Schweiz: Das war ein Feuerball -> Gasflaschen beschädigen Einsatzfahrzeug
Frauenfeld (Schweiz): Der Thurgauer Feuerwehrinspektor Urs Brändle sah eine brennende Gasflasche auf sich zufliegen. Er konnte sich nur noch unters Feuerwehrauto werfen.
Kurz nach Mittag stand am 2. Februar 2011 eine dicke schwarze Rauchsäule über Frauenfeld. Stadtammann Carlo Parolari sieht sie von seinem Esszimmer aus. Am Tag, an dem seine Frau ihren Geburtstag feiert. Ihm ist sofort klar, dass es im Gewerbegebiet im Osten der Stadt brennt. Die Rauchschwaden erinnern ihn an die brennenden Autos beim Open Air vor dreieinhalb Jahren. Die Industriehalle gehört der Metall- und Stahlbaufirma Tuchschmid AG, ist aber fremd vermietet. Eine Malerei und eine Schlosserei sind untergebracht, die Kantonspolizei hat Autos eingestellt.
Die Halle ist groß, 30 auf 90 Meter. Hier trainieren auch die Frauenfelder Kunstturner. Als der Stadtammann eintrifft, steht die Halle im Vollbrand. Die Feuerwehr ist mit 120 Leuten vor Ort. «Alles läuft sehr professionell», sagt Parolari.
Arm verbrannt: Für die Feuerwehr ist es eine Herausforderung. Als sie kommt, befinden sich zum Glück keine Menschen mehr in der Halle. Die Angestellten hätten das Gebäude rennend verlassen, beschreibt ein Augenzeuge.
Ein Mitarbeiter verbrennt sich bei der Flucht vor dem Feuer den Arm. Die Feuerwehrleute können die Halle aber nur von außen löschen, da sie durch den Brand bereits stark einsturzgefährdet ist. Außerdem lagern Gasflaschen im Innern. «Wir wussten nicht, wie viele Flaschen es waren und wo sie waren», sagt Einsatzleiter Fabrizio Hugentobler.
Die Frauenfelder Feuerwehr ist nicht allein auf dem Platz, Kollegen aus Gachnang, Steckborn und Weinfelden sind gekommen, um zu helfen.
Gasflasche explodiert: Gegen 14.30 Uhr kommt es zur Explosion. Es habe einen riesigen Knall gegeben, sagt eine Frau. Dann bricht Panik auf dem Gelände vor der Halle aus. Zwei Gasflaschen fliegen durch die Luft. Eine zerreißt das Vordach eines Einsatzwagens, rast wie ein Feuerball weiter über den Platz, prallt gegen einen Lastwagen der Firma Rieser & Vetter und bleibt nach etwa 70 Metern liegen.
Das alles dauerte nur wenige Sekunden. Teile fliegen durch die Luft. Zwei Polizisten werden dabei verletzt, sagt Ernst Vogelsanger, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau. Dabei seien sie mindestens 100 Meter von der brennenden Halle weg gestanden. «Eigentlich in Sicherheit», sagt Vogelsanger. Einer der Polizisten erleidet mittelschwere Brandverletzungen, der andere wird mit Verdacht auf Brandverletzungen ins Spital gebracht. Er kann aber am gleichen Tag wieder nach Hause.
Urs Brändli, der Thurgauer Feuerwehrinspektor, sieht die Gasflasche auf sich zufliegen. «Das hat ausgesehen wie ein wirbelnder Feuerball», schildert er. Ihm ist sofort klar, dass er keine Chance hat, wenn ihn das Geschoss treffen sollte. Geistesgegenwärtig wirft er sich unter ein Feuerwehrauto. Die schwarze Kugel rast vorbei. Wie durch ein Glück ist nicht mehr passiert, das sagen mehrere, die zu dieser Zeit auf dem Platz waren.
Einer Sanitäterin reißt die Druckwelle die Brille vom Kopf. Sie kann es nicht fassen. «Wo ist meine Brille?» fragt sie ihre Kollegin, «sie war doch eben noch da».
Zwischen Sanitätern, Polizisten und Feuerwehrleuten steht Hansruedi Tödtli aus Frauenfeld. Er hat die Rauchsäule von der gegenüberliegenden Anhöhe aus gesehen. «Die Sia brennt», schoss es ihm sofort durch den Kopf. Tödtli, ehemals Kantonsrat der Grünen, sitzt im Verwaltungsrat der Thurgauer Gebäudeversicherung. Nur 500 Meter von der Fabrikhalle entfernt liegt der Waffenplatz. Oberst im Generalstab Thomas Wirz hat das Feuer ziemlich schnell entdeckt und ist sofort herbeigeeilt. Jetzt hilft er, die Lage auf dem Brandplatz übersichtlich zu halten. «Falls nötig hätten wir zehn bis zwanzig Leute einsetzen können», sagt Wirz.
Halle ist zerstört: Soweit kommt es nicht. Nach eineinhalb Stunden hat die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle. Was zum Ausbruch geführt hat, müssen jetzt die Brandermittler herausfinden. Die Halle scheint vollständig zerstört. Der Sachschaden dürfte beträchtlich sein, vermutet die Polizei. Mehr kann sie dazu noch nicht sagen.
Die Firma Tuchschmid AG war nicht direkt vom Feuer betroffen. Die Mitarbeiter mussten das Gebäude aber vorübergehend verlassen. Am späteren Nachmittag sei bereits wieder gearbeitet worden, sagte Markus Fässler, Leiter technische Büros.
