Tirol: Unwetter -> Zwei Frauen von Muren in ihren Häusern erdrückt
Tirol: Schwere Gewitter sind Samstagnachmittag und -abend, 4. August 2012, über ganz Tirol gezogen. Mehrere Straßen wurden vermurt und mussten gesperrt werden, in Südtirol wurde gleich zwei Frauen in ihren Häusern von Muren erdrückt.
Laut Peter Heidegger von der FF Sterzing (Südtirol) ist am Eingang des Pfitschertals eine Frau in ihrem Haus in Afens von einer Mure erdrückt worden. Eine zweite Frau, deren Hof völlig weggerissen worden sei, konnte ebenfalls nur mehr tot geborgen werden. Etwa 150 Menschen, die an einem Hochwasser führenden Bach wohnen, wurden in der Nacht vorsorglich in Sicherheit gebracht.
Rund 450 Feuerwehrmänner standen im Einsatz. Samstagabend wurden außerdem beide Einfahrten des Tunnels bei Afens im Pfitschertal verschüttet, Personen waren daraufhin im Tunnel eingeschlossen. Verletzt wurde dabei aber niemand.
Massiver Hagelschlag im Raum Zirl
Aus dem Tiroler Oberland kamen bereits Samstagnachmittag mehrere Meldungen über massiven Hagelschlag. Im Bereich Hatting, Polling, Flaurling und kurz danach in Zirl fielen teils tennisballgroße Hagelschlossen vom Himmel. Der Schaden in Gärten und Wohnanlagen ist groß.
Auch mehrere Wasserschäden wurden aus dem Oberland gemeldet. Die Österreichische Hagelversicherung schätzte das Schadensausmaß am Sonntag vorerst auf etwa 500.000 Euro. Besonders betroffen waren neben Grünland vor allem Glas- und Folienhäuser sowie Obstkulturen.
Die Zirler Feuerwehrleute hatten es zu ihrem ersten Unwettereinsatz nicht weit: Die Dachkonstruktion der Zirler Feuerwehrhalle wurde vom Hagel schwer beschädigt.
Mure auf Straße und Bahnlinie
Die Seefelder Straße musste nach einem Erdrutsch zwischen Scharnitz und Gießenbach gesperrt werden und konnte erst in der Nacht auf Sonntag wieder freigegeben werden. Auch die Bahnstrecke wurde auf einer Länge von 30 Metern von einer Mure verschüttet. Hier gibt es laut ÖBB noch bis Sonntagabend einen Schienenersatzverkehr.
40 Personen von Muren eingeschlossen
Im Außerfern ging zwischen Namlos und Kelmen eine große Mure ab, die Namloser Landesstraße blieb daraufhin bis Sonntagvormittag gesperrt. Alarm gab es kurz danach nach mehreren Murenabgängen am Plansee – ca. 40 Personen wurden auf der Planseestraße von zwei Muren eingeschlossen. Mit Booten der Feuerwehr und der Wasserrettung konnte ein Großteil der eingeschlossenen Personen gerettet werden, weitere Eingeschlossene konnten den Gefahrenbereich dann über die geräumte Landesstraße verlassen. Verletzt wurde niemand. Bei Heiterwang wurde die Umfahrung überflutet und musste kurzzeitig gesperrt werden. Außerdem riss eine Mure den Pkw eines Wanderers mit in den Heiterwangsee. Da sich niemand im Auto befand, gab es hierbei keine Verletzten.
Einige Bergbahnen stellten am späteren Nachmittag kurzfristig ihren Betrieb ein – unter anderem die Muttereralm-Bahn. Dort mussten zahlreiche Wanderer und Urlaubsgäste auf dem Berg ausharren, um ins Tal zu gelangen.
Muren auch im Unterland und in Osttirol
Die Niederschläge führten auch im Unterland zu Erdrutschen und vermurten Straßen. Auf der Pass-Thurn-Straße bei Kitzbühel lief im Bereich „Schwarze Brücke“ ein Bach über, die Straße musste kurzzeitig gesperrt werden. Auch auf die Kössener Straße in Kirchdorf ging ein Erdrutsch nieder, die Loferer Straße zwischen Erpfendorf und Waidring musste gesperrt werden.
Vermurung und Stromausfall im Virgental
In Osttirol musste die Virgentalstraße bei Virgen aufgrund mehrerer Muren gesperrt werden, vor dem Feuerwehrhaus in Virgen wälzte sich eine riesige Mure. Insgesamt wurden durch Muren 10 Häuser stark beschädigt. Das hintere Virgental war außerdem durch die Unwetter auch ohne Strom, die TIWAG rechnet damit, dass die ca. 1.000 betroffenen Haushalte am Sonntagnachmittag wieder mit Strom versorgt werden können.
250 Unwettereinsätze
Bei den Unwettern in ganz Tirol waren laut Leitstelle ca. 100 Feuerwehren im Einsatz, insgesamt mussten die rund 1.000 Feuerwehrleute zu 250 Einsätzen ausrücken. Schwere Gewitter sind Samstagabend auch über Salzburg gezogen – besonders stark betroffen war das Flachgau.
Unwetter und Starkregen haben auch die Einsatzkräfte in Oberösterreich gefordert – mehr dazu in Zahlreiche Einsätze durch Unwetter. Bereits am Donnerstag sorgten in Tirol heftige Gewitter für Überflutungen und auch Brände – mehr dazu in Überflutungen durch schwere Gewitter.
