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Schweiz: Update → Tödliches Bar-Feuer in Crans-Montana VS: 113 Brandopfer identifiziert, sechs noch unbekannt

CRANS-MONTANA (SCHWEIZ): Von den 119 Personen, die nach dem verheerenden Brand in der Bar «Le Constellation» im Ferienort Crans-Montana während der Silvesternacht hospitalisiert werden mussten, konnten 113 formell identifiziert werden . Für die verbleibenden sechs Verletzten ist die Identifikation noch im Gange.

Zur Bewältigung der Lage wurde die europäische Gemeinschaft um Hilfe gebeten. Rund 50 Patientinnen und Patienten mit schweren Verbrennungen sollen in den nächsten Tagen aus der Schweiz ausgeflogen und zur Behandlung in Nachbarländer gebracht werden. Die vorläufige Bilanz der schrecklichen Tragödie beläuft sich auf 40 Tote. Ihre Identifizierung wird noch einige Tage in Anspruch nehmen. Der italienische Außenminister Antonio Tajani reiste heute an den Ort des Geschehens, um den Opfern des Brandes und ihren Angehörigen, darunter auch zahlreiche italienische Staatsangehörige, die Solidarität der italienischen Regierung zu bekunden.

In der Silvesternacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar 2026 kam es in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana infolge eines Brandes zu einem Flashover, der nach ersten Erkenntnissen eine oder mehrere Explosionen zur Folge hatte und zahlreiche Tote und Verletzte forderte. Im Rahmen der Neujahrsfeierlichkeiten feierten zahlreiche Gäste in der zweistöckigen Bar.

Vorläufige Bilanz und Behandlung der Opfer

Das rasche Ausbreiten des Feuers im Lokal führte zum Tod von rund 40 Personen. Es wird damit gerechnet, dass die Identifizierung der Opfer noch einige Tage oder gar Wochen in Anspruch nehmen wird. Neben den Toten sind 119 meist Verletzte mit meist schweren Verbrennungen zu beklagen. Von den Verletzten konnten 113 formell identifiziert werden. Für die verbleibenden sechs sind die Bemühungen noch im Gange. Unter den Opfern befinden sich auch ausländische Staatsangehörige verschiedener Staaten. Es wurde eine psychologische Betreuungsstelle eingerichtet, um die Angehörigen von Verletzten oder Verstorbenen in Obhut zu nehmen und zu unterstützen.

Viele der Opfer haben schwere Verbrennungen erlitten und befinden sich noch immer in einem kritischen Zustand. Mehrere Brandverletzte wurden zur Behandlung in die beiden Schweizer Spezialzentren für Verbrennungen, das Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV) in Lausanne und das Universitätsspital Zürich, verlegt. Um die grosse Zahl der Opfer mit Schwerstverbrennungen zu behandeln, hat die Schweiz über den Nationalen Verbund Katastrophenmedizin KATAMED die Aktivierung des Katastrophenschutzmechanismus der Europäischen Union beantragt. Über dieses Verfahren koordiniert die EU die Hilfe bei größeren Katastrophen in den Mitgliedsstaaten und gewissen Nicht‑EU‑Ländern. Geplant ist die prioritäre Verlegung von rund 50 Patientinnen und Patienten in Fachkliniken in den Nachbarländern. Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien und weitere Länder haben ihre Hilfe angeboten. Die Verlegung der Verletzten wird in den kommenden Stunden und Tagen erfolgen.

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Im Spital Wallis sind an den verschiedenen Standorten Sitten, Siders, Visp und Martinach rund 60 Patientinnen und Patienten in Behandlung. 60 weitere Patientinnen und Patienten wurden in andere Spitäler in der Schweiz transportiert, darunter in die beiden Spezialkliniken für Brandverletzungen.

Unterstützung durch Drittstaaten

Der stellvertretende italienische Ministerpräsident und Minister für auswärtige Angelegenheiten und internationale Zusammenarbeit Antonio Tajani reiste am 2. Jänner 2026 an den Ort des Geschehens, um den Opfern des Brandes und ihren Angehörigen, darunter auch italienische Staatsangehörige, die Solidarität der italienischen Regierung auszusprechen. Darüber hinaus gingen bei den Schweizer und Walliser Behörden zahlreiche Solidaritätsbekundungen weiterer Staaten ein. Zu dieser Jahreszeit befinden sich zahlreiche ausländische Staatsangehörige in der Feriendestination Crans-Montana. Die Bemühungen, die Verstorbenen möglichst rasch zu identifizieren und den Informationsaustausch, insbesondere mit dem Ausland, zu koordinieren, werden unter Hochdruck fortgesetzt. Als Zeichen der Trauer und Anteilnahmen hat die Walliser Regierung die Flaggen des Kantons auf Halbmast gesetzt. Sie ist in Gedanken bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen Betroffenen. Der Staatsrat spricht auch allen Mitarbeitenden der Rettungskette, der Ordnungskräfte und der Spitäler, die an der Bewältigung dieses Ereignisses beteiligt waren, seinen Dank aus.

Feier

Am Freitag, 9. Januar 2026, ist in Crans-Montana eine Feier zu Ehren der Verstorbenen und Verletzen stattfinden. Ausserdem wird der Bund ab Samstag auf seiner Website (www.admin.ch) ein Kondolenzbuch online schalten, damit alle, die dies wünschen, den Betroffenen ihre Anteilnahme bekunden können.

