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Nö: Nachtdienst für die Feuerwehr?

Klosterneuburg (Nö): 22. Jänner 2014 – „Papii, sind kurze Feuerwehrausrückzeiten gut für uns?“ Mit dieser Suggestivfrage warb die Klosterneuburger Volkspartei im Rahmen der Volksbefragung um Stimmen für den neuen Feuerwehrstandort in Weidling.

Aber wie schnell ist die Freiwillige Feuerwehr wirklich? Schnell genug? Oder könnte eine andere Strukturierung den Klosterneuburger Feuerwehren eine Effizienzsteigerung bringen, sie noch schneller machen?

„Ich beziehe mich auf einen Fall, der vor nicht langer Zeit in meiner unmittelbarer Nähe passiert ist, nämlich in der Ziegelofengasse“, erklärt Gemeinderat Peter Hofbauer den Grund, warum er diese Fragen zur Diskussion stellt. Die Feuerwehr wurde damals zu einem Küchenbrand gerufen. Es soll 20 Minuten gedauert haben, bis sie am Brandort eintraf. Die Wohnungseigentümer hatten in der Zwischenzeit den Brand selbst gelöscht. „Das ist gut ausgegangen, aber in anderen Fällen könnten Minuten über Leben und Tod entscheiden“, so Hofbauer, der vor jeder Diskussion eines klarstellen will: „Niemand – auch ich nicht – bestreitet die Wichtigkeit und Bedeutung der Freiwilligen Feuerwehren in und für die Gemeinden.“

Der Ruf nach kurzen Ausrückzeiten, den die Plakataktion so vehement verlangt, kann gerade in Weidling nicht gar so ernst gemeint sein. Natürlich verkürzt eine an der Hauptstraße stationierte Feuerwehr gegenüber dem derzeitigen Standort die Ausrückzeit. Aber wohl nur um Sekunden. Das wirkliche Problem – wenn es eines gibt – ist bei der Freiwilligen Feuerwehr anders gelagert.

Der Ruf nach kurzen Ausrückzeiten, den die Plakataktion so vehement verlangt, kann gerade in Weidling nicht gar so ernst gemeint sein. Natürlich verkürzt eine an der Hauptstraße stationierte Feuerwehr gegenüber dem derzeitigen Standort die Ausrückzeit. Aber wohl nur um Sekunden. Das wirkliche Problem – wenn es eines gibt – ist bei der Freiwilligen Feuerwehr anders gelagert.

Gemeinderat Peter Hofbauer könnte sich allerdings ein System vorstellen, das zumindest eine Verbesserung mit sich bringt. Hofbauer zieht Wr. Neustadt als Beispiel heran. Dort wurde schon 2008 die Nachtbereitschaft eingeführt: Vier Feuerwehrmitglieder schlafen im Feuerwehrhaus und sind daher genauso schnell beim Ausrücken wie die Berufsfeuerwehr. Für die nachrückenden Feuerwehrleute sind sie eine große Hilfe bei der Einschätzung der Lage. Hofbauer: „Diese Lösung könnte im Ernstfall Leben retten.“

Auch eine Erweiterung des Bereitschaftsdienstes auf das Wochenende kann sich Hofbauer vorstellen und natürlich eine finanzielle Entschädigung für den in Bereitschaft befindlichen Freiwilligen.

Auch Einsparungen sind für Hofbauer möglich: „Bei einem guten Stützpunktkonzept und gleichmäßiger Aufteilung der Ausrüstung kann man sicher Geld sparen. Freiwillige Feuerwehren sind einerseits ein Zeichen gelebter Solidarität in der Gemeinde, andererseits sorgen sie für ein lebendiges Vereinsleben, und zu guter Letzt setzen die Mitglieder das eine oder andere Mal sogar ihr Leben aufs Spiel. Und doch muss sich eine Gemeinde die Frage stellen, wie weit die ’Ausrüstungs-Aufrüstung‘ gehen darf.“

Der Gemeinderat richtet nun sein Anliegen an alle Mandatare mit der Zielsetzung „der Evaluierung der Ausrüstung im Hinblick auf die tatsächlichen Einsätze, Evaluierung der Arbeitsbedingungen der Damen und Herren der Freiwilligen Feuerwehr und der Kosteneinsparung.“

Die NÖN sprach über die Vorschläge mit Franz Resperger, Sprecher des Niederösterreichischen Landesfeuerwehrkommandos: „In meinen 13 Jahren als Kommandant in Kritzendorf hat die Feuerwehr nie länger als fünf Minuten zum Einsatzort benötigt.“ Wenn es eine Problematik gäbe, dann nur untertags. Aber dann rückten automatisch mehrere Feuerwehren aus. In der Nacht und zum Wochenende seien die Freiwilligen genauso schnell wie die Berufsfeuerwehr.

Dass eine Grundmannschaft Bereitschaft hält, kann sich Resperger vorstellen, aber das sei eine politische Entscheidung, die die Feuerwehr nicht treffen könne. „Aber wir sind die Letzten, die sich dagegen wehren würden“, so Resperger, der bei einer Einsparung von Ortsfeuerwehren vor allem aber ein Problem im Katastrophenfall sieht: „Beim Jahrhundert-Hochwasser 2013 waren 26.000 Feuerwehrleute für die Bevölkerung da. Wo sollten wir die dann hernehmen?“

Auch die Ausrüstungsfrage lässt Resperger so nicht im Raum stehen. Es gäbe derzeit schon ein zentrales System für Großgeräte wie Drehleitern oder Kräne. Das sei alles im überörtlichen Stationierungsplan geregelt. „Wer welches Einsatzfahrzeug bekommt, steht in der Feuerwehrausrüstungsverordnung. Der Willkür ist da längst der Riegel vorgeschoben“, so Resperger.

Franz Resperger ist ein glühender Verfechter des bestehenden Systems: „Wir kämpfen um jede Feuerwehr, auch wegen der enormen sozialen und gesellschaftspolitischen Bedeutung. Bei uns treffen Kernphysiker und Arbeiter zusammen , um eine gemeinsame Idee zu verfolgen, nämlich Leben zu retten.“ Und grundsätzlich: „Ich halte es für bedrohlich, ein derart bewährtes System aufs Spiel zu setzen. Wir werden um unser Freiwilligensystem auf der ganzen Welt beneidet. Eine solchermaßen hervorragend funktionierende Organisation zu gefährden ist äußerst kontraproduktiv.“

http://www.noen.at/lokales/noe-uebersicht/klosterneuburg/aktuell/Nachtdienst-fuer-die-Feuerwehr;art2657,505815

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