Übungen

Sbg: 7 Wehren beüben länderübergreifend Bus-Auto-Unfall in Grödig

Grödig (Sbg): Samstag 22. Oktober 2011, 13:38 Uhr: Sirene, Ruftonempfänger und SMS alarmieren die Feuerwehr Grödig und den Löschzug Niederalm (FF-Anif) lt. Alarm- und Ausrückeordnung (AAO) zu einem Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person im Ortskern von Grödig.

Wenige Augenblicke später verlassen Voraus, Pumpe 2 und Tank Grödig das Feuerwehrhaus in Richtung Einsatzort. Am Unfallort angekommen, kann der Einsatzleiter Bm Karl Schnöll-Reichl folgende Lage erkennen:

Ein umgestürzter Linienbus mit vielen eingeklemmten verletzten Personen, ein auf der Seite liegender Pkw und ein weiterer brennender Pkw in einem Gebäude. Nach kurzer Erkundung und Einteilung der eigenen Kräfte löst der Einsatzleiter umgehend Alarmstufe 4 aus, da dieses Szenario mit den eigenen Kräften bei weitem nicht mehr zu bewältigen ist.

Verstärkung alarmiert
Um 13:44 Uhr werden somit durch die BAWZ Flachgau der Löschzug Fürstenbrunn (FF Grödig), die freiwilligen Feuerwehren aus Anif, Eugendorf (Kommando Flachgau) und Hallein (Sonderanforderung SRF-K) sowie die benachbarten bayrischen Kollegen der Feuerwehr Marktschellenberg nachalarmiert. Nach einem umfangreichen Lagebericht an die BAWZ werden so auch vom Roten Kreuz noch weitere Kräfte entsandt. Währenddessen sperrt die Polizei das Einsatzgebiet großräumig ab und richtet mithilfe einiger Lotsen der Feuerwehr eine Umleitung ein.

Umfassendes Einsatzszenario
Den nach und nach eintreffenden Einsatzkräften bildet sich ein Bild der Verwüstung. Neben den Trümmerteilen und einem brennenden Gebäude, liegen viele, teils schwerverletzte, eingeklemmte und bewusstlose Personen in einem Radius von 30 Metern verstreut um den Einsatzort. Unter dem Bus wird auch noch ein Fahrrad gesichtet. Eine Blutspur in diesem Bereich deutet auf eine weitere eingeklemmte, aber nicht sichtbare Person unter dem Bus hin. Das Rote Kreuz sondiert umgehend die Verletzten und baut sofort eine Verletztensammelstelle auf. Die Feuerwehr unterstützt diese Arbeit und richtet parallel dazu einen Hubschrauberlandeplatz auf einem nahegelegenen Feld ein.

Bildung von Einsatzabschnitten
Um diesen Einsatz schlagkräftig und effizient abarbeiten zu können, teilt der Einsatzleiter die Kräfte der Feuerwehr wie folgt ein:

Abschnitt 1 (Linienbus):
• Feuerwehr Grödig
– Voraus: Erkundung im Bus, Erstmaßnahmen am Bus, Zugangsöffnung,
– Pumpe 2 Grödig: Rettungsarbeiten am Bus mit VRF Grödig
– Tank: Brandschutz, Rettungsarbeiten am Bus mit SRFK Hallein
– Pumpe 1 Grödig: RK unterstützen, Zelt beim Verletztensammelplatz aufbauen, RK Fahrzeuge einweisen, Hubschrauberlandplatz einrichten
– Bus und Last: Lotsentransport, Verkehrsleitung
– KDO Flachgau (FF Eugendorf): Einsatzleitung aufbauen, Verbindung zum RK, den bayrischen Kräften und den Abschnitten herstellen

• Feuerwehr Marktschellenberg
– KDOW: Einsatzleitung mit KDO Flachgau aufbauen, Verbindung Österreich – Bayern
– HLF: Rettungsmaßnahmen am Bus unterstützen
– LF: Rettungsmaßnahmen am Bus unterstützen

• Feuerwehr Hallein
o SRF-K: Rettungsarbeiten am Bus mit Tank Grödig, mit Kran Patienten aus dem Bus mittels Korbtrage heben, hydr. Rettungsgerät bereitstellen

Abschnitt 2 (PKW auf der Seite):
• LZ Niederalm
– Tank Niederalm: Abschnittsleitung Abschnitt 2, Brandschutz, Fahrzeug stabilisieren, Rettungsarbeiten am Pkw
– Pumpe Niederalm: Tank Niederalm unterstützen

Abschnitt 3 (Gebäudebrand):
• LZ Fürstenbrunn
– Tank Fürstenbrunn: Abschnittsleitung Abschnitt 3, Personensuche und Innenangriff, Garagenbrand bekämpfen, Gebäude belüften
– Pumpe Fürstenbrunn: Wasserversorgung sicherstellen, Atemschutzsammelstelle aufbauen

• Feuerwehr Anif Anfahrt
– Tank Anif: Innenangriff, Personensuche
– Drehleiter Anif: Personenrettung aus dem 1. OG, Anleiterbereitschaft
– Pumpe Anif: Löschwasserversorgung, Reservetrupp, eventuell Personensuche, RK unterstützen

Hauptaugenmerk liegt auf den Verletzten
Das Hauptaugenmerk im Übungsverlauf gilt der hohen Anzahl an verletzten Personen. Das Spektrum der Verletzungen reicht von einfachen Abschürfungen, Verbrennungen, Rauchgasvergiftungen (Kohlenmonoxidintoxikationen), bis hin zu offenen Frakturen, Schädel-Hirn-Traumen und Fremdkörperverletzungen. Die Kräfte des Roten Kreuzes haben alle Hände voll zu tun, die durch die Feuerwehrkameraden geretteten Personen erstzuversorgen und zu stabilisieren.

