Deutschland: Feuer-Panik: Türkin springt in Tiefe -> 7 Verletzte bei Kellerbrand
Solingen (Deutschland): Sieben Verletzte bei einem Kellerbrand in Mehrfamilienhaus. 60-Jährige brach sich ein Bein.
„Das war dramatisch“, sagte Feuerwehrchef Frank-Michael Fischer in der Nacht zu Samstag, 2. Oktober 2010, kurz bevor das Brandhaus an der Weyerstraße von der Kriminalpolizei versiegelt wurde. Ein Feuer im Keller hatte eine 60-jährige Bewohnerin so in Panik versetzt, dass sie noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr aus einem Fenster im ersten Stock sprang und sich beim Aufprall ein Bein brach. Drei Personen rettete die Wehr über eine Drehleiter, drei flohen selbst ins Freie. Alle sechs kamen mit Verdacht auf Rauchvergiftung in Krankenhäuser.
Eine 32-jährige Bewohnerin hatte das Feuer am Freitag, 1.10.2010, um 22.39 Uhr gemeldet (ST berichtete). Im Keller brannte Gerümpel; Reifen sorgten für eine kräftige Rauchentwicklung, so dass Feuermelder im Haus reagierten. Die Flammen schlugen durch den Holzboden einer zurzeit leer stehenden Parterrewohnung.
„Das Feuer hat eine Gas- und eine Wasserleitung ausgelötet“, erläuterte Fischer noch am Brandort. Mitarbeiter der Stadtwerke schieberten die Leitung ab; die Polizei sperrte die Weyerstraße zwischen Korn- und Freiheitstraße bis gegen 3.30 Uhr.
Fassungslos verfolgten Angehörige der Bewohner die Löscharbeiten. „Ich wohne seit 30 Jahren hier. In den letzten zwei Jahren hat es viermal gebrannt“, sagte Hayri Ersoy. „Das ist nicht normal.“ Ersoys 60-jährige Frau, mit der er in einer Dachgeschosswohnung lebt, hatte Freitagnacht eine andere Mieterin auf der ersten Etage besucht.
„Sie wollte sich zunächst mit einem Bettlaken abseilen und ist dann aus Panik gesprungen“, erklärte Aysel Özdemir. Ihr und ihrer Schwester gehört das ausschließlich von Türken bewohnte Haus, das mindestens rund 100 Jahre alt sein soll.
Das erste Mal, so Özdemir, hat es im Januar 2008 auf dem Hof gebrannt. Drei Monate später gab es ein Feuer im Keller. Der letzte Brand liegt ein halbes Jahr zurück. Damals habe Bauschutt auf der Terrasse in Flammen gestanden, ein Fenster sei geplatzt, Jalousien wurden zerstört.
„Ich werde alles tun, dass die Schuldigen gefunden werden“, betonte Özdemirs Bruder Ferhat noch in der Nacht. „Da stimmt etwas nicht.“ Er wirft den Behörden vor, nach den ersten Bränden nicht intensiv genug recherchiert zu haben. „Wir werden immer vertröstet. Muss erst jemand sterben, damit man aufmerksam wird?“
Der Brand wurde von türkischen Medien aufmerksam verfolgt; am Samstag kamen auch Vertreter des türkischen Generalkonsulats zur Weyerstraße. „Ein politischer Hintergrund ist nach derzeitigem Ermittlungsstand überhaupt nicht erkennbar“, kommentierte am Wochenende Polizeisprecher Alexander Kresta. Die Ursache des Feuers sei unklar; Brandstiftung könne nicht ausgeschlossen werden. Die Ermittlungen werden heute fortgesetzt. Aysel Özdemir: „Ich überlege, ob ich selber einen Gutachter holen soll. Wir können uns das nicht mehr erklären.
