Deutschland: Explosionen erschüttern Innenstadt
Bitterfeld (D): „Es war einfach furchtbar. Wir wussten gar nicht, was wir machen sollten“, sagt Susanne Albrecht, die gerade vom Einkaufen bei „Kaufland“ kam. Auch ihrem Mann steht die Angst noch ins Gesicht geschrieben. „Ich habe die Druckwellen genau gespürt.“
Die Bitterfelder Innenstadt wurde am Montag, den 27. Juni 2011 gegen 14 Uhr, von mehreren schweren Explosionen erschüttert. In einer Gasumfüllstation in der Wiesenstraße, gegenüber von „Kaufland“, war aus noch ungeklärter Ursache ein Feuer ausgebrochen. Durch die enorme Hitze explodierten mehrere Gasflaschen. Bei dem Unfall wurden zwei Menschen leicht verletzt: Ein Feuerwehrmann musste mit Kreislaufbeschwerden ins Krankenhaus eingeliefert werden, eine weitere Person erlitt leichte Brandverletzungen.
Schon bei der Anfahrt zum Unfallort habe man eine riesige schwarze Wolke gesehen, sagte ein Feuerwehrmann der Bitterfelder Wehr, die als erste an der Brandstelle eintraf. Schnell wurde den Kräften jedoch klar, dass es sich nicht nur um einen einfachen Barackenbrand handelte, wie es bei der Alarmierung hieß. Deshalb wurden auch die Wehren aus Wolfen, Greppin und Holzweißig zur Brandstelle gerufen, so dass am Ende 71 Kameradinnen und Kameraden vor Ort waren. Vorsorglich wurde von der Leitstelle des Landkreises Anhalt-Bitterfeld noch die
Sondereinsatzgruppe des Deutschen Roten Kreuzes (SEG) mit acht Wagen und 24 Kräften sowie Notärzte und Rettungswagen alarmiert, da nicht klar war, ob das Pro Civitate Pflegeheim an der Kreuzung Wiesenstraße / Bismarckstraße evakuiert werden muss.
Gegen 15.45 Uhr kam dann aber für Bewohner und Pflegekräfte die Entwarnung. „Wir sind ganz froh, dass wir den 44 alten Leuten diese Anstrengung ersparen konnten“, sagte die Chefin des Hauses, Anke Vesper. Vorbereitet habe man schon alles, aber nun könne man wieder zum Alltagsgeschehen übergehen.
Für die Kameraden der Feuerwehren war der Einsatz alles andere als ein leichter. Immer wieder erschütterten Explosionen von Gasflaschen das Geschehen, so dass die Feuerwehrmänner zum persönlichen Schutz aus der Gefahrenzone gehen mussten. Als problematisch stellte sich die Wasserversorgung an der Einsatzstelle dar. Da der Brandort von mehreren Seiten gelöscht wurde, reichte die Kapazität der vorhandenen Wasserleitung nicht aus. Aus diesem Grund wurden von der Einsatzleitung mehrere Tanklöschfahrzeuge zum Wassertransport eingesetzt, und auch das Wasserfahrzeug des Landkreises war eingebunden.
Hier müsse etwas getan werden, war sich auch Diane Gardyan, die Chefin des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz und Rettungswesen, sicher, die sich mit dem Chef des Ordnungsamtes der Stadt Bitterfeld-Wolfen am Einsatzort ein Bild über die Lage machte. Es könne nicht sein, dass gerade bei solch sensiblen Betrieben die Wasserversorgung bei einem Brand nicht ausreiche, zumal sich gleich in der Nähe noch ein großes Einkaufszentrum befindet, sagten auch die Feuerwehrleute. Gegen 15 Uhr hatten die Brandbekämpfer die Lage dann soweit unter Kontrolle, dass sie innen löschen konnten. Nach Aussagen der Polizei ist beim Brand ein geschätzter Schaden von etwa 100 000 Euro entstanden. Sobald die Brandstelle es zulasse, werden die Brandursachenermittler ihre Arbeit aufnehmen, so Polizeisprecherin Doreen Wendlandt.
Naumburger Tageblatt (mit Fotostrecke)
