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Deutschland: Nachwuchsmangel bei den freiwilligen Feuerwehren in Nordhessen

Nordhessen (Deutschland): Die Feuerwehren in Nordhessen leiden weiter unter Nachwuchsmangel. Zwar hat sich der rasante Mitgliederschwund – seit 1980 wurden in sechs nordhessischen Landkreisen 59 Freiwillige Feuerwehren dicht gemacht – etwas verlangsamt, doch die eigentlichen Probleme stehen wegen des demografischen Wandels erst noch bevor.

Zudem interessieren sich ohnehin immer weniger junge Leute für die Feuerwehr, wie die Verbandsversammlung des Bezirksfeuerwehrverbandes Kurhessen-Waldeck am Samstag in Hofgeismar feststellte.

80 Prozent der Jugendfeuerwehrleute wechseln anschließend nicht in die Einsatzabteilungen, sagte Werner Bähr, Vorsitzender des Verbandes, dem Ende vergangenen Jahres 973 Freiwillige Feuerwehren mit 25728 Aktiven zwischen Bad Karlshafen und Gersfeld angehörten. Heute gehe es vielen jungen Menschen vor allem darum, das Leben zu genießen. Ehrenamtlicher Einsatz sei immer weniger gefragt, obwohl ohne diesen die öffentliche Sicherheit in Deutschland zusammenbrechen würde, wie Bähr vorrechnete. Falls die freiwilligen Feuerwehren durch Berufsfeuerwehren ersetzt werden müssten, würde schon eine einzige neunköpfige Fahrzeugbesatzung den Haushalt einer Stadt mit 2,5 Millionen Euro pro Jahr belasten.

Wichtigste Aufgabe sei es, die Freude am Ehrenamt aufrecht zu erhalten und auszubauen. Dazu gehörten nicht nur weiterhin Lob und Anerkennung für die Feuerwehrleute, sondern auch angemessene finanzielle Ausstattungen sowie Arbeits- und Ausbildungsbedingungen, sagte der Vorsitzende.

Überbürokratisierung
Erschwerend komme hinzu, dass die Überbürokratisierung der Feuerwehrarbeit es immer schwerer mache, Führungskräfte zu finden.
Während Einsatzübungen früher ganz einfach möglich waren, seien heute zwei bis drei Tage nötig, um alle Anträge für Wasserentnahmen, Bootsbenutzung und Funkfrequenzen bei den verschiedenen Behörden einzureichen, schilderte Bähr den Alltag. Wegen der zunehmenden Arbeitsbelastung hat nun der Bezirksverband sogar seinen Vorstand um einen zweiten stellvertretenden Vorsitzenden erweitert (siehe unten).

Ungelöste Probleme
Von einem Zwölf-Punkte-Katalog der deutschen Feuerwehren seien seit 1996 sechs Probleme immer noch nicht gelöst, bemängelte Bähr. Dazu gehören unter anderem eine rentenversicherungsrechtliche Absicherung, bevorzugte Einstellung von Feuerwehrleuten durch öffentliche Arbeitgeber, die problematische Zentralisierung von Ortsfeuerwehren und der enorme Verwaltungsaufwand.

Als Gastredner wiesen Kassels Landrat Uwe Schmidt und Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke auf die große Bedeutung der ehrenamtlichen Feuerwehren hin, die im Durchschnitt im Regierungsbezirk Kassel täglich 29 Einsätze fahren. Ein Patentrezept gegen den Personalmangel hatten sie auch nicht. Dr. Lübcke: „Die Feuerwehren müssen alle Strömungen aufnehmen und dürfen keine Altersgruppe auslassen“.

Der Bedzirksverband wies abschließend auf das Jubiläum der Landesfeuerwehrschule in Kassel am 17. September hin und bat, möglichst nicht per Pkw anzureisen, weil das ein großes Problem sein werde.

Neben dem einstimmig zum dritten Mal wiedergewählten Vorsitzenden Werner Bähr (Felsberg) wurden Nadia Reis (Bad Wildungen-Hundsdorf) und Andreas Heupel (Rotenburg/Fulda) zu neuen stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Sie sollen den Vorsitzenden entlasten und lösen den wegen Arbeitsüberlastung nicht mehr angetretenen Kreisbrandinspektor von Hersfeld/Rotenburg, Jürgen Weingarten, ab. Im Amt bestätigt wurden Geschäftsführer Heiko Hofmeister (Guxhagen) und als Beisitzer Bezirksstabführer Bernd Aschenbrenner (Fuldatal), Medienreferent Horst Klinge (Calden-Ehrsten) und Jugendvertreter Thomas Specht (Wildeck). Neue Beisitzer wurden Mario Missler (Herleshausen) und Norbert Schmitz (Vertreter der Berufsfeuerwehr Kassel).

HNA.de

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