Mehrzweckfahrzeug mit Kettenantrieb für die Piste und den Tiefschnee

Fahrzeuge stoßen bei den Feuerwehrleuten immer wieder auf hohes Interesse. Ein Mehrzweckfahrzeug ist dabei im Regelfall vielleicht nicht unbedingt der große Hingucker. Eine Ausnahme der besonderen Sorte lief nun beim Feldkirchner Hersteller Nusser vom Band: Ein Ford Ranger, der im Bedarfsfall per Kettenantrieb über die Piste donnert und so auch Objekte erreicht, die bislang im Winter nicht angefahren werden konnten.

Fireworld.at erhielt von Print-Partner BRENNPUNKT die Story, die dort im Februar 2019 zu finden war.

15 Kräfte stark ist die „Löschgruppe Turracher Höhe“ der Feuerwehr Ebene Reichenau in Kärnten, einer bekannten Wintersportregion. Es handelt sich hierbei im Hoteliers, deren Angestellte oder auch Mitarbeiter der Liftanlagen. Ihnen stand in der Vergangenheit ein inzwischen 25 Jahre altes Kleinlöschfahrzeug mit Allradantrieb zur Verfügung. Das Problem jedoch war, dass einige Objekte auf der Turrach in den Wintermonaten mit einem regulären Fahrzeug nicht zu erreichen waren. Dabei handelt es sich auch um Betriebe, Ferien- und Gästehäuser sowie diverse Hütten. So war man bemüht, im Zuge der altersbedingten Ersatzbeschaffung des KLF eine Lösung zu finden bzw. dieses Manko auszumerzen.

Wechselbaren Antriebssystem

Mit der Firma Nusser Fahrzeugtechnik aus Feldkirchen fand man den optimalen Ansprechpartner. Recht rasch war klar, dass der Knackpunkt in Hinblick auf die Erreichbarkeit im Winter und die herkömmliche Fortbewegung während der schneefreien Zeit nur im Antriebssystem liegen kann. Es musste ein Weg gefunden werden, diesen nach Möglichkeit wechseln und dem jeweiligen Bedarf anpassen zu können.

Schwierige Geländegegebenheiten werden auch mit anderen Fahrzeugen (Bagger, Panzer und Co.) per Kettenantrieb überwunden. Das gewünschte Fahrzeug soll jedoch sowohl als auch einsetzbar sein. So blieb nur die Variante eines wechselbaren Antriebssystems zwischen herkömmlichen Reifen und Kettensystem. Mit diesem ist jetzt auch ein Befahren von Skipisten oder Tiefschneezonen möglich. Der Einsatzbereich hat sich auf diese Weise sogar vergrößert.

Ford Ranger Wildtrak höher gelegt

Die Wahl des Fahrgestells fiel auf einen Ford Ranger Wildtrak 4×4 mit einer Leistung von 147 kW (200 PS) samt Sechs-Gang-Automatikgetriebe. «Die Karosserie haben wir dabei um 100 mm höher gelegt und die Hinterachse mit einer zusätzlichen Luftfederung ausgestattet», erklärt Alexander Nusser. «Im Sommer fährt er mit normaler Bereifung und weist dabei ein zulässiges Gesamtgewicht von 3.500 kg auf. Die Höchstgeschwindigkeit liegt hier bei satten 175 km/h.

Mit dem Kettenantrieb erhöht sich das zulässige Gesamtgewicht dann auf 4.058 kg. Die technische, zulässige Höchstgeschwindigkeit würde bei 80 km/h liegen, wurde jedoch von der Behörde mit 40 km/h festgelegt. Der Umbau zwischen Reifen und Raupen nimmt übrigens etwa zwei Stunden in Anspruch und kann von der Feuerwehr selbst durchgeführt werden.


Von allem etwas

Zu den Hauptaufgaben des neuen Einsatzfahrzeuges zählt allen voran das Löschen von Bränden im Winter sowie im Sommer. Selbstverständlich wird es universell eingesetzt werden und auch technische Einsätze unterstützen. «Es ist eine Kleinlöschanlage (Tragkraftspritze mit 50 Liter Tank) eingebaut, die auch an Schneekanonen angeschlossen werden kann.

Hier hilft eine Druckreduzierstation. Zudem ist eine Schleifkorbtrage für den Verletztentransport und Lawinenequipment im Fahrzeug. Das Mehrzweckfahrzeug hat eigentlich von allem etwas“, so Firmenchef Balthasar Nusser. Auch nicht fehlen darf eine Seilwinde vorne, die unter anderem auch der Selbstbergung dienlich sein kann. Die Umfeldbeleuchtung erhellt die Umgebung in rund 40 Metern Umkreis.

Kostenteilung

Die Anschaffungskosten für das „Pistenfahrzeug“ betragen 143.000 Euro. Die Mittel werden vom Kärntner und dem Steirischen Landes-Feuerwehrverband, den Gemeinden Stadl/Predlitz und Reichenau, der FF Reichenau sowie den Wirtschaftsbetrieben vor Ort aufgebracht.

Laut Bericht der „Kleinen Zeitung“ steuerte auch ein Wirt aus Ebene Reichenau einen Teil über eine Tombola beim Weihnachtsmarkt bei.
Anfang Dezember 2018 wurde das „Pistenfahrzeug“ schließlich in den Dienst gestellt. Es handelt sich hierbei um das erste dieser Art in Kärnten und um den ersten Ford Ranger dieser Sorte österreichweit. «Wir sind positiv überrascht und hätten nicht gedacht, dass das Fahrzeug so steile Wege bewältigen kann», zeigte sich Balthasar Nusser schon nach den ersten Testfahrten während der Aufbauphase begeistert.»

«Das Fahren mit Kettenantrieb ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig und die Bediener der Löschgruppe müssen erst lernen, damit richtig umzugehen» heißt es aus dem Kreis der Feuerwehr. Aber man ist froh, das Problem der nicht zu erreichenden Objekte nun in einer außergewöhnlichen Art und Weise gelöst zu haben.


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