Medien / Fotografen

Ägypten: Riesige Felsbrocken abgebrochen – Zwei Dutzend Tote!

Kairo (Ägypten): Herabstürzende Felsbrocken haben am Samstag, dem 6. September 2008, in einem Vorort der ägyptischen Hauptstadt Kairo zumindest 24 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt.

Die Stadtverwaltung befürchtet allerdings noch eine weitaus höhere Opferzahl. Nach ihren Angaben wurden bei dem Unglück bis zu 50 Häuser zerstört. In den Trümmern wurden am Samstagabend immer noch 150 bis 200 Menschen vermutet.

Hunderte Tonnen Fels abgebrochen: In den frühen Morgenstunden waren von den aus Kalkstein bestehenden Mottakam-Felsen im Armenviertel Manschijet Nasser Hunderte Tonnen Fels abgebrochen und auf Wohnhäuser gestürzt. Einige der zumindest acht Felsstücke hatten die Größe eines kleineren Hauses.

Kaum Bergegerät vorhanden: Dutzende Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge waren kurz nach dem Unglück vor Ort. Aus Mangel an schwerem Bergegerät und Kränen gestalteten sich die Rettungsarbeiten allerdings schwierig und kamen nur schleppend voran. Bewohner des Viertels suchten mit bloßen Händen in den von Staub überzogenen Trümmern nach Überlebenden.

60 Meter breiter Felssturz: Der Fels war auf einer Höhe von 15 Metern und über eine Breite von etwa 60 Metern abgebrochen. Der Gouverneur von Kairo, Abdelasim Wasir, traf am Samstagnachmittag am Unglücksort ein.
Nach dem Felssturz wurde massive Kritik an den Behörden laut. „Es war schrecklich, wie ein Erdbeben, es kam zu Verschüttungen und jetzt hat die Regierung keine Möglichkeiten, das Viertel zu evakuieren“, sagte ein Bewohner von Manschijet Nasser dem ägyptischen TV. Er hatte nach eigenen Angaben bei dem Unglück acht Familienmitglieder verloren, darunter zwei seiner Kinder.

Massive Kritik an Behörden: Es wurden auch Vorwürfe laut, wonach die Stadtverwaltung über die gefährliche Situation für die Bewohner des Viertels informiert gewesen sei: „Vor zwei Jahren schon haben wir die Behörden gewarnt, dass uns das auf den Kopf stürzen würde. Heute ist das Drama passiert“, wurde ein weiterer Bewohner der Siedlung
zitiert.

Häuser ohne Erlaubnis errichtet: Der Großteil der Wohnungen und Geschäfte in Manschijet Nasser wurden ohne Genehmigung der Behörden errichtet. Am Fuße der Mottakam-Felsen entstanden mehrere solcher Viertel. Sie werden meist von Menschen bewohnt, die auf der Suche nach Arbeit vom Land in die 17-Millionen-Metropole kommen. Die einfache Bauweise der Häuser und fehlende Grundinfrastruktur hätten zu dem Unglück am Samstag beigetragen, schilderte vor Ort der ägyptische Journalist Hani Rifaat gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press.

Abwässer waschen Kalkstein aus: „Der Grund, weshalb immer wieder Felsen herunterbrechen ist, dass es kein Abwassersystem gibt und ihr Abwasser die Felsen auswäscht“, so Rifaat. Es seien bereits Sanierungsmaßnahmen in Gang gewesen, diese wären allerdings nur langsam vorangekommen.
In Manschijet Nasser leben nach offiziellen Angaben rund 500.000 Menschen. 1994 kamen bei einem Felssturz entlang der Mottakam-Hügel 30 Menschen ums Leben.

ORF News
Video auf ORF

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert