaftskommando (ABI Ernst Vestl / BR Ing. Ingo Mayer) gemeinsam mit dem Bezirksfeuerwehrkommandanten OBR Reinhard Leichtfried die strategische Einteilung der Feuerwehreinsatzkräfte.

In unzähligen Sitzungen mit allen beteiligten Institutionen und Organisationen wurden folgende Tätigkeitsbereiche für die Feuerwehren definiert.

Die Aufgaben:

Folgende Aufgaben resultierten aus den gestellten Anforderungen für die Feuerwehren:
· Brandschutz im Bereich der Stadt Mariazell sowie den Gemeinden St. Sebastian, Halltal, Gusswerk und entlang der B20 und B21 bzw. Erlaufseestrasse (L112), B71 Zellerrainstrasse und Grünauerstrasse.
· Technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen
· Technische Hilfe nach Elementarereignissen (Sturm, Hagel, Regen, Einstürze)
· Gefahrenabwehr bei Schadstofffreisetzung (Strahlen-, Bio-, Chemieschutz inkl. Eigendekontamination)
· Spezialeinheit für Einsätze mit Hubschrauber (IFEX-Löschgerät und akkubetriebenes hydraulische Rettungsgeräte) in nicht befahrbare Bereiche
· Wasserwehr (Suche und Rettung am und unter Wasser am Erlaufsee)
· Versorgung der Einsatzkräfte mit Essen und Getränke sowie Betriebsmittel im Rüsthaus Mariazell, Rüsthaus Gusswerk und beim ÖRK Mariazell
· Kommunikation (nur für eigenen Bedarf) über 2 abgesetzte mobile EL-Systeme
· Unterstützung d. Exekutive bei der Einweisung der Busse im Bereich Rasing-Grünau (B71) und Erlaufseestrasse mit 3 Fahrzeugen.
· Unterstützung d. Exekutive bei der Einweisung der PKW`s im Bereich Gusswerk (B24) bzw. Mitterbach und Annaberg (B20) – durch Feuerwehren aus NÖ.
· Zur Abdeckung der oben genannten Aufgaben werden an Stützpunkten Eingreifkräfte in Form von FuB Zügen der FuB/KHD-42 mit Unterstützung zusätzlicher Sonderfahrzeuge aus Nachbarbezirken vorgehalten.
· Am Flugplatz Mariazell wird eine Spezialtruppe der Flughelfer Feuerwehr Kapfenberg-Stadt und des Bezirkes Bruck mit Unterstützung der Hubschrauber des BMI stationiert. Die Hubschrauberanforderung erfolgt in Abstimmung mit der Sicherheitsdirektion Graz.
· Im Bereich Erlaufsee wird der Wasserdienstzug mit Booten und Tauchern für eventuelle Wasserunfälle in Bereitschaft stehen.
· Auf Grund der Größe und flächenmäßigen Abdeckung der Einsatzaufgaben wurden insgesamt 6 EINSATZABSCHNITTE (EAS) gebildet – denen jeweils ein Zugskommandant als Einsatzabschnittsleiter vor Ort zugeteilt wird. · Die FuB/KHD-EL mit dem STAB wurde im Jugend- und Familiengästehaus am Sigmundsberg gemeinsam mit der behördlichen Einsatzleitung installiert. Zur reibungslosen Kommunikation wurde im Freien zusätzlich der Einsatzleitcontainer der BF Graz aufgestellt, von dem aus alle Funk- u. Telefongespräche abgewickelt wurden.
· Der Notruf 122 aus dem Raum Mariazellerland wurde weiterhin im Rüsthaus Mariazell auflaufen und an den EL-Container übermittelt werden. Ein zweites EL-Fahrzeug (Leoben) wurde am Flugplatz Mariazell für die Kommunikation bereitgestellt.
· Im Bereich der Innenstadt von Mariazell sind Löschfahrzeuge (TLF, KLF, DLK30), mobile Löschtrupps sowie eine Gefahrenstoffeinheit fix stationiert, die von ihrem Standort aus agieren können.
· In den jeweiligen Einsatzabschnitten stehen den Zugskommandanten ortskundige Lotsen der Feuerwehr Mariazell bzw. Gusswerk zur Verfügung.
· Für eine rasche Gefahrenstofferkennung (ABC) seht der neue „Gefahrenstoff Detektor Array“ (GDA) der BF Graz im EAS-2 sowie ein Strahlenspürtrupp in Bereitschaft.
· Der DEKO-Platz der LFSCH wurde ebenfalls im EAS-2 fix aufgestellt.
· Die Fahrzeuge in den jeweiligen Einsatzabschnitten sind so zusammengestellt, das sowohl der Brandschutz als auch die technischen Einsätze in der Erstphase abgedeckt werden können.
· Für die Versorgung jeglicher Art sind MTF`s bei den Einsatzabschnitten eingeteilt.
· Unterstützung bei der Abstellung der Busse entlang der B71 (Zellerrainstr. Und der Grünauerstr.) sowie der L112 (Erlaufseestrasse) wird von zwei KLF vom EAS 4 aus Gusswerk sowie einem Fahrzeug vom EAS-5 – Erlaufsee-WEST – durchgeführt.
· Die Feuerwehren Gollrad und Weichselboden sind am 08. Sept.2007 in erhöhter Alarmbereitschaft und decken den örtlichen Brandschutz ab.
· Der Teil am NÖ-Landesgebiet wird von den zuständigen Feuerwehren aus Niederösterreich abgedeckt.

