Oö: Eine Tote bei Massenkarambolage auf der A1 bei St. Georgen/Attergau

St. Georgen/Attergau (Oö): Bei der Massenkarambolage am Dienstag, 25. März 2008, auf der Westautobahn (A1) im oö. Seengebiet ist eine Schweizerin ums Leben gekommen.
Die Zahl der Verletzten wurde auf 31 herunterkorrigiert, sechs der Opfer wurden schwer verletzt. An dem Serienunfall waren rund 60 Fahrzeuge beteiligt. Auf Initiative des Landes Oberösterreich wurde eine Hotline eingerichtet, unter der sich besorgte Angehörige informieren können. Die Nummer lautet: 0800/800010. „Die Situation vor Ort ist aufgrund der vielen Fahrzeuge und des Schneegestöbers unüberschaubar gewesen“, sagte der Salzburger Landesrettungskommandant Gerhard Huber.

Die Helfer des Roten Kreuzes aus Salzburg seien an der Unfallstelle „kaum eingesetzt“ worden, die Kollegen aus Oberösterreich hätten diesen Bereich gut abdecken können, erklärte Huber. „Wir zogen unsere Notärzte wieder ab, zwei bis drei Rettungsfahrzeuge haben wir vor Ort gelassen.“ Der Großkatastrophenanhänger wurde ungebraucht wieder nach Salzburg beordert.
Laut der Oberösterreichischen Gesundheits- und Spitals-AG (gespag) wurden bisher zwei Schwer- und fünf Leichtverletzte ins Landeskrankenhaus Vöcklabruck eingeliefert. Nach Angaben des Salzburger Roten Kreuzes wurden vier Patienten auch in Salzburger Spitäler gebracht.

Bericht von ORF-News:
Angesichts der Wucht der Zerstörung hatten viele Glück im Unglück und blieben unverletzt.“Wie ein Schlachtfeld“, so äußerten sich die Augenzeugen des Unfalles und die später dazugekommenen Helfer über die Massenkarambolage auf der Salzburger Richtungsfahrbahn der Westautobahn.

Eine Tote – eine Schweizerin – und 37 Verletzte lautet die Bilanz des Massencrashs am Dienstagvormittag in Oberösterreich. Auslöser dürften schlechte Sicht und heftiges Schneetreiben gewesen sein. Bei den am Unfallort verbliebenen Überlebenden saß der Schock tief.
Blut auf den zwischen Lkws eingeklemmten Metallknäueln, die einmal Pkws waren und auf den Fahrerkabinen, der über die gesamte Länge seitlich aufgerissenen Lkws. Auf Hunderten Metern umgestürzte Fahrzeuge, über die gesamte Fahrbahn lagen Teile verstreut, einzelne Pkw-Sitze standen am Asphalt, auch neben der Autobahn lagen Autowracks und Kennzeichentafeln, die durch die Wucht des Zusammenstoßes aus ihrer Halterung gerissen und durch die Luft weit weggeschleudert wurden.

Der Serienunfall hatte sich gegen 10.00 Uhr in Fahrtrichtung Salzburg zwischen Seewalchen und St. Georgen ereignet. Rund 60 Fahrzeuge, darunter vermutlich auch ein Bus, krachten ineinander.
Das Rote Kreuz berichtete von zwei Karambolagen, der ÖAMTC von „mehreren Knäueln“. Mehrere Personen wurden in ihren Autos eingeklemmt. Ein Großeinsatz von Rettung, Polizei und Feuerwehr lief an. Im Landeskrankenhaus Vöcklabruck wurde der Katastrophenplan in Kraft gesetzt. Das Rote Kreuz Oberösterreich und Salzburg war mit 60 Rettungsfahrzeugen, mehreren Notärzten sowie zwei Großtransportern mit etwa 150 Mitarbeitern im Einsatz. Die drei ÖAMTC-Hubschrauber mussten auf dem Weg zum Unglücksort eine Pause einlegen. Starker Wind, heftiger Schneefall und schlechte Sicht machten ein Weiterfliegen zwischenzeitlich unmöglich.

Wie die Polizei bestätigte, handelt es sich bei der Toten um eine Frau aus der Schweiz. Sie wurde nach ersten Informationen aus ihrem Wagen geschleudert und geriet unter einen Lkw (siehe Bilder unterhalb). Insgesamt wurden 37 Leute verletzt, davon sechs schwer. Rund 50 unverletzte Beteiligte wurden ins Jugendgästehaus Litzlberg gebracht und von Kriseninterventionsteams betreut.