Mobilisierte Einsatzkräfte

Der Staatsrat hat die besondere Lage ausgerufen, um über die nächsten Tage alle notwendigen Mittel zur Bewältigung des tragischen Ereignisses einsetzen zu können. Die Einsatzkräfte waren am Ereignis mit einem Großaufgebot im Einsatz, darunter etwa 30 Polizisten, 60 Inspektoren, 70 Angehörige der Feuerwehr, 150 Rettungskräfte und 42 Mitglieder des Zivilschutzes, unterstützt von 42 Ambulanzen und 13 Helikoptern. Für die Opfer und ihre Angehörigen, Opfer mit leichten Verletzungen und Zeugen wurde eine Helpline eingerichtet, die unter der Nummer 0848 112 117 erreichbar ist.

Siehe auch: Schweiz: Mindestens 40 Tote und über 100 Verletzte bei Explosion in Bar in Neujahrsnacht in Crans-Montana

Kritische Zustände – Medizinische Evakuationen angelaufen

Patienten mit schweren Verbrennungen brauchen eine hochspezialisierte medizinische Versorgung. Gemäß der interkantonalen Planung über die hochspezialisierte Medizin (HSM) haben die Spitäler in Lausanne (CHUV) und Zürich (Universitätsspital) den Auftrag für die hochspezialisierte medizinische Versorgung von Brandverletzten in der Schweiz. Nachdem in einer ersten Phase für alle Verletzten eine Erstversorgung in Schweizer Spitälern sichergestellt werden konnte, sind die Kapazitäten für die bestmögliche langfristige Behandlung, die voraussichtlich mehrere Monate in Anspruch nehmen wird, aufgrund der großen Anzahl von Patienten mit schweren Verbrennungen nach dem Brand in Crans Montana in der Schweiz nicht ausreichend.

Die Schweiz hat daher über den dafür vorgesehenen Prozess des Union Civil Protection Mechanism um Unterstützung ersucht, nachdem verschiedene Staaten und das EU Emergency Response Coordination Centre ERCC ihre Unterstützung angeboten hatten. Die Unterstützung umfasst spezialisierte Behandlungsplätze und medizinische Lufttransportkapazitäten. Zudem unterstützen spezialisierte medizinische Equipen, sog. Burns Assessment Teams, aus Frankreich und Italien die Schweizer Spitäler im Wallis und in Lausanne und helfen bei der Koordination von Transporten in diese Länder. Zwei Liaison-Personen des ERCC treffen am 3. Jänner 2026 in der Schweiz ein.

Der Nationale Verbund Katastrophenmedizin KATAMED (ehem. Koordinierter Sanitätsdienst) hat eine Strategie zur Verlegung der Patienten festgelegt, wonach möglichst viele Patienten einen Platz in einer spezialisierten Klinik für die Behandlung von Verbrennungsopfern im In- oder Ausland erhalten sollen. Dabei wurden nun Prozesse angewendet, die sich im Rahmen der Neuausrichtung von KATAMED bereits in Entwicklung befanden. In Zusammenarbeit mit den Spitälern im Kanton Wallis, den spezialisierten Spitälern in Lausanne und Zürich sowie weiteren Spitälern, die Patienten aus Crans Montana betreuen, der Rega, dem EU Emergency Response Coordination Centre ERCC sowie weiteren beteiligten Organisationen koordiniert die Nationale Alarmzentrale und Ereignisbewältigung NEOC des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz die medizinischen Evakuationen.

Die behandelnden Spitäler melden die Patienten, die verlegt werden sollen. Gemäß der angebotenen Aufnahmekapazität der spezialisierten Spitäler in der EU werden dann Flüge mit für den Patiententransport ausgerüsteten Flugzeugen und Helikoptern der Rega, aber auch nationaler und europäischer Partner durchgeführt. Dabei werden sowohl Patienten mit Wohnsitz außerhalb der Schweiz als auch Schweizer Patienten verlegt, um ihre bestmögliche medizinische Versorgung zu gewährleisten. Die Zuteilung der Patientinnen und Patienten auf die zur Verfügung stehenden Behandlungsplätze erfolgt nach medizinischen Kriterien, entsprechend dem Zustand und den verschiedenen Verletzungen. Es sind medizinische Entscheide, die ausschlaggebend sind. Die Verlegung ist medizinisch dringlich und muss spätestens in den nächsten 48 Stunden erfolgen, in denen die Patienten noch so stabil sind, dass sie verlegt werden können. Es ist wichtig, dass die Angehörigen für die angewandten Kriterien und die Dringlichkeit Verständnis aufbringen, auch wenn das für die Familien unbeschreiblich schwere Situationen sind.

Gegenwärtig wird mit rund 50 Verlegungen gerechnet, die bis Sonntag, 4. Januar, durchgeführt werden sollen. Die meisten Verlegungen werden in die Nachbarländer Deutschland, Frankreich, Italien und nach Belgien erfolgen, weitere Plätze wurden von anderen Staaten angeboten. Da es sich um eine enorm große Anzahl schwerverbrannter Patienten handelt, müssen auch Verlegungen in weiter entfernte Länder ins Auge gefasst werden. Medizinische Lufttransportkapazitäten stellen bisher Deutschland, Frankreich, Luxembourg, Rumänien und Italien zur Verfügung. Die Helpline 0848 112 117 steht den Angehörigen der Opfer sowie Leichtverletzten und Zeugen zur Verfügung.

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