Deutschland: Panne bei Notruf verzögerte Hilfe bei Wohnungsbrand
Kreis Viersen (Deutschland): Wertvolle Minuten sind vor dem Einsatz der Feuerwehr beim Wohnungsbrand in Vorst verloren gegangen. Die Leitstelle schickte die Wehr zunächst an einen falschen Ort. Eine 65-Jährige starb, mehrere Helfer wurden verletzt.
Statt zur Süchtelner Straße in Vorst rief die Kreisleitstelle der Feuerwehr am Sonntagabend, dem 6. Jänner 2008, irrtümlich die Rettungskräfte zur Süchtelner Straße in Viersen. Wegen der Panne trafen sie erst 13 Minuten nach dem Notruf am Vorster Brandort ein – neun Minuten waren rechnerisch unterm Strich verloren gegangen (dazu der Bericht „Protokoll der Alarmierung“). Ob die Frau sonst hätte gerettet werden können, ist nun zu klären.
Die Staatsanwaltschaft Krefeld wird die Bänder mit den aufgezeichneten Gesprächen prüfen, teilte gestern Oberstaatsanwalt Hans Dieter Menden mit. Außerdem ermittelt sie wegen fahrlässiger Brandstiftung: Möglicherweise war eine brennende Kerze nahe einem Wohnzimmerschrank die Ursache. Den Sachschaden schätzt die Polizei auf über 50 000 Euro.
Mutige Nachbarn helfen: Aufmerksame Mitbewohner aus dem zweiten Stock des Sechsfamilienhauses hatten, wie die RP gestern berichtete, Qualm aus der Wohnung unter ihnen aufsteigen sehen. Sie alarmierten um 20.28 Uhr die Feuerwehr und warnten die übrigen Hausbewohner. Helfer brachen die Wohnungstür auf, drangen in die brennenden, verrauchten Räume ein und konnten den schwer verletzten 65-jährigen Bewohner herausholen. Er wird im Krankenhaus behandelt. Seine Ehefrau, die die Helfer wegen des zu dichten Rauchs nicht mehr suchen konnten, kam bei dem Brand ums Leben. Die Feuerwehr fand ihre Leiche im ausgebrannten Wohnzimmer. Mehrere Hausbewohner und zwei Polizisten wurden wegen leichter Rauchvergiftung versorgt. Bis kurz nach Mitternacht waren 50 Wehrmänner mit 13 Fahrzeugen, zwei Notärzte sowie Rettungswagen am Unglücksort. Notfallseelsorger betreuten Angehörige und Nachbarn.
Der Kreis Viersen sprach gestern von einer „unglückseligen, tragischen Verkettung unglücklicher Umstände“. Die Mitarbeiter der Leitstelle seien tief betroffen. Der Kreis prüfe nun, wie menschliche und technische Unzulänglichkeiten und Fehler in Zukunft auszuschließen seien. Der Kreis verantwortet die Leitstelle organisatorisch und finanziert sie, während die Stadt Viersen das Fachpersonal stellt. SEITE A 3 Land und Leute