Für alle besorgten Angehörigen haben Land Oberösterreich und Energie AG ein Callcenter unter der Telefonnummer 0800/800 010 eingerichtet.
Auslöser dürften schlechte Sicht und heftiges Schneetreiben gewesen sein. Richtung Wien konnte die Sperre der Autobahn am Nachmittag aufgehoben werden, Richtung Salzburg soll die Freigabe gegen 20.00 Uhr erfolgen. Bei den Überlebenden, die am Unfallort geblieben sind, saß der Schock tief. Mit bedrückten Gesichtern gingen sie auf und ab oder saßen in ihren Wagen und versuchten zu schlafen, bis es wieder weiter ging. Die eingesetzten Helfer machten konzentriert ihre Arbeit.

Auch von den zahlreichen anwesenden berufserfahrenen Journalisten, Fotografen und Kameraleuten mussten etliche eingestehen, dass sie so ein Bild der Zerstörung noch nie gesehen haben.
Doch es gab auch Glückliche: Eine deutsche Familie, die derzeit auf Urlaub im Salzkammergut ist und einen Ausflug nach Salzburg machen wollte. Während rundherum zerstörte Fahrzeuge stehen, gelang es dem 46-jährigen Vater, dass ihr Auto ohne auch nur einen Kratzer der Massenkarambolage entkam.

Die Überlebenden berichteten, dass es furchtbar schnell gegangen sei. Plötzlich ein Unfall vor ihnen, sofort bremsen und dann habe es schon rundum gekracht. Menschen seien danach in Panik über die Fahrbahn gelaufen, von nachkommenden Fahrzeugen nur knapp verfehlt.
Zum Zeitpunkt der Massenkarambolage sei die Fahrbahn salznass gewesen, betonte die ASFINAG. Allerdings habe heftiges Schneetreiben geherrscht. Man habe seitens „alles Menschenmögliche getan, die Autobahn verkehrssicher zu halten“. Die Räumfahrzeuge seien auf der Westautobahn seit 2.00 Uhr im Dauereinsatz gewesen.

Der Streckenabschnitt zwischen Regau und Seewalchen gilt als besonders gefährlich: Dort ereigneten sich in den vergangenen Jahren vor allem wegen Nebels zahlreiche schwere Unfälle mit einigen Toten. Als Konsequenz wurde eine Nebelwarnanlage installiert.
Trotz schlechter Sicht zu schnell unterwegs: ÖAMTC-Experte Willy Matzke, der an deren Errichtung mitgewirkt hat, hält die rund zwei Millionen Euro teuren Gerätschaften, die auch Schnee und Regen anzeigen, dennoch für sinnvoll, wie er sagte.

Grundsätzlich habe die Anlage funktioniert, allerdings hätten mehrfache Untersuchungen gezeigt, dass vor allem Lkw-Fahrer ihr Tempo auch dann nicht reduzieren, wenn auf der Anzeige vor Nebel gewarnt und für Langsamfahren plädiert wird: Auch rund die Hälfte der Pkw-Lenker denkt offenbar gar nicht daran, langsamer zu fahren. Auffahrunfälle seien ein psychologisches Problem, glaubt Matzke.

Ergänzung der Redaktion:
Auch die Feuerwehrkräfte waren nicht untätig. Von den Kräften wurden insgesamt sechs Menschen, die eingeklemmt oder eingeschlossen waren, aus den Fahrzeugen befreit! Die Bergungsarbeiten zogen sich bis in die späten Abendstunden hindurch.
Feuerwehren im Einsatz:
FF Unterach am Attersee
FF Lenzing
FF Vöcklabruck
FF Attersee
FF St. Georgen im Attergau
FF Schörfling am Attersee
FF Seewalchen am Attersee
Die letzte Wehr beendete den Einsatz um 20.54 Uhr.
Freiw. Feuerwehr Seewalchen
Freiw. Feuerwehr Vöcklabruck
Freiw. Feuerwehr Schörfling am Attersee

