Technisch

Nö: 1.500 Feuerwehrleute im Einsatz gegen Wassermassen in St. Pölten

St. Pölten (Nö): Landesweit waren gestern (6. Juli 2009 ) 230 Feuerwehren mit 3.900 Mitgliedern im Einsatz. Alleine im Bezirk St. Pölten kämpften 1.500 Feuerwehrleute gegen die Überschwemmungen, davon 700 im Stadtgebiet.

Die Gesamtzahl der in ganz Niederösterreich eingesetzten Feuerwehrmitglieder in den letzten 14 Tagen hat sich somit bereits auf fast 20.000 erhöht. Derzeit sind 28 Feuerwehren mit etwa 250 Mitgliedern mit Sicherungs- und Aufräumarbeiten beschäftigt.

„St. Pölten säuft ab“ – Mehrere Menschenrettungen

Am 14. Tag der Einsätze gegen Hochwasser und Starkregenfälle wurde gestern Montag der Bezirk St. Pölten, insbesonders das Stadtgebiet der Landeshauptstadt zum Einsatzschwerpunkt. Im Bezirk mussten 140 Feuerwehren mit über 1.500 Mitgliedern unter anderem mehrere Menschen und Tiere vor den Fluten retten. Auf einem Campingplatz bei Neustift-Innermanzing wurde eine Person in einem Wohnwagen von den Wassermassen eingeschlossen, der abzutreiben drohte. Er konnte von der Feuerwehr rechtzeitig gerettet werden. In Maria Anzbach war ein Rollstuhlfahrer in seinem Wohnhaus vom Wasser eingeschlossen; auch er wurde von den freiwilligen Helfern gerettet. Aus ihrem Wohnhaus in der Alte Reichsstraße im Stadtgebiet von St. Pölten wurde eine Person befreit und auch in St. Pölten – Harland konnte eine in ihrem Haus eingeschlossene zuckerkranke Person gerettet werden. In Maria Anzbach konnten zudem rund 20 Pferde vor den Fluten in Sicherheit gebracht werden.

Katastrophenalarm in St. Pölten
Um 17.00 Uhr wurde in St. Pölten Katastrophenalarm ausgelöst. Der Nadelbach, der in den letzen Tagen bereits zweimal weit über seine Ufer getreten war, legte diesmal noch weitere 15 cm zu und überschwemmte wiederum weite Gebiete, unter anderem den Alpenbahnhof. Auch der Europaplatz wurde überschwemmt. Bürgermeister Mathias Stadler dazu gestern: „St. Pölten säuft ab“. Feuerwehrkräfte wurden in den Abendstunden dann auch zur Unterstützung des Bundesheeres in die Hesserkaserne entsandt, um mit Großpumpenanlagen überflutete Depots auszupumpen.

Bei der Firma Voith waren drei Hallen mit insgesamt ca 2.000 m² Fläche von Überschwemmungen betroffen. Unzählige Wohnungen, Häuser und Betriebsobjekte standen unter Wasser und mussten ausgepumpt werden, zahlreiche Verkehrswege mussten freigemacht werden. Sogar die Sandsäcke für den Hochwasserschutz gingen kurzfristig zu Neige; aus der Landes-Feuerwehrschule in Tulln musste Nachschub beschafft werden.

Dietmar Fahrafellner: „Kein vergleichbarer Einsatz in den letzten Jahrzehnten“
Bezirksfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner kennt keinen vergleichbaren Einsatz gegen Unwetter in St. Pölten. „An eine solche Ausnahmesituation kann sich keiner in der Feuerwehr St. Pölten erinnern. So einen Einsatz gegen Unwetter haben wir seit Jahrzehnten nicht gehabt. Ohne den bedingungslosen Einsatz unserer freiwilligen Feuerwehrmitglieder hätten sich da Dramen abgespielt, die ich mir gar nicht ausmalen will“. Zur Unterstützung der lokalen Kräfte wurden zwei Züge des Katastrophenhilfsdienstes der NÖ Feuerwehr in den Bezirk St. Pölten entsendet. Schwere Unwetter auch in den Bezirken Krems, Baden, Tulln, Mödling und Bruck a.d. Leitha

Zunächst war gestern der Bezirk Krems im Zentrum der Ereignisse gestanden. 42 Feuerwehren mussten dort Vermurungen beseitigen, Verkehrswege freimachen und Auspumparbeiten leisten. Schwere Gewitter haben innerhalb kürzester Zeit mehrere Bäche und den Kremsfluss rasant ansteigen lassen. Zahlreiche Objekte in mehreren Ortschaften wurden überflutet. Die Straßenverbindungen von Senftenberg nach Reichau musste gesperrt werden, weil der reißende Reichaubach die Straße an mehreren Stellen unterspült oder weggerissen hatte.

Feuerwehrkommandant als Lebensretter
Der Feuerwehrkommandant von Senftenberg, Alfred Winkler jun., rettet dabei einem Pensionisten das Leben, der auf der Straße nach Reichau in seinem Pkw vom Wasser eingeschlossen und gerade noch rechtzeitig von Winkler aus dem Auto gerettet werden konnte. Die B3 im Bereich Weißenkirchen musste wieder wegen Überflutungen gesperrt werden. In Spitz an der Donau verursachten Starkregenfälle neuerlich lokale Überschwemmungen. Im Bereich des Spitzer Grabens wurden die Einsatzkräfte während der Niederschläge zurückgezogen, in den frühen Nachmittagsstunden wurde aber in diesem Bereich wieder gearbeitet. Gegen Nachmittag verlagerte sich der Schwerpunkt der Einsätze auch in die Bezirke Baden, Tulln, Mödling und Bruck an der Leitha. In Sieghartskirchen stürzte eine Gartenmauer durch das aufgeweichte Erdreich um. Die Wassermassen flossen in mehrere Gebäude. Einige hundert Sandsäcke mussten von der Feuerwehr gelegt werden, um ein Haus zu schützen. In Elsbach wurde die B1 und einige Straßenzüge bis zu einen halben Meter überflutet. Mehrere Ortschaften in Niederösterreich waren zeitweise von der Umwelt abgeschnitten.

Buchta: „Wir machen weiter“

Für heute Dienstag droht ab Mittag wieder Gewittergefahr. Von Westen wird eine Kaltfront für die späten Nachmittagsstunden erwartet, vor der Kaltfront bilden sich Gewitter und man rechnet mit lokalen Überflutungen. Ein ähnlicher Wetterverlauf wie gestern ist somit zu erwarten.
Landesfeuerwehrkommandant Josef Buchta lobte einmal mehr seine freiwilligen Helfer: „Was da in den letzten 14 Tagen geleistet wurde, kann sich kaum einer vorstellen. Viele unserer Mitglieder, besonders jene, die seit zwei Wochen fast ohne Unterbrechung im Einsatz stehen, sind nun bis zur Grenze ihrer Leistungsfähigkeit erschöpft“. Zu den heute wieder drohenden Unwettern meint der NÖ Feuerwehrchef: „Wir machen weiter – was sonst?“

Nö. Landes-Feuerwehrverband

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