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Bayern: 34 Feuerwehrleute trainieren komplexe Lkw-Rettungstechniken → Landkreislehrgang an ausrangierten Fahrzeugen

SIEGSDORF (BAYERN): Die Fahrerkabine hat sich verkeilt, der Patient ist in zwei Metern Höhe eingeschlossen und vom Boden aus kaum sichtbar. Schwere Lkw-Unfälle gehören zu den anspruchsvolleren Einsatzszenarien für die Feuerwehren. Dem gegenüber steht die eher knappe Verfügbarkeit geeigneter „Übungsobjekte“ in Form von ausgedienten Fahrzeugen. Daher ist es besonders erfreulich, dass kürzlich an zwei Tagen jeweils ein Lehrgang des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein für 34 Einsatzkräfte aus 25 Feuerwehren angeboten werden konnte.

Kürzlich fanden sich die Teilnehmer des Lehrgangs „Technische Hilfeleistung – LKW Unfall“, aufgeteilt in zwei Gruppen zu je 17 Teilnehmern, in Siegsdorf zusammen. Als „Chef Ausbilder“ konnte der Brandamtmann Axel Topp, eine erfahrene Führungskraft sowie Ausbildungsleiter bei der Berufsfeuerwehr Nürnberg, gewonnen werden. Die Koordination und Lehrgangsorganisation wurde durch den heimischen Fach-Kreisbrandmeister für „Sonderaufgaben“, Matthias Seidenfuß, übernommen. Der Theorieblock fand im Feuerwehrhaus Siegsdorf statt und die praktischen Lehrgangsteile wurden auf dem Firmengelände des Abschleppunternehmens RIGRA abgehalten.

„Ohne Taktik keine schnelle Rettung“

Am Anfang eines jeden Ausbildungstages stand ein einstündiger Theorieblock auf der Agenda. Dabei lernten die Teilnehmer den Leitfaden für die LKW-Rettung kennen. Wichtige Themen waren neben der grundlegenden Einsatztaktik unter anderem die Herausforderungen bei alternativen Antrieben. Zentrale Themen waren dabei auch die sogenannte Raumordnung an der Einsatzstelle, also die Anordnung von Fahrzeugen und Geräten.

Darüber hinaus wurde für diese Szenarien die Besonderheiten bei der Erkundung besprochen, da sich die LKW Insassen deutlich oberhalb des Sichtfeldes befinden. Abschließend befassten sich die Teilnehmer mit den Themen „Ladung“ und „Ladungssicherung“, da in diesem Bereich ebenfalls potenzielle Gefahren für die Retter lauern. Abgerundet wurde der Theorieblock mit der Fahrzeugsicherung sowie dem Brandschutz an der Einsatzstelle.

Für die Praxisübungen standen zwei LKWs zur Verfügung, die von der Trostberger Spedition Zimmermann beziehungsweise der Firma RIGRA für die Ausbildungseinheiten zur Verfügung gestellt wurden. „Das Siegsdorfer Abschleppunternehmen hat sich außerdem um den Abtransport der LKWs zum Verwertungsbetrieb gekümmert“, informiert Matthias Seidenfuß und ergänzt, „das war uns eine große Hilfe, denn einen LKW zu transportieren ist nicht ohne weiteres möglich“.

Die Übungen selbst, wurden unter möglichst realistischen Bedingungen durchgeführt. Dabei kamen unter anderem Rettungsplattformen zum Einsatz, die das Arbeiten in Höhe des Führerhauses ermöglichten. Ein besonderes Augenmerk legten die Teilnehmer auf ein zügiges Schaffen von Zugangsöffnungen, um bei echten Einsätzen schnell notfallmedizinische Maßnahmen einleiten zu können.

34 Feuerwehrleute aus 25 Wehren

Dabei lernten die Aktiven der Feuerwehren Ruhpolding, Unterwössen, Schnaitsee, Eisenärzt, Surberg, Chieming, Vachendorf, Schleching, Seebruck, Traunstein, Bergen, Traunreut, Holzhausen, Reit im Winkl, Vogling, Übersee, Törring, Tengling, Wonneberg, Wolkersdorf, Kay, Trostberg, Obing, Vogling und Siegsdorf unter anderem, wie man die schweren Fahrzeugtüren kontrolliert überbiegt und anschließend sichert. Dies hat gegenüber dem Einsatz von Schere und Spreizgerät einen deutlichen Zeitvorteil und schafft häufig bereits den nötigen Zugang zur patientenschonenden Rettung.

Lehrgangsinhalte waren auch der Einsatz von Rettungsschere, Spreizer und Rettungszylindern. Darüber hinaus trainierten die Lehrgangsteilnehmer das Öffnen der Kabinenrückwand unter Einsatz einer Säbelsäge sowie das kontrollierte Wegziehen der LKW-Front mittels Seilwinde.

Der Ausbilder Axel Topp erinnerte die Lehrgangsteilnehmer während der Arbeiten immer wieder zu logischen Herangehensweisen und den gezielten Werkzeugeinsatz. Damit wollte er vermitteln, dass eine sinnvolle Herangehensweise häufig effektiver ist als der sofortige Griff zum schweren technischen Gerät. Durch gezielte Tipps und Tricks konnten so die Übenden immer wieder alternative Vorgehensweise kennenlernen und bei zukünftigen Einsätzen zur Anwendung bringen.

Das Resümee der Teilnehmer am Ende eines jeden Ausbildungstages war äußerst positiv. Zahlreiche Feuerwehrleute betonten, „der Lehrgang ist sehr praxisbezogen“ und „ich kann viel wertvolles Wissen in meine Heimatfeuerwehren mitnehmen“. Matthias Seidenfuß zeigte sich unterdessen von der Fachkompetenz und der begeisternden Art des Ausbilders beindruckt, „dieser hat für großes Engagement unter den Teilnehmern gesorgt. Gleichzeitig blickt der Fach-Kreisbrandmeister bereits ins kommende Jahr. „Eine Neuauflage dieses besonderen Angebotes ist seitens des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein natürlich gewünscht. Dies hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob erneut Schrott-LKWs als Übungsobjekte aufgetrieben werden können“, so der Lehrgangsverantwortliche.

Kreisfeuerwehrverband Traunstein

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