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Russland: Waldbrände -> Atom-Angst in Russland, 3 tote Einsatzkräfte

Russland: Die Waldbrände in Russland breiten sich immer weiter aus. Feuerwehrleute und Helfer bekommen die Flammen einfach nicht in den Griff.

Das Feuer bedroht die Atomanlage Majak. Das könnte schwerwiegende Folgen haben! Der Boden ist dort sehr stark radioaktiv belastet, ein Brand könnte verseuchte Asche in die Luft schleudern. Und: Wenn das Feuer Elektrizität und Kühlung angreift, kann das Kraftwerk nicht mehr heruntergefahren werden!

Noch ist das Feuer 80 Kilometer von Majak entfernt. Sergej Nowikow vom Atomkonzern Rosatom: „Es gibt derzeit keine Gefahr für die Stadt oder die Anlage.“ Aber: In der Umgebung des Atommüllaufbereitungs- und Lagerungszentrums befinden sich acht weitere Kraftwerke. Der kontaminierte Boden umfasst laut Greenpeace Tausende Quadratkilometer… Christoph von Lieven, Atomexperte der Umweltschützer, warnt: „Die Brände können, was die Atomkraftwerke betrifft, sehr gefährlich werden. Denn das Gebiet um Majak ist sehr stark kontaminiert. Das heißt, es liegt viel radioaktives Material im Boden, ist bisher noch im Torf und in biologischem Material gebunden.“

Sehr starke Hitze könne dafür sorgen, dass diese radioaktiven Partikel aus dem Trägermaterial gelöst und in die Luft gewirbelt werden. Dann besteht die Gefahr, dass Helfer oder Anwohner diese Teilchen einatmen. Der Wind würde eine Atom-Wolke über das Land treiben! Von Lieven: „Gefahr besteht ebenfalls, was die Elektrizität und Kühlung, die dem Kraftwerk ja von außen zugeführt wird, anbelangt. Denn wird diese beschädigt, hat man keine Möglichkeit mehr, das Kraftwerk gegebenenfalls herunterzufahren.“

DIE EXPERTEN WARNEN VOR EXTREMEN GEFAHREN!
Professor Dr. Wolfgang Kromp, Leiter des Instituts für Sicherheits- und Risikowissenschaften der Universität für Bodenkultur Wien: „Wenn ein Kraftwerk keinen Strom von außen bekommt und es treten Probleme auf, kann das ganz böse ausgehen“, sagte er in einem Gespräch mit „Zeit im Bild“.
Denn: Radioaktive Substanzen müssen auch nach einer Kraftwerks-Abschaltung weiterhin gekühlt werden. „Passiert das nicht, kann es zu einem Schwerstunfall kommen.“ Wie weit eine Verstrahlung in diesem Fall gehen kann, kann man laut Kromp nicht vorhersagen.
Nach Informationen von Greenpeace ist sich die russische Regierung der Gefahr aber bewusst: „Sie hat daher schon viele Kraftwerke heruntergefahren. Wir können jetzt nur hoffen, dass die Regierung sich entschließt, alle Kraftwerke herunterzufahren.“
Die Großfeuer hatten bereits zwei weitere Atomanlagen bedroht, die Forschungsanlage Sneschinsk, in der Atomwaffen geplant und gewartet werden, sowie das Atomwaffen-Forschungszentrum bei Sarow.

Russische Behörden in der Ural-Stadt Osersk wollen jetzt bei einer Krisensitzung beraten, wie sich ein Übergreifen der schweren Waldbrände auf die Atomanlage Majak verhindern lässt. Bürgermeister Viktor Trofimtschuk will zusätzliche Schritte ergreifen, um die Gefahr abzuwenden. Das berichtete der Radiosender Echo Moskwy am Dienstag.
Derzeit – 10. August 2010 – lodern im Land noch mehr als 550 Feuer auf einer Fläche von mehr als 1700 Quadratkilometern, wie das Zivilschutzministerium nach Angaben der Agentur Interfax mitteilte. 70 Feuer werden als Großbrände eingestuft. Die Lage ist längst nicht unter Kontrolle!
Bei den Löscharbeiten kamen seit Montag, 10. August 2010, nach offiziellen Angaben mindestens drei Einsatzkräfte ums Leben. Darunter war auch ein Soldat, der am atomaren Forschungszentrum in Sarow gegen die Flammen gekämpft hatte. Das Feuer dort wurde gelöscht. Die Zahl der Feuertoten erhöhte sich damit nach offiziellen Angaben auf mindestens 55. Hilfsorganisationen gehen von deutlich mehr Opfern aus.

Bild.de

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