Russland: Neuerlich Waldbrand nahe Atomanlage
Moskau (Russland): Regenfälle haben in Moskau die wochenlange Hitze und den Smog weggespült. Doch die Waldbrände nahe der russischen Atomforschungsanlage von Sarow breiten sich auch am 13. August 2010 weiter aus. Die Anlage liegt nur 400 Kilometer östlich von Moskau.
«Ein Feuer, das östlich des Naturschutzgebiets nach einem Blitzeinschlag in eine Kiefer ausgebrochen war, hat sich vergrössert und ist mittlerweile eine Gefahr», erklärte Wjatscheslaw Kormilizyn, Chef des Katastrophenschutzes der Region Mordwinien mit. Die Rettungskräfte arbeiteten rund um die Uhr, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen.
Chemiewaffen-Lager im Wald: Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnte vor verheerenden Atomunfällen infolge der Waldbrände. Durch Flammen, Hitze und Rauch könnten Hochspannungsleitungen zerstört werden oder Notstromgeneratoren ausfallen. Dadurch würden die Reaktoren der Atomanlagen nicht mehr wie notwendig gekühlt. Dagegen erklärte die Umweltorganisation Green Cross Schweiz, bis jetzt seien die AKW und Wiederaufbereitungsanlagen in Russland durch die Brände nicht in Gefahr. Ein Gefahrenpunkt seien jedoch die Lager mit Chemiewaffen, die das Militär im dichten Wald gebaut habe. Diese Lager hätten im Gegensatz zu AKW keinen Schutzmantel. Gemäss der Nichtregierungsorganisation blieben die Lager bislang aber von Bränden verschont.
Green Cross schickt Team: Sehr gefährlich sei dagegen die Lage in den Gebieten, die nach der Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl (1986) radioaktiv verseucht wurden. Durch die Verbrennung verseuchter Wälder könne sich die Radioaktivität mit Hilfe von Wind und Asche über grosse Gebiete verbreiten.
Etwas Aufatmen konnten die Menschen in Moskau: In der Nacht auf den 13. August 2010 gingen in der russischen Hauptstadt zum ersten Mal seit Wochen Regenfälle nieder und kühlten die Luft ein wenig ab. Die Behörden rechneten dennoch im Laufe des Tages mit Temperaturen um über 30 Grad. Die Hitze soll in den kommenden Tagen anhalten.
Der Regen erlöste die Hauptstädter auch vom dichten Smog und Rauch, der die Stadt tagelang eingehüllt hatte. Allerdings vermochte der Regen die Wald- und Torfbrände in der Umgebung Moskaus nicht zu löschen. Meteorologen befürchten, dass sobald der Wind wieder dreht, der giftige Qualm die Stadt erneut einhüllen wird.
Tausende Feuerwehrmänner und Rettungskräfte kämpften weiter gegen die Brandkatastrophe. Am Donnerstag wüteten noch immer Brände auf einer Fläche von rund 800 Quadratkilometer. Dies entspricht der Grösse des Kantons Neuenburg. Die nationale Waldschutzbehörde zählte 611 Feuer, über zehn Prozent mehr als am Vortag.
Das Zivilschutzministerium berichtete, dass sich die Brandfläche jedoch um mehr als 150 Quadratkilometer verringert habe.