Personenrettungen und -bergungen
Durch den Einsatz von insgesamt drei hydraulischen Rettungssätzen und 5 Atemschutztrupps, gelingt es den Einsatzkräften, die Verletzten rasch und möglichst schonend zu retten. Für mehrere Personen kommt jedoch im Übungsverlauf jede Hilfe zu spät und sie erliegen noch an der Unfallstelle ihren schweren Verletzungen. Die im Bus eingeklemmten Personen werden in Korbtragen gebettet und anschließend vom Kran des Schweren Rüstfahrzeuges der freiwilligen Feuerwehr Hallein durch eine künstlich geschaffene Öffnung aus dem seitlich zum Erliegen gekommenen Linienbus gehoben. Durch diesen Vorgang können die Verletzten rasch und besonders schonend aus dem Bus befreit werden.

Brandbekämpfung:
Parallel dazu sind Kameraden der freiwilligen Feuerwehr Anif und des Löschzugs Fürstenbrunn mit der Personenrettung und der Brandbekämpfung des angrenzenden Gebäudes beschäftigt. Ein Pkw ist im Zuge des Unfalls in die Garage dieses Gebäudes gerast und entzündet sich dort. Zwei in dem Gebäude vermisste Personen können über die Drehleiter gerettet werden. Durch einen massiven Innen- und Außenangriff kann anschließend der Brand rasch unter Kontrolle gebracht werden. Fahrer und Beifahrer des verunfallten Autos können die Einsatzkräfte trotz Crashrettung leider nur mehr tot bergen.

Plötzlicher Fahrzeugbrand
Während der Rettungsarbeiten am zweiten verunfallten Pkw entzündet sich plötzlich das Fahrzeug. Die Kameraden des Löschzugs Niederalm bekämpfen diesen Brand mittels einem HD- und einem Mittelschaumrohr. Nach der Brandbekämpfung und erfolgter Stabilisierung des auf der Seite liegenden
Pkw können die verletzen Fahrzeuginsassen rasch mittels hydraulischem Rettungsgerät aus dem Fahrzeug befreit und dem Roten Kreuz übergeben werden. Auch ein simulierter Kreislaufstillstand in diesem Übungsabschnitt konnte von den Feuerwehr- und Rettungskräften durch eine Reanimation erfolgreich abgearbeitet werden.

Geordneter Ablauf trotz dichtem Programm
Trotz des psychisch als auch physisch sehr anspruchsvollen Übungsszenarios lief diese Großübung geordnet und ruhig ab. Nach ca. eineinhalb Stunden wurden sämtliche Übungsziele erreicht und die Übungsnachbesprechung konnte am Parkplatz des Gemeindeamts Grödig abgehalten werden. Die Übungsbeobachter zeigten sich mit der Übungsvorbereitung, dem Übungsverlauf und der Zusammenarbeit in ihren Ausführungen sehr zufrieden. Während der Übungsnachbesprechung wurde der Linienbus von der Fa. Eberl professionell geborgen und abtransportiert.

Gesamtaufstellung der Einsatzfahrzeuge:

Tanklöschfahrzeuge – Hilfeleistungslöschfahrzeuge:
4 x TLF-A
1 x HLF 16/12 (DE)

Löschfahrzeuge:
1 x SLF-A
2 x LF-A
1 x LF 8 (DE)
2 x KLF-A

Rüstfahrzeuge:
1 x VRF
1 x SRF-K

Drehleiter
1 x DLK 18/9

Mannschaftstransportfahrzeuge:
2 x MTF

Versorgungsfahrzeuge:
1 x VF

Kommandofahrzeuge:
1 x KDOW (DE)
1 x Kommando Flachgau

Hydr. Rettungsgeräte
4 x (3 im Einsatz)

Atemschutz:
5 Atemschutztrupps

8 Fahrzeuge vom Roten Kreuz
2 Fahrzeuge von der Polizei
3 Fahrzeuge vom Bergeunternehmen Eberl

Mannschaft:
ca. 140 Personen von der Feuerwehr
ca. 30 Personen vom Roten Kreuz Salzburg Stadt
ca. 5 Personen von der Polizei
4 Personen von der Fa. Eberl Bergheim
Anwesend: Landesbranddirektor Stv. Hermann Kobler, Bürgmeister von Grödig Richard Hemetsberger, Bürgermeister von Marktschellenberg Franz Halmich, 1. Kommandant Marktschellenberg Manfred Dufter, OFK Anif Gerhard Schnöll, OFK Grödig Karl Wirnsberger, OFK Stv. Grödig Gerald Steiner

Verletzte Personen:
5 Übungspuppen
1 Reanimationspuppe vom RK
8 Verletzte Personen (Statisten)

Gesamtübungsleitung: Bm Karl Schnöll-Reichl jun.
KDO Flachgau/Melder: Lm Michal Schweighofer KDO / OLm Manfred Haas
Abschnitt 1 Bus: Bm Alexander Geiersberger
Lm Franz Knoll
Abschnitt 2 PKW: LZ Niederalm (Bm Peter Schleifer)
Abschnitt 3 Brand-Gebäude: LZ Fürstenbrunn (BI Hannes Plätzer)

Autor: Robert Sperl

Freiw. Feuerwehr Grödig
Video zur Übung

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