D: Mann rast mit Auto in Trier in Fußgängerzone → fünf Tote (darunter ein neunwöchiges Baby) → 750 Kräfte im Einsatz

TIER (DEUTSCHLAND): Am Dienstagnachmittag, 1. Dezember 2020, ist ein 51-jähriger Mann mit seinem Geländewagen in die Trierer Fußgängerzone gerast. Fünf Menschen wurden dabei getötet, das jüngste Opfer ist nur 9 Wochen alt.

Polizeibericht per 23.50 Uhr

Am Dienstagnachmittag, 1. Dezember 2020, ging der erste Anruf um 13.47 Uhr bei der Polizei ein. Gemeldet wurde ein Autofahrer, der mit seinem Pkw durch die Trierer Fußgängerzone rast und Menschen anfährt. Als der Fahrer des SUV um 13.51 Uhr von der Polizei festgenommen werden konnte, hatte er vier Menschen getötet, weitere 15 zum Teil lebensgefährlich verletzt und eine Vielzahl traumatisiert. Im Laufe des Abends ist ein weiteres Opfer seinen schweren Verletzungen erlegen. Bei dem Fahrer handelt es sich um einen 51 Jahre alten, in Trier geborenen und im Landkreis Trier-Saarburg beheimateten deutschen Staatsangehörigen.

Fahrtstrecke von 800 m

Auf seiner Fahrt durch einen Teil der Trierer Fußgängerzone, beginnend an der Constantin-Basilika über die Brotstraße, den Hauptmarkt, die Simeonstraße bis zur Porta Nigra hinterließ er auf einer Strecke von etwa 800 Metern Tote, Verletzte und ein Trümmerfeld. Nachdem er in die Christophstraße abgebogen und wenige 100 Meter weitergefahren war, stoppte er sein Fahrzeug kurz und konnte hier von unmittelbar eintreffenden Polizeikräften unter heftiger Gegenwehr festgenommen werden. Er wird zurzeit zu der Tat vernommen, die von der Staatsanwaltschaft Trier als mehrfacher Mord, Mordversuch und gefährliche Körperverletzung eingestuft wird. Alle getöteten Opfer waren Menschen aus Trier, die in der vorweihnachtlich geschmückten Trierer Fußgängerzone unterwegs waren.

Die Opfer

Getötet wurde ein 45 Jahre alter Mann und seine 9 ½ Wochen alte Tochter (hier hatten wir zunächst fälschlicherweise ein Alter von 9 Monaten angegeben). Die Ehefrau und Mutter des Mädchens sowie ein weiterer 1 ½-jährige Sohn der Familie wurden verletzt in ein Trierer Krankenhaus eingeliefert. Die weiteren Toten sind Frauen im Alter von 25, 52 und 73 Jahren.

750 Kräfte im Einsatz

Mehr als 750 Einsatzkräfte von Polizei sowie Hilfs- und Rettungsdiensten aus der gesamten Region Trier konnten den Tatort sehr schnell sichern und absperren und sich um die Opfer kümmern. Vorbildlich war das Verhalten vieler Passanten, die sich der Verletzten bis zum Eintreffen der Rettungsdienste bereits angenommen hatten und Erste Hilfe leisteten.

Motiv unklar

Das Motiv des 51-jährigen Tatverdächtigen ist bisher noch nicht geklärt. Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen hat die Polizei jedoch keinerlei Hinweise auf politische oder religiöse Motive. Auch gab es keinen weiteren Tatort oder Hinweise auf Mittäter oder Komplizen. Die Ermittlungen an dem sich über mehrere 100-Meter erstreckenden Tatort sind vorerst abgeschlossen, die Fußgängerzone ist geräumt und wieder frei gegeben. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat dauern derweil an und werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Informationen und Aufruf der Polizei

Bereits um 19 Uhr informierten die Verantwortlichen der Staatsanwaltschaft, der Polizei und der Stadt Trier gemeinsam mit dem rheinland-pfälzische Innenminister die Medien im Rahmen einer Pressekonferenz. Innenminister Roger Lewentz und die in Trier lebende Ministerpräsidentin Malu Dreyer hatten sich bereits am Nachmittag unmittelbar vor Ort einen Überblick über die Geschehnisse verschafft.

Die Polizei hatte die Bevölkerung schon sehr früh und in kurzen Frequenzen über ihren Twitterkanal @PolizeiTrier auf dem Laufenden gehalten. Ein eigens eingerichtetes Hinweistelefon ist zwischenzeitlich wieder abgeschaltet. Hinweise erbittet die Polizei Trier weiterhin unter der Telefonnummer 0651/9779-0
Menschen, die Fotos oder Videos von der Fahrt des Täters gemacht haben, werden gebeten, diese nicht über soziale Medien zu verbreiten, sondern sie über den Upload https://rlp.hinweisportal.de der Polizei zur Verfügung zu stellen.

Folgemeldung vom 2. Dezember 2020

Der Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Trier hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft Trier Haftbefehl gegen den 51 Jahre alten Beschuldigten wegen des dringenden Tatverdachts des Mordes in 5 Fällen sowie des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung in 18 weiteren Fällen erlassen.