Hinweis:
Eine Bildreportage wird sich in der Mitte April erscheinenden Ausgabe des Feuerwehrmagazins aus Oberösterreich, BRENNPUNKT, finden.
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Massenkarambolagen in diesem Gebiet:
Karambolage 2002 mit 8 Toten (Fire-World-Bericht)
Karambolage 2005 mit 2 Toten (Fire-World-Bericht)
Markus F. – Ein Beteiligter, der gerade noch zum Stehen kam: (Mail mit Genehmigung veröffentlicht)
Hi Kolli,
wie immer super schnelle Berichterstattung (Massenunfall) A1. Da ich unmittelbar vor den letzten verunfallten Fahrzeugen zum stehen gekommen bin, wurde mir erst nach der ersten – Hilfe der verunfallten Personen bewusst, wie viel Glück ich gehabt habe, nicht selbst mitten drin zu stecken. Denn ich war 10 min. vorher kurz am Pannenstreifen stehen geblieben, um meine Scheibenwischerblätter vom Eis zu befreien und setzte meine Fahrt Richtung Salzburg fort.
Detail am Rande: Straßenverhältnisse waren in Ordnung (salznass), Sicht war nicht so gut durch starkes Schneetreiben! Den Sicherheitsabstand und Geschwindigkeit wurden meines achtens nach sehr ignoriert. Da ich mit einem Klein-Lkw am Weg war, fuhr ich knapp 95 km/h. Bei einem leichten Gefälle bergab – wurde ich noch von zwei Lkw (Sattelschlepper) überholt?!
PS: Da ich nach meiner Erste-Hilfe-Leistung an die Einsatzkräften übergeben habe, habe ich meinen Aufenthalt im Unfallgeschehen verlassen und begab mich zum Auto zurück. Mir war es äusserst unangenehm, anzusehen, wie Schaulustige mit den Handys herumliefen, um Bilder von Verletzten zu machen. Kaum jemand hat sich in der Anfangsituation betroffen gefühlt, Erste Hilfe zu leisten.
Jedenfalls ist nach meiner Meinung nach dieser Massenunfall glimpflich ausgegangen – und als die Rettungskette so zu laufen begann, fühlte man sich gleich viel wohler!
Bin seit 4 Uhr morgens auf dem Weg nach NÖ gewesen, um gegen Mittag wieder zuhause zu sein! Wenigstens bin ich um 18 Uhr wieder heil in Tirol angekommen.
Beste Grüße
Markus F. (ebenfalls Feuerwehrmitglied)
Die Suche nach der Ursache (ORF):
Einen Tag nach der Massenkarambolage auf der A1 mit einer Toten und 60 Verletzten stellt sich die Frage, wie es zu diesem Serienunfall kommen konnte. In mühsamer Kleinstarbeit muss der Unfallhergang jetzt rekonstruiert werden. „Es hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld“ – das sagten Unfallopfer kurz nach der Massenkarambolage auf der Westautobahn: überall blutende und schwer geschockte Menschen, zu Metallknäueln gepresste Autos, herumliegende Fahrzeugteile, Autowracks am Straßenrand. Eine Frau aus der Schweiz wurde bei dem Serienunfall getötet, insgesamt 60 Personen wurden verletzt.
Rekonstruktion des Unfallhergangs: Die Polizei und Sachverständige müssen den Unfallhergang in mühsamer Kleinstarbeit rekonstruieren. Bereits am Dienstag hatten sich Polizisten auf Spurensuche begeben.
Alle Fahrzeuge fotografiert: Zeugen wurden befragt, die Daten der Beteiligten – so weit es möglich war – wurden aufgenommen, die Unfallstelle vermessen. Alle beteiligten Fahrzeuge mussten fotografiert werden.
Menschliches Fehlverhalten: Der Unfall dürfte auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen sein, meint die ASFINAG. Die Lenker dürften ihre Geschwindigkeit nicht den Verhältnissen angepasst haben.
Nebelwarnanlage in Betrieb: Die Nebelwarnanlage sei in Betrieb gewesen. Unmittelbar vor der Massenkarambolage habe auf der Anzeigentafel gestanden: „Schneefall, Tempo anpassen, Abstand halten“. Außerdem sei die Fahrbahn – laut Asfinag – zum Unfallzeitpunkt salznass gewesen.
Fahrbahn soll schneebedeckt gewesen sein: Dem widersprechen allerdings mehrere Unfallopfer, die bei der Polizei angaben, dass die Fahrbahnen schneebedeckt gewesen seien.
Schuldfrage für einzelne kaum zu klären: Für die einzelnen Beteiligten ist die Verschuldensfrage kaum zu klären. Bei Massenkarambolagen mit mehr als 20 inländischen Fahrzeugen beauftragt der Versicherungsverband eine Versicherung, die Schadensabwicklung für alle Gesellschaften zu übernehmen.
