Nö: Außergewöhnlicher Einsatz: Eine fast tödliche Mischung! Was es nicht alles gibt…

NEULENGBACH-STADT (NÖ): Einen nicht alltäglichen Einsatz hatte die FF Neulengbach-Stadt zu bewältigen. Die Feuerwehr Neulengbach Stadt wurde angefordert, da in einem Haus ein seltsamer Geruch wahrgenommen worden war. Die Bewohner vermuteten einen Gasaustritt, obwohl sich im Haus selbst keine Gasanlage befindet.

Aber man hat ja schließlich auch schon von Sickergas gehört. Jedenfalls hatte eine Bewohnerin einen seltsamen Geruch in der Küche wahrgenommen und es war ihr schwindlig geworden. Die Bewohner des Einfamilienhauses verständigten die EVN, die kurz darauf eintraf und Messungen vornahm. Sehr zum Erstaunen der EVN-Mitarbeiter zeigte zwar das Erdgasmessgerät nichts an, dafür schlug der mitgeführte CO-Warner Alarm. CO, also Kohlenmonoxid, ist ein sehr giftiges, farb- und geruchloses Gas, das bei unvollständiger Verbrennung entsteht, etwa bei schadhaften Heizgeräten. In der Küche befand sich aber kein Heizgerät, die einzige Heizung im Haus war der Festbrennstoffkessel im Keller, der aber dort ordnungsgemäß an den Kamin angeschlossen war. In der Küche gab es – ebenfalls ganz vorschriftsmäßig – keinen Zugang zu diesem Kamin. Ein Schaden am Kamin, etwa ein Riss, war nicht erkennbar, außerdem hatte der Rauchfangkehrer erst in der vergangenen Woche seines Amtes gewaltet und den Kamin gekehrt und inspiziert.

 
Nachdem ein Defekt am Messgerät nicht hundertprozentig auszuschließen war, verständigte die EVN über die örtliche Feuerwehr die FF Neulengbach-Stadt, die über ein modernes Messgerät verfügt, mit dem auch Kohlenmonoxid gemessen werden kann. Am Einsatzort eingetroffen wurde dieses Gerät auch sofort in Betrieb genommen und in der Küche an zwei Stellen eine, wenn auch sehr geringe, CO-Konzentration gemessen. Es war also wirklich dieses Gas vorhanden – nur wo kam es her?

Die Feuerwehrmitglieder nahmen nun umfangreiche Messungen an verschiedenen Stellen des Hauses vor, die alle ein negatives Ergebnis lieferten. Nach etwa einer halben Stunde, als man die Suche schon beinahe ergebnislos abbrechen wollte, fiel einem der Feuerwehrmitglieder eine Steckdose neben der Küchentür auf, die sonderbare graue Spuren aufwies, fast so, als hätte es dort herausgeraucht. Das Messgerät wurde vor die Steckdose gehalten und sofort ging der Alarm los. In der Stromleitung wurde ein CO-Wert gemessen, der ausgereicht hätte, in zwei bis drei Stunden einen Menschen zu töten. Sofort wurden auch bei anderen Steckdosen und in einigen Verteilerdosen Messungen durchgeführt, von denen einige nichts, die anderen ähnlich hohe CO-Werte erbrachten wie in der Steckdose in der Küche. Die Deckel der E-Verteilerdosen rochen zudem deutlich nach Holzrauch…
 

Des Rätsels Lösung
Offensichtlich hatte irgendwann jemand eine Stromleitung in das Rauchfangmauerwerk gelegt und der zugehörige Plastikschlauch war im Laufe der Zeit geschmolzen oder zumindestens hart und unelastisch geworden. Vermutlich durch das Kehren des Kamins in der Vorwoche wurde der Schlauch zerstört und die Rauchgase aus dem Zentralheizungskessel konnten sich über die Elektroleitungen im Haus verteilen. Als der Kessel nach dem Einheizen abgesperrt wurde, entstand natürlich infolge der unvollständigen Verbrennung jede Menge Kohlenmonoxid. Der Geruch, den die Bewohnerin glücklicherweise wahrgenommen hatte, war jener des Rauches. Nachdem ihr schwindlig wurde, deutet dies auf eine bereits relativ hohe CO-Konzentration in der Küche hin. Beim Öffnen der Tür und dem Hin- und Hergehen verteile und verdünnte sich das Gas, sodass schließlich kaum mehr etwas messbar war. Im Laufe der Nacht, wenn die Bewohner schliefen, hätte sich wegen der dann fehlenden Luftbewegungen leicht in irgendeinem Schlafbereich eine tödliche CO-Konzentration bilden können.

Die Benützung des Hauses wurde bis zur Sanierung des Mangels untersagt. Nachdem die Bewohner eine Möglichkeit hatten, die Nacht bei Verwandten zu verbringen, stellte das kein großes Problem dar. Es wurden über Nacht einige Fenster geöffnet und die Heizungsanlage ausbrennen gelassen. Der Versuch, das Feuer im Kessel zu löschen, hätte diesen vermutlich beschädigt, wenn nicht sogar zerstört. Am nächsten Vormittag führte die FF Neulengbach-Stadt nochmals eine Kontrollmessung durch, die aber kein Kohlenmonoxid mehr anzeigte. Das Feuer im Heizkessel war zu diesem Zeitpunkt bereits erloschen.

Freiw. Feuerwehr der Stadt Neulengbach

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