Der Beschuldigte ist nach Auffassung der Staatsanwaltschaft dringend verdächtigt, am frühem Nachmittag des 1. Dezember 2020 mit einem Pkw der Marke Land Rover in der Absicht, so viele Menschen wie möglich zu töten oder zumindest zu verletzen, in der Fußgängerzone in Trier mit hoher Geschwindigkeit wahllos und gezielt auf Passanten zugefahren zu sein, die arglos in der Innenstadt unterwegs waren, und diese überfahren zu haben.

Die Opfer

Er tötete auf diese Weise fünf Menschen – drei Frauen im Alter von 25, 52 und 73 Jahren sowie einen 45 Jahre alten Mann und ein neuneinhalb Wochen altes Kind. 18 weitere Menschen wurden im Verlauf der Amokfahrt verletzt, sechs davon schwer. Die verstorbenen Opfer waren alle deutsche Staatsangehörige. Der 45-jährige getötete Vater und seine ebenfalls ums Leben gekommene neuneinhalb Wochen alte Tochter hatten zusätzlich die griechische Staatsangehörigkeit. Ebenfalls deutsch-griechische Staatsangehörige sind der eineinhalb Jahre alte Sohn des Getöteten und die Mutter des Kindes, die beide verletzt wurden. Ein weiterer Verletzter ist deutsch-niederländischer, einer luxemburgischer Staatsbürger. Alle übrigen Verletzten haben die deutsche Staatsbürgerschaft.

Motiv immer noch unklar

Nach wie vor ist das Motiv für die Tat noch nicht ergründet. In seinen Vernehmungen, die am gestrigen und heutigen Tag durch Beamte der Mordkommission des Polizeipräsidiums Trier durchgeführt wurden, machte der Beschuldigte wechselnde und in Teilen nicht nachvollziehbare Angaben, aus den sich bisher weder ein nach-vollziehbares Motiv für die Tat noch Einzelheiten zum Tathergang herleiten lassen.

Die Vernehmung des Beschuldigten wird in den nächsten Tagen fortgesetzt. Einzelheiten zu den bisherigen Vernehmungsinhalten können daher noch nicht mitgeteilt werden, da dies die weiteren Ermittlungen beeinträchtigen könnte. Anhaltspunkte für etwaige politische, religiöse oder ähnliche Motive haben sich jedoch weder im Rahmen der Vernehmungen des Beschuldigten noch im Rahmen der sonstigen, bisher geführten Ermittlungen ergeben.

1,4 Promille Alkohol

Der Beschuldigte stand bei der Tat unter Alkoholeinfluss. Eine nach seiner Festnahme durchgeführte Atemalkoholkontrolle ergab eine Atemalkoholkonzentration von 1,4 Promille. Ihm ist zur weiteren Untersuchung seiner Alkoholisierung eine Blutprobe entnommen worden. Der Beschuldigte zeigte zudem in seinem Verhalten bei und nach der Festnahme und im Polizeigewahrsam psychische Auffälligkeiten.

Die Staatsanwaltschaft Trier wird daher einen psychiatrischen Sachverständigen mit der Erstattung eines Gutachtens zur Frage seiner Schuldfähigkeit beauftragen. Nach vorläufiger Bewertung der bisherigen Erkenntnisse bestehen momentan jedoch zumindest keine konkreten Anhaltspunkte für einen vollständigen Ausschluss der Schuldfähigkeit.

Die Ermittlungen dauern an. Der Beschuldigte wurde nach Erlass des Haftbefehls in eine Justizvollzugsanstalt verbracht.

3. Meldung der Polizei: 2. Dezember 2020

Nach der unfassbaren Tat vom gestrigen Dienstag, dem 01.12.2020, ist die Betroffenheit und Anteilnahme in der Bevölkerung immens. An der heutigen zentralen Gedenkveranstaltung an der Porta Nigra im Herzen der Stadt Trier nahmen zahlreiche Menschen teil. Über den ganzen Tag verteilt besuchten zudem viele Menschen den Ort der furchtbaren Ereignisse, um den Opfern der Tat zu gedenken. Es wurden Kerzen angezündet und Blumen niedergelegt.

Zur Begleitung der Trauerbewältigung und um als Bürgerpolizei sichtbar und ansprechbar zu sein, wurde auf dem Hauptmarkt eine polizeiliche Anlaufstelle eingerichtet. Die dort geführten Gespräche und der uns entgegenbrachte Zuspruch in diesen schweren Stunden sind für uns nicht selbstverständlich. Wir werten diese Rückmeldungen als Beleg für eine vertrauensvolle und belastbare Beziehung der Bevölkerung mit ihrer Trierer Polizei. Sie sind für uns Ansporn und Verpflichtung zugleich. Für das entgegengebrachte Vertrauen möchten wir uns herzlich bedanken. Wir werden diese Anlaufstelle auch am morgigen Donnerstag, dem 03.12.2020, fortführen.

Darüber hinaus bieten wir in enger Zusammenarbeit mit dem Opferbeauftragten der Landesregierung Rheinland-Pfalz, der Unfallkasse Rheinland-Pfalz und der Stadt Trier eine psychosoziale Unterstützung für Ersthelfer und Betroffene an. Diese ist unter nachfolgender Notfall-Hotline zu erreichen: 0800 001 0218

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