Nö: Interessenvertretung Gastronomie nimmt Feste von Feuerwehren ins Visier
Bezirk Melk (Nö): Mit anonymen Mails an zwei Gemeinden hat die Interessensvertretung Gastronomie Niederösterreich auf sich aufmerksam gemacht.
In St. Leonhard gingen die anonymen Schreiber mit der Landjugend-Veranstaltung „Dschungel Party“ hart ins Gericht. In Hürm kritisierten die Verfasser die Fire-Fete der Feuerwehr. Sie vermuten Gewerbsmäßigkeit bei den Veranstaltungen. „Die Fire-Fete war auf Facebook gepostet und nicht klar als Teil des dreitägigen Festes der Feuerwehr Hürm erkennbar angekündigt“, weiß Bürgermeister Johannes Zuser, „zudem war der laut Veranstaltungsgesetz vorgeschriebene Verwendungszweck für die Einnahmen nicht angeführt.“ Als Veranstaltungsbehörde sei daher die Gemeinde kritisiert worden. Das Schreiben nehmen Zuser und FF-Kommandant Roman Thennemayer durchaus ernst. Nicht zuletzt wegen der darin angeführten Gesetzestexte. Die fehlenden Angaben wurden sofort ergänzt.
In weiterer Folge hat Bürgermeister Zuser mit sämtlichen Hürmer Vereinen die Auflagen für Veranstaltungen geklärt. Verständnis zeigt er sowohl für die Anliegen der Vereine als auch für die Interessen der Wirte: „Wir sind froh, Freiwillige zu haben. Sie entlasten die Gemeinden. Das darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Aber es gibt Grenzen. Auch die Wirte dürfen in ihrer Existenz nicht gefährdet werden.“
Zu diesen Grenzen steht auch Thennemayer als FF-Kommandant des Abschnitts Mank: „Catering-Angebote von Feuerwehren oder Sparvereinsauszahlungen im Feuerwehrhaus gehen eindeutig zu weit. Ich sehe auch nicht ein, dass ein Feuerwehrhaus für Geburtstagsfeiern missbraucht wird.“ Der unter anderem auf Gasthauseinrichtungen spezialisierte Unternehmer aus Hürm setzt auf die gute Zusammenarbeit mit der Gastronomie und bindet diese auch bei den Veranstaltungen ein. „Die Wirte helfen selbst bei unserem Fest mit. Das zeigt, dass diese Zusammenarbeit funktioniert“, ist Thennemayer überzeugt.
Auch die Landjugend ist laut Bezirksleiterin Birgit Zeilinger um die Einhaltung aller Vorschriften bemüht: „Wir haben regelmäßig Schulungen zu den Themen Veranstaltungsrecht und Lebensmittelhygiene.“ Zeilinger befürwortet strenge Kontrollen, fürchtet aber um die Zukunft des Vereinslebens: „Irgendwann wird durch zu strenge Kontrollen das Vereinsleben zerstört. Niemand will dann mehr die Verantwortung für Feste auf sich nehmen. Schließlich muss der Veranstalter die Haftung übernehmen.“
Sobald Geld fließt, muss angemeldet werden
Professionelle und bezahlte Helfer bei Festen müssen bei der Gebietskrankenkasse vor Arbeitsantritt gemeldet werden. Carl Bruckner, stellvertretender Leiter der Versicherungsabteilung bei der NÖ-Gebietskrankenkasse, nennt die Grundregel: „Sobald Geld fließt, muss angemeldet werden.“ Bei Feuerwehrfesten ist eine Razzia der Finanzpolizei kaum zu erwarten. Sehr wohl müssen Helfer bei Kellergassenfesten oder Heurigenbetrieben ihren Status glaubhaft machen. „Nicht einmal die eigene Schwester wird tagelang ohne Gegenleistung im Betrieb ihres Bruders arbeiten“, gibt Bruckner zu bedenken.
NOe Nachrichten, 21.5.2013