Um diese Anforderungen zu bewältigen wurden folgend Einsatzabschnitte gebildet:
EAS-1 FLUGPLATZ bzw. Pflegeheim St. Sebastian EL-Fzg, 3 TLF4000, SRF, GSF, KLF, RTW, RLF

EAS-2 HAUPTPLATZ, Basilika und Superiorat und Innenstadtbereich 8 TLF, KLF, LF, STRAHL, DLK30, DEKO

EAS-3 Herberge Mönch Resort Mariazell (Bereich Halltal und Mariazell Ost) RLF, TLF, 3 KLF, SRF, ATSF, GSF

EAS-4 GUSSWERK (Bereich Gollrad, Gusswerk bis Mariazell Süd)
2 TLFs, 3 KLF`s, LF, LFB-A, SRF, GSF, KRAN 40t

EAS-5 ERLAUFSEE (Ost und West)
Wasserdienstzug mit Boote u. Taucher MTFs, KLFs, LKW-K, KRF-B, LFB, RLF, SRF

EAS-6 RÜSTHAUS-Mariazell (Bereich Mariazell West und Mitte)
Verstärkung FW-Mariazell mit TLF + DLK 23 + 12 sowie Versorgung der Einsatzkräfte durch den VII. Zug der FuB Bruck/Mur

Einsatzcodes für die Einsatzabschnitte um Panik zu vermeiden
Code 100 größeres Ereignis für mehrere EAS
Code 50 Brandeinsatz (je EAS)
Code 30 Unfall / Techn. Hilfeleistung (je EAS)
Code 20 Wasserdiensteinsatz
Code 10 ABC-Einsatz

Sämtliche Einsatzabschnittsleiter erhielten von der FuB Einsatzleitung Tacked-Handies als zusätzliche Kommunikationsschiene (zur Verfügung gestellt von der Telekom Austria über die LWZ). Die Bezirke Mürzzuschlag, Leoben, Knittelfeld, Murau, Liezen, Weiz, Graz-Umgebung sowie die BF-Graz und die LFZSCH-Schule unterstützten mit Sondergeräten.

Die FuB-Einsatzleitung

Am Freitag, 07. September 2007, 10.00 Uhr fanden sich die Stabsmitarbeiter des Führungsstabes der FuB 42 sowie die Mannschaft der BF-Graz im Jugendgästehaus am Sigmundsberg ein, um die Einsatzleitung zu installieren. Die Überschwemmungen im Gebiet um Mariazell, speziell bei der Auffahrt zum Sigmundsberg, konnten mit Unterstützung der örtlichen Kräfte Gußwerk und Mariazell mit Hilfe eines Sandsackwalles befestigt werden. Als zusätzliche Sicherheit wegen der anhaltenden Regenfälle wurden zusätzliche FuB-Einheiten in Alarmbereitschaft gesetzt sowie ein Pionierzug des Bundesheeres angefordert, welche aufgrund der Wetterbesserung nicht zum Einsatz kamen.

