Deutschland: Feuerwehren des Ilmkreises setzen auf Absprachen bei Einsatzfahrt
Ilmkreis (Deutschland): Wenn bei einer Familienfeier der Piepser geht, kann das einem gestandenen Feuerwehrmann auch schon mal die eigene Geburtstagsparty sprengen. Doch weil die Helfer zwischen Arnstadt und Ilmenau alle ehrenamtlich tätig sind,…
… setzen die Feuerwehren auf ein eigenverantwortliches System, mit dem Einsätze stets abgesichert werden können – trotz Familienfeier.
Mit drei getrunkenen Bier steigt niemand mehr auf den Bock – dafür legt Großbreitenbachs oberster Brandschützer Uwe Fröhlich sprichwörtlich die Hand ins Feuer. Und auch wenn der Volksmund gern mal lästert über vermeintliche Freizeitgewohnheiten der Feuerwehr – dass jemand nach seinem regulären Feierabend zum Hopfen greift, ist legitim.
Nur bei Feuerwehrleuten wird das etwas komplizierter
Denn die Helfer im Ilmkreis sind allesamt ehrenamtlich tätig und Einsätze können auch schon mal in private Geburtstagspartys oder Familienfeiern platzen. Nur ein eigenverantwortliches System ermöglicht es, dass zu jedem Ernstfall auch die ausreichende Zahl an Freiwilligen zur Verfügung steht. Und so gibt es in der Großbreitenbacher Wache eine Tafel, auf der die Kameraden alles eintragen: Urlaube, Geburtstage – und eben auch Familienfeiern. Auf diese Weise kann Uwe Fröhlich immer auf eine ausreichende Anzahl der aktiven 42 Frauen und Männer setzen. Das ist im Fall von Großbreitenbach auch wichtig. Denn die Wache ist eine Stützpunktfeuerwehr – spezielle Geräte und Fahrzeuge müssen in jedem Fall besetzt werden. Und so kommt es schon mal vor, dass ein gemeinsamer Bowlingabend der Feuerwehrleute in zwei Schichten aufgeteilt wird: Die eine Woche fährt die eine Hälfte der Kameraden, in der darauf folgenden die andere. „Anders geht es gar nicht, wir können uns nicht komplett vom Dienst abmelden“, begründet Fröhlich.
Auch in Ilmenau geben die Mitglieder der Feuerwehr von sich aus bekannt, wann sie gerade nicht verfügbar sind, berichtet Stadtbrandmeister Eckhard Gille auf Anfrage unserer Zeitung. „Das klappt ohne Zwang immer“, schätzt er ein. Zu DDR-Zeiten habe es zwei Einsatzzüge gegeben, die sich Woche für Woche abwechselten, erinnert sich Gille. Heute beurteilen die Kameraden selbst, ab wann etwa der Besuch einer privaten Geburtstagsfeier einen persönlichen Einsatz nicht mehr zulässt. Bei 50 aktiven Mitgliedern findet sich auch in der Universitätsstadt immer die benötigte Besatzung in Notfällen zusammen.
Während der Piepser schon mal eine Party sprengen kann, gibt es aber auch ein paar Einsätze, die bei den Helfern begehrt sind: Zu ihnen gehört das Absichern von Großveranstaltungen, zum Beispiel in Ilmenaus Festhalle. Beim Jugendspektakel meldet sich gern die jüngere Generation der Aktiven zum Dienst, bei gediegeneren Programmpunkten sind es durchaus die älteren Liebhaber von Blasmusik. Doch können die ohnehin nur mit halbem Ohr zuhören, denn auch in diesem Fall ist „Dienst eben Dienst“, erklärt Eckhard Gille.
Ungleich schwerer haben es da die Wehren auf dem Lande. Die Verfügbarkeit von Einsatzkräften wird nicht nur arbeitsbedingt immer komplizierter, sondern erst recht dann, wenn die Männer und Frauen an den Wochenenden etwas Privates vorhaben. Bei 16 Mitgliedern der Einsatzabteilung braucht etwa die Feuerwehr in Friedersdorf eine Besatzung von fünf Leuten für ihr Kleinlöschfahrzeug, beschreibt Bernhard Kemter, der nach 33 Jahren als Wehrleiter sein Amt nun an Stephan Zimmer weitergibt. Die Absprachen klappen im Dorf – nur in Notfällen und bei überörtlichen Einsätzen werden die Wehren benachbarter Gemeinden hinzugezogen.
Vielmehr bereitet Bernhard Kemter ein anderes Problem zunehmend Kopfzerbrechen: der Nachwuchs. „Das wird immer problematischer“, schätzt der Mann ein – der inzwischen selbst 62 Jahre ist. Denn angesichts der wenigen jungen Leute im Dorf ist eine Geburtstagsfeier die kleinste Sorge.
