Steirisch-niederösterreichscher Waldbrandeinsatz in Mazedonien läuft bei über 40 °C weiter (9. bis 11.8.2021)

ÖSTERREICH | MAZEDONIEN: Sowohl Montag, 9. August, als auch Dienstag, 10. August 2021, standen weiterhin im Zeichen der Verteidigung der Ortschaft Budinarci bzw. mehrerer abgelegener Gehöfte dieser Gemeinde, die sich auf rund 1.000 Meter Seehöhe befinden. Temperaturen jenseits der 40 Grad, Windgeschwindigkeiten um die 40 km/h und die wochenlange extreme Trockenheit begünstigen immer wieder das Auflodern bzw. die Ausbreitung der Flammen und stellen die Einsatzkräfte samt Gerät vor große Herausforderungen.

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Artikelupdate per 18.30 Uhr

Auch Glutnester bereits abgelöschter Brandherde zünden unter den gegebenen Bedingungen durch – so muss auch bereits abgebrannter Wald- und Wiesenboden auch immer wieder mit Wasser benetzt werden, um die Situation unter Kontrolle zu halten. Dabei ist auch die Drohne mit Wärmebildkamera zum Einsatz gekommen. In Ausnahmesituationen wird zum Schutz von Menschen und Infrastruktur in Absprache mit lokalen Behörden auch mit kontrollierten Gegenfeuern gearbeitet, um eine plötzliche und großflächige Ausdehnung der Flammen zu vermeiden.

Während die niederösterreichischen Einsatzkräfte im Rahmen ihrer Unterstützungsleistung die Wald- und Flurbrandbekämpfung durchführen und das Base of Operation mit Verpflegung etc. betreiben, liegt das Hauptaugenmerk der steirischen Einheiten auf die Sicherstellung der Löschwasserförderung. In Summe wurden in den letzten beiden Tagen knapp 300.000 Liter Löschwasser durch Pendelverkehr der Tanklöschfahrzeuge bzw. durch das Erstellen von Zubringleitungen mittels Schläuchen an die Einsatzstelle befördert.

Um die lokalen und internationalen Löschmannschaften im unwegsamen Gelände auch ausreichend mit Wasser versorgen zu können, wurden dafür an den letzten beiden Tagen rund drei Kilometer an Schlauchleitungen verlegt und ein Höhenunterschied von 170 Meter überwunden. Heute Mittwoch, 11. August 2021, setzen die örtlichen Kräfte, die sich aus Behörde, Zivilschutz, Militär, Feuerwehr und Privatpersonen zusammensetzen, die Brandbekämpfung unvermindert fort. Die niederösterreichischen und steirischen Einsatzkräfte unterstützen den Kampf gegen die Flammen seit nunmehr sechs Tagen. Weitere Unterstützung kommt von Einheiten aus Slowenien und Bulgarien.

2. Ablöse vorbereitet

Im Zusammenwirken von BM.I, LFV Niederösterreich und LFV Steiermark wurde für heute Mittwoch die bereits 2. Ablöse der Einsatzmannschaft von Feuerwehr und ÖRK koordiniert und organisiert. Der Kräftewechsel findet in der Nacht von (heute) Mittwoch auf Donnerstag auf dem Luftweg statt. Abflug und Landung jeweils in Wien. Im Gepäck haben die steirischen Ablöseeinheiten (52 Einsatzkräfte) unter anderem einen Directmode-Repeater mit Stativ und Antenne zur Reichweitenerweiterung des Sprechfunkverkehrs, Kartenmaterial und vieles weitere mehr mit.

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Durch die bevorstehende Mannschaftsrotation ergibt sich auch in der Führungsspitze der steirischen Einheit wieder eine Änderung. ABI Jürgen Rachwalik, derzeit in Nordmazedonien, wird von ABI Thomas Fessl abgelöst werden, der bereits die ersten Einsatztage das steirische Einsatzmannschaft angeführt hat.

Verletzten-Rücktransport mit Flugambulanz

Am Montag erlitt ein Mitglied der steirischen Einheit aus dem Bezirk Murtal eine Rückenverletzung. Er ist Montagabend beim Zusammenräumen im Camp vom Auto abgestiegen und auf der letzten Stufe des Trittbrettes abgerutscht – und mit dem Rücken auf den Asphalt gefallen. Anwesende Feuerwehrmitglieder und die Notfallsanitäter des ÖRK leisteten sofort Erste Hilfe.

Im Zusammenwirken mit dem österreichischen Botschafter in Nordmazedonien und den nordmazedonischen Gesundheitsbehörden erfolgte noch am Montagabend seine Verlegung nach Skopje, wo ihm in der Uniklinik die bestmögliche medizinische Behandlung und Betreuung zuteil wurde. Heute Vormittag erfolgt der Liegendtransport mit der Tyrol Air Ambulance von Skopje nach Graz, wo das Feuerwehrmitglied gegen Mittag im UKH eintreffen wird. Der Verletzte war jederzeit ansprechbar und es geht ihm den Umständen entsprechend gut.

Artikel-Update-Ergänzung

Personalrotation

Wie oben am Vormittag mitgeteilt, findet die nächste Personalrotation der österr. Feuerwehrkräfte mittels AUA heute Abend, 11. August 2021, statt. Derzeit befinden sich die Einsatzkräfte auf der Anfahrt zum Flughafen nach Wien-Schwechat, wo um 19 Uhr der offizielle Treffpunkt mit anschließender Lageeinweisung ist. Der Abflugnach Skopje findet um 22:35 Uhr mit Ankunft um 00:05 Uhr statt. Der Rückflug der abzulösenden Kameraden startet um 03:45 Uhr in Skopje mit Ankunft in Wien um 05:35 Uhr. Danach erfolgt die Rückverlegung der Kräfte in die Steiermark mit Mannschaftstransportfahrzeugen der Feuerwehr. Die Sanitäter des ÖRK Landesverband STMK werden ebenfalls mit abgelöst.

Die Führung der steirischen Kräfte wird, wie soeben vom Landesführungsstab unter der Leitung von DI Dr.mont. Hannes Kern mitgeteilt, ABI Stefan Semlegger von der FF St. Lorenzen am Wechsel (BFV HB) übernehmen, ABI Thomas Fessl von der FF Irdning (BFV LI) wird als sein Stellvertreter fungieren. Zugskommandant bei den Steirern wird OBI a.D. Peter Hopf sein, der diese Funktion bereits beim „ersten Turnus“ innehatte. Bei den nachrückenden Kräften ist auch OBR Volker Hanny, Bereichsfeuerwehrkommandant von Radkersburg und Landessonderbeauftragter für den Katastrophenhilfsdienst im Landesfeuerwehrverband Steiermark, dabei.

Lagebild

Während die Brände im Raum Pehcevo/Umlena von den lokalen Einheiten mit Unterstützung der internationalen Löschtrupps größtenteils unter Kontrolle gebracht werden konnten, liegt der augenblickliche Schwerpunkt nach wie vor in der Verteidigung der kleinen Ortschaft Budinarci, westlich von Pehcevo, welche momentan vom Brandgeschehen stark gefährdet ist. Hier setzen die örtlichen Kräfte, die sich aus Behörde, Zivilschutz, Militär, Feuerwehr und Privatpersonen zusammensetzen, gemeinsam mit den Kräften aus Österreich, Slowenien und Bulgarien, die Brandbekämpfung und das Aufspüren von Glutnestern unvermindert fort.

Worte des Dankes

Landesfeuerwehrkommandant LBD Reinhard Leichtfried, der vor wenigen Tagen selbst in Nordmazedonien gewesen ist, dankt angesichts der bevorstehenden Personalrotation allen Kräften, die im Kampf gegen die verheerenden Waldbrände hervorragende Arbeit geleistet haben und unter diesen Bedingungen bis an die Grenzen der körperlichen Belastbarkeit gehen müssen, sehr herzlich.

„In so einen Einsatz zu gehen, ist nicht selbstverständlich. Ohne diese uneigennützige Bereitschaft, hier viel Freizeit, einige Urlaubstage und letzten Endes auch die eigene Gesundheit einzusetzen, um für Menschen in Not da zu sein, würde im Feuerwehrwesen vieles nicht so funktionieren lassen, wie es funktioniert. Deswegen möchte ich in diesen Dank an unsere Einsatzkräfte auch die vielen Arbeitgeber einschließen, die Verständnis zeigen und das ehrenamtliche Engagement von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei einer Feuerwehr fördern und unterstützen, indem sie kurzfristige Urlaube oder Sonderurlaube gewähren, und so ihre Mitarbeiter, die ja auch unsere sind, für Einsatztätigkeiten von der Arbeit freistellen. Das verdient unseren höchsten Respekt, unseren Dank und unsere Anerkennung“.

Gleichzeitig dankt Leichtfried dem LFV Niederösterreich für die gemeinsame Arbeit und gelebte Kameradschaft im Einsatzraum, die von Idealismus, Leidenschaft und Überzeugung zur Hilfeleistung getragen wird. Weiters dankt LBD Leichtfried der Abteilung für Krisen- und Katastrophenschutzmanagement im Bundesministerium für Inneres für die exzellente Zusammenarbeit und Unterstützung in allen Belangen sowie der österreichischen Botschaftsvertretung in Nordmazedonien für den hervorragenden Beistand im Einsatzraum. Ein aufrichtiger Dank des steirischen Landesfeuerwehrkommandanten „für die reibungslose Zusammenarbeit in diesen krisenhaften Tagen“ richtet sich auch an die Vertreter von nordmazedonischen Regierungsinstitutionen, Behörden und Gemeinden sowie an die örtliche Zivilbevölkerung. „Allen nachrückenden Kräften wünsche ich einen guten Einsatzerfolg und eine gesunde Rückkehr nach Österreich“, so Leichtfried abschließend.

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