Die gestellten Aufgaben an den Führungsstab:
· Einsatzbefehle für die jeweiligen Einsatzabschnitte durch den Ber.Kmdt und S3
· Kommunikation zwischen EL – EL-Container – Einsatzabschnitte – RH Mariazell – Florian Bruck und den anderen Einsatzorganisationen.
· Entgegennahme von Notrufen über das RH-Mariazell und Weitergabe an S3
· Mitarbeit im behördlichen Einsatzstab (Bez.FW-Kmdt., Ber. Kmdt.)
· Bestandsaufnahme durch S1
· laufende Lagemeldungen durch S2
· Kontrolle des Einsatzerfolges durch S3
· Dokumentation des FuB/KHD-Einsatzes durch den STAB
· Presse Versorgung der Einsatzmannschaften / Betriebsstoffe / Unterbringung durch S4
· Stabsbesprechungen durch den Leiter d. Stabes

Dieser Einsatz veranlasste Firma MSA Auer sowie die BF Graz (DMS) ihr EDV-gestütztes Einsatzleitsystem zu testen. Ebenfalls programmierte die Stabsstelle S6 (BI Wolfgang Zangl) eine auf MS-ACCESS basierende Datenbank, um zu versuchen weitestgehend papierlos die Aufträge abzuarbeiten. Die Kommunikationsschiene wurde außerhalb des Gebäudes, in einem EL-Container der BF Graz, aufgebaut und abgewickelt.

Gegen 21:00 Uhr hatten sämtliche Stabsstellen ihre Vorbereitungsarbeiten abgeschlossen und waren einsatzbereit. Während der Nacht übernahm ein Funker von s6 den Journaldienst, die Verantwortlichen der diversen Stabsstellen nächtigten in vier Zimmern (jeweils s1 bis s6) um im Alarmfalle rasch einsatzbereit zu sein.

Der Einsatz:

Am Freitag, den 07.09.2007 gab auf Grund der Hochwassersituation im Bereich Mariazell und auf der B20 in Niederösterreich bereits um 15:00 Uhr bereits die erste behördliche Einsatzbesprechung. Zufahrt über Neuberg derzeit wegen Hochwasser gesperrt, Niederalpl ist frei, die B20 im Bereich Lehenrote seit 14:50 Uhr wieder befahrbar, B21 über Gscheid / Terz nur einspurig begahrbar, L214 wieder offen, ÖBB im Bereich Gösing durch eine Mure verlegt, Umspannwerk der ÖBB unter Wasser, Gutensteinstrasse B21 gesperrt, B20 zwischen Kapfenberg und Thörl wegen Unterspülung nur einspurig befahrbar. Die Entscheidung, ob am Samstag die Hubschrauber fliegen können fällt erst am Samstag um 06:00 Uhr. Nächste behördliche Besprechung fand am Freitag um 18:00 Uhr statt. Die Lage hat sich teilweise entspannt. B20 in NÖ wieder befahrbar, um 18:00 Uhr wurde der Katastrophenzustand in NÖ beendet, ÖBB wieder freigelegt und betriebsbereit, B71 bei Scheibbs noch beschädigt, Lahnsattel wieder offen. Die Nacht verlief erwartungsgemäß ruhig, um 04.30 Uhr waren alle Stabsstellen besetzt, S1 + S3 erwarteten die ankommenden Züge in Gusswerk um diese mit ihren Aufgaben vertraut zu machen. Nach jedem behördlichen Meeting der Einsatzleitung erfolgte eine Stabsbesprechung durch den Leiter des Stabes BR Wolfgang Urschler, im Führungsstab der Feuerwehren.

Lagebsprechungen des allgemeinen Führungsstabes am Einsatztag:
06.30 Uhr
Aus Niederösterreich wird gemeldet, dass alle Straßen nach dem Hochwasser frei sind, PKW ohne Wagenkarten werden rigoros abgewiesen. Die B20 zwischen Kapfenberg und Thörl ist weiterhin nur einspurig befahrbar, Probleme traten auf beim Abstellplatz in Rasing, die Feuerwehren dürfen nur nach behördlichem Auftrag abschleppen. Um 06.00 Uhr waren ca. 170 Busse in Mariazell. Feuerwehren mit 492 Mann und 100 Fahrzeugen vor Ort, alle Einsatzabschnitte besetzt und einsatzbereit. COBRA bestätigt, dass der Papst über Mürzzuschlag – Mürzsteg – Lahnsattel mit dem Fahrzeug anreist, das Wetter lässt keine Flüge zu. Notarzthubschrauber wird fliegen, das ÖRK gibt Decken an Pilger aus, derzeit 185 Frauen und Männer eingesetzt, die Teeküche wurde ebenfalls in Betrieb genommen. Außentemperatur 3 Grad C.

08:15 Uhr
450 Busse derzeit im Mariazellerraum eingeparkt, leider sind auch zwei Todesopfer zu beklagen: ein 80jähriger Pilger im Bereich Sandbichl sowie ein 83jähriger Pilger im Bereich St. Sebastian sind verstorben.

11:00 Uhr
480 Busse auf den Abstellplätzen, 33.000 Besucher, die Feuerwehren mussten einen kleineren Einsatz im Halltal absolvieren, das ÖRK meldet, 46 Versorgungen, davon 4 stationiär im LKH Mariazell aufgenommen. (darunter ein Feuerwehrmann, der sich bei einem Sturz den Knöchel verletzt hat bzw ein Feuerwehrmann, der eine Kopfverletzung erlitt)

15.00 Uhr
Papst wird die Heimreise ebenfalls mit dem Fahrzeug bewerkstelligen, die Pilger gehen bereits zu Fuß zu ihren Bussen und PKW`s zurück – starker Pilgerstrom auf den Strassen.

15.30 Uhr
Besuch des Innenministers Dr. Günther Platter auf dem Sigmundsberg, er gratuliert den Feuerwehren für ihre Leistungen und zeigt erfreut, dass die freiwiligen Organisationen äußerst professsionell zu Werke gehen.

16:30 Uhr
Konnte der EAS-5 bereits aufgelöst werden – die Busse in diesem Bereich abgefahren. Schrittweise wurden auch die anderen EAS (ausgenommen EAS-2) aufgelöst.

18.30 Uhr
Die Pilgerrückreise aus dem Raum Mariazell ist beendet, die Einsatzabschnitte sind vollständig aufzulösen, das Stabsquartier ist zu räumen. Die behördliche Einsatzleitung bedankt sich bei allen Mitarbeitern für den vorbildlich geführten Einsatz.

Erkenntnisse:

– Sämtliche EDV-Programme haben ihren Testlauf mit Bravour bestanden
– Aufgrund der oftmaligen Übungen und Einsätze konnte die Stabsarbeit beinahe schon als optimal angesehen werden. Auffallend war, dass es in diesen 34 Stunden zu keinen zwischenmenschlichen Problemen gekommen ist, ebenso wurde im Stab äußerst ruhig gearbeitet. (Hilfreich dazu, dass die Funkschiene ausgelagert war)
– Die Einsatzdokumentation aufgrund EDV-Datenbank sehr gut, ebenfalls wurden die Stabsbesprechungen von S5 digital aufgezeichnet und archiviert. Protokolle jeder Art waren für sämtliche Stabsmitglieder einsehbar, ebenfalls das Einsatztagebuch sowie die Einsatzaufträge. Die Umstellung auf papierlose Aufträge ist noch gewöhnungs-bedürftig.
– Aktuelle Fotos, die vom Beamer auf die Wand des Vorraums projiziert wurden, hatten den angenehmen Vorteil, dass der Führungsstab von feuerwehrfremden Personen verschont blieb.
– Filmaufnahmen von S5 machten den Einsatz wesentlich transparenter

Dieser Großeinsatz der FuB/KHD 42 Bruck an der Mur konnte – nachträglich betrachtet – unter aktiver Zusammenarbeit aller Beteiligten und den Behörden reibungslos abgewickelt werden. PS: Der Feuerwehrführungsstab des Bezirkes Bruck/Mur ist ja nach dem mitteleuropäischem Katholikentag 2004 sowie der achttägigen Schneekatastrophe im Mariazellerland 2006 längst ein bestens eingespieltes Team.

BFV Bruck an der Mur

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