Deutschland: Einsatzleiter zieht vor Havarieübung Notbremse
Langenhessen (Deutschland): Echter Dauerregen macht simulierter Flugzeug-Bruchlandung Strich durch die Rechnung – DRK-Sanitäter nimmt Rücksicht auf Gesundheit der „Opfer“
Für André Kleber ist am frühen Samstagnachmittag, 25.9.2010, kurzzeitig die Welt zusammengebrochen. „Ein ganzes Jahr Vorbereitung war umsonst“, konnte der Rettungssanitäter von der DRK-Wasserwacht Langenhessen seine Tränen nicht zurückhalten, zumal er sich an diesem Tag zu seinem 28.Geburtstag ein besonderes Geschenk machen wollte.
Kleber war der Einsatzleiter für die geplante Katastrophenübung am hinteren Damm der Koberbachtalsperre. Für die war ein nicht alltägliches Szenario vorbereitet: Ein in Schwierigkeiten geratenes Flugzeug bekommt die Notlandung nicht hin, kracht auf eine befahrene Straße und erwischt dabei drei Fahrzeuge. Die verletzten Flugzeuginsassen liegen im Wald links und rechts des Dammes verstreut. „Wir hatten 25 Freiwillige, die als Opfer präpariert waren“, verriet Kleber, der die Übung zum Zeitpunkt der geplanten Alarmierung abbrach. Der seit Stunden anhaltende Dauerregen und eine aktuelle Unwetterwarnung machten dem Einsatzleiter einen Strich durch die Rechnung. „Die Rettungskräfte und die Freiwilligen wollten weiter machen, doch nach Rücksprache mit den Ärzten habe ich mich für den Abbruch entschieden“, sagte der inzwischen zur Ruhe gekommene Kleber, dem die Gesundheit der Akteure wichtiger war als die Durchführung der Katastrophenübung. Unter den freiwilligen Opfern waren schließlich auch Kinder, die womöglich schnell zu echten Patienten geworden wären.
„Die Entscheidung war richtig“, stärkte mit Andreas Zimmermann der Chef der Freiwilligen Feuerwehr Langenhessen Kleber den Rücken. Seine Leute waren praktisch die einzigen, die zum Einsatz gekommen waren. Ein für die Übung präpariertes Schrottauto stand in Flammen und musste gelöscht werden. Die anderen 80 Rettungskräfte von den Wasserwachten Langenhessen und Chemnitz, den DRK-Rettungsdiensten Crimmitschau, Werdau und Zwickau sowie den Feuerwehren Leubnitz und Zwickau-Auerbach räumten derweil ihre Bereitschaftsräume im Bereich des Autokinos. Sie waren am Vormittag im Strandbad der Talsperre an sieben Stationen theoretisch auf die Übung vorbereitet worden. „Die Arbeit an den einzelnen Stationen ist reibungslos abgelaufen“, konnte sich Kleber am Endes doch ein wenig über eine gelungene Ausbildungseinheit freuen. „Und am letzten Septemberwochenende 2012 wird es hier die nächste Katastrophenübung geben“, kündigte der Rettungssanitäter am Samstag schon einmal an